Achtsamkeit – was ist das?

Achtsamkeit - was ist das?

SteineAchtsamkeit ist ein großes Wort. Vor allem in der letzten Zeit hört und liest man es immer wieder. Achtsamkeitsmeditationen und Übungen scheinen das Allheilmittel gegen Stress und Burnout zu sein. Aber sind sie das wirlich?

In den Heiligenfeld Kliniken spielt Achtsamkeit eine große Rolle in der Therapie. Deshalb haben wir uns heute mal in unserem Blog mit dem Thema beschäftigt.

Was ist Achtsamkeit?

Achtsamkeit kann zunächst als achtsame Haltung beschrieben werden. In einem bewussten Wahrnehmen, in einem Beobachten ohne zu bewerten, erfassen wir die gegenwärtige Situation und den Augenblick. Wir werden auch zu einem „inneren Beobachter“, der sich seiner selbst gewahr wird – mit seinen Gedanken, Gefühlen, Körperempfindungen. Diese Qualität des Spürens der eigenen bewussten Anwesenheit nennen wir Präsenz. Präsent sein kann erfahren werden als in-sich-ruhend, als offen und weit.

In Führungspositionen z. B. kommt es ohne eine wirkliche Präsenz immer wieder zu automatisierten, stereotypen Verhalten, das den spezifischen Anforderungen der Führungssituation nicht gerecht wird.

Achtsamkeit hilft uns durch eine bewusste Lenkung der Aufmerksamkeit, uns leichter aus der Identifizierung mit unseren eigenen Theorien und Modellen und aus Problemfixierungen zu lösen, wir werden freier und autonomer in unseren Entscheidungen.

Durch ein bewusstes Pendeln zwischen verschiedenen Wahrnehmungsebenen (z. B. Körperempfindung, Gefühle, Gedanken, äußere Reize) gewinnen wir ein mehrperspektivisches, differenzierteres Bild von uns und der Welt, was der Komplexität unseres (Arbeits-)Lebens eher gerecht wird.

Gleichzeitig ermöglicht uns Achtsamkeit die Qualität von Tiefe, das innere Verbundensein mit unserem Wesen, der Ursprünglichkeit unseres Lebens und dem Grund unseres Seins, der aufgehoben ist in etwas Größerem und Umfassenderem. Wir können dies die Erfahrung unserer Seele nennen.

Für die Arbeit als Führungskraft ist es z. B. hilfreich und nützlich, sich in der Achtsamkeit und der Präsenz zu verankern und dann von dieser aus unseren Mitmenschen, Kollegen, Kunden zu begegnen. So vermeiden wir Verwicklungen und können aus unserer Achtsamkeit heraus neue Antworten entstehen zu lassen. Das selbe gilt aber auch für alle anderen Berufe oder Lebensbereiche.

Hilft Achtsamtkeitstraining wirklich?

Das gezielte Training von Achtsamkeit trägt dazu bei, konzentrierter arbeiten, Stress besser bewältigen und emotional ausgeglichener handeln zu können.
Neuere Studien belegen, dass Achtsamkeit die Leistungen z. B. bei der Bewältigung von Führungsaufgaben signifikant verbessern kann. (Vgl. Sebastian Sauer u.a.: Mindful Leadership: Sind achtsame Führungskräfte leistungsfähigere Führungskräfte ?, München 2011)

  • So wurde bewiesen, dass bereits kurze Achtsamkeitstrainings die Leistung in einem Konzentrationstest signifikant zu erhöhen vermag.
  • Zudem gewinnen Teilnehmer eines Achtsamkeitstrainings einen neuen Blick auf Routineaufgaben, sie erkennen mehr subtile Details und entwickeln neue Sichtweisen in Problemsituationen.
  • Es ließ sich auch nachweisen, dass achtsamkeitsbasierte Interventionen neuronale Effekte im limbischen System bewirken können. Eine verbesserte Versorgung dieses Teils des Gehirns, in dem unsere Emotionen verarbeitet werden, lässt auch eine verbesserte Emotionsregulierungsfähigkeit bei Führungskräften erwarten.
  • Achtsamkeit trägt dazu bei, dass Führungskräfte ihr Handeln glaubwürdiger an persönlichen Überzeugungen und transparenten Grundwerten ausrichten können. Achtsamkeit hilft an „innerer Transparenz“ zu gewinnen und mehr durch das eigene Vorbild als durch Kontrolle oder Anweisung zu führen.
  • Achtsamkeit verbessert auch das Interaktions- und Kommunikationsverhalten von Führungskräften, da egoistische Bestrebungen weniger im Vordergrund stehen und die Wahrnehmung des Gegenübers an Bedeutung gewinnt.

In klinischen Studien konnten auch die positiven Wirkungen beim Einsatz achtsamkeitsbasierter Methoden bei der Behandlung psychosomatischer Erkrankungen wie z.B. Depressionen, Ängsten oder Panikattacken, Burnout-Syndrom, chronischen Schmerzzuständen, Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Migräne u.a. nachgewiesen werden.

Heiligenfeld Kliniken – Achtsamkeit in der Psychotherapie und Unternehmenskultur

Bereits seit der Gründung der Heiligenfeld Kliniken  im Sommer 1990 spielt die Qualität der Achtsamkeit eine besondere Rolle. Achtsamkeit gilt als ein Kernprinzip des ganzen Unternehmens, Achtsamkeit wird in Teamsitzungen kultiviert, Achtsamkeit wird in der Therapie mit verschiedenen Angeboten gezielt geschult.

Eine Besonderheit der Kliniken ist die z. B.  Möglichkeit, verschiedene Meditationsformen kennenzulernen und zu schulen – für Patienten und Mitarbeiter. Mehrmals im Jahr finden spezielle Achtsamkeitstage statt, in denen eine Vertiefung des Prinzips der Achtsamkeit erreicht werden kann. Kleine Rituale, Stilleübungen, Atem- und Körperübungen unterstützen die Achtsamkeit im Berufsalltag. In der Therapie sind unterschiedlichste Übungen zur Entwicklung der Achtsamkeit integriert.

Zwei  der Heiligenfelder Essenzen sind z. B. Achtsamkeit und Präsenz. In der Unternehmensphilosophie steht Folgendes dazu:
Heiligenfeld ist ein Feld des Gewahrseins, eine erwachende und bewusstwerdende Organisation. Achtsamkeit, Präsenz und Bewusstwerdung sind auch Kernprinzipien im Heilungsprozess. Eine Verankerung in der eigenen Seele der Therapeuten im Sinne einer beseelten Medizin und einer beseelten Psychotherapie fördert eine Öffnung der Seele der Patienten für Selbstreflexion und Heilung.

 

Nun möchten wir Sie noch einladen, eine kleine Übung mit uns zu machen. Und zwar den Klassiker der Achtsamkeitsübungen: Die ganze Welt in einer Rosine

Diese Übung wird noch heute als Einstiegsübung von MBSR-Seminaren genutzt.  Diese Übung bietet einen ersten erlebnisreichen Kontakt mit dem Thema Achtsamkeit. Für diese Übung nimmt man sich 8-10 Minuten Zeit. Viel Spaß !

1. Nehmen Sie sich eine einzelne Rosine (oder auch ein Stück Brot).
2. Legen Sie die Rosine auf Ihre flache Hand.
3. Betrachten Sie die Rosine. Was sehen Sie?
4. Welche Farben reflektiert die Rosine ? Welche Form sie ?
5. Können Sie die Rosine mit Ihren Worten beschreiben?
6. Spüren Sie die Rosine, wie sie auf Ihrer Hand liegt, den Kontakt mit Ihrer Haut?
7. Welche Gedanken und Bilder entstehen, wenn die Rosine auf ihrer Hand liegt? Gibt es Gefühle, die in Ihnen aufkommen?
8. Woher kommt diese Rosine wohl ? Aus welchem Land stammt sie ?
9. Welche und wieviele Menschen waren wohl an ihrem Entstehungs- und Produktionsprozess beteiligt ?
10. Nehmen Sie die Rosine zwischen Zeigefinger und Daumen.
11. Fühlen Sie die Konsistenz der Rosine. Bewegen Sie die Finger, erhöhen sie leicht den Druck und spüren Sie was passiert.
12. Wie fühlt es sich an? Wie Welche Empfindungen und Gefühle entstehen bei Ihnen?
13. Riechen Sie an der Rosine. Welche Gedanken und Gefühle kommen auf?
14. Legen Sie die Rosine auf Ihre Zunge – aber bitte noch nicht kauen, einfach nur auf die Zunge legen.
15. Wie fühlt sich die Rosine nun an? Gibt es schon einen Geschmack ?
16. Und nun beginnen Sie langsam zu kauen. Am besten nur einmal und spüren Sie dann nach. Was verändert sich?
17. Kauen Sie die Rosine nun mindestens 20-30 mal im Mund und bleiben Sie achtsam. Legen Sie eine Pause ein und nehmen Sie Ihre Sinne war. Was schmecken Sie?
18. Und nun schlucken Sie die Rosine.
19. Was verändert sich? Nehmen Sie wahr wie der Geschmack nachlässt?
20. Welche Gedanken und Gefühle werden dabei ausgelöst?
Könnten wir doch jeden Moment unseres Lebens so intensiv wahrnehmen und genießen … 🙂

 

Ihnen gefällt dieser Beitrag? Dann freuen wir uns über eine Empfehlung in Ihr soziales Netzwerk!

The following two tabs change content below.
Kathrin Schmitt

Kathrin Schmitt

Kathrin Schmitt ist Kommunikationsmanagerin und seit 2009 bei den Heiligenfeld Kliniken unter anderem für den HeiligenfeldBLOG verantwortlich. Schreiben gehört zu ihren größten Leidenschaften.

4 Kommentare


  1. Liebe Kathrin,
    es ist wohltuend, einen Tag mit einem solch wichtigen Thema zu beginnen (bin gerade in Philadelphia). Als imaginative Frau fühlte u schmeckte ich die Rosine auch ohne sie in meiner Hand zu haben. Das Beschriebene in den Umgang mit Menschen zu übertragen ist das Wesentliche. Natürlich ist Achtsamkeit in allen Bereichen unseres Lebens von Bedeutung, macht unser Leben reich. Eines unserer wesentlichen Lebens-Ziele sollte sein, durch unser Verhalten, Sprechen und Handeln nichts zu tun, was einen anderen Menschen verletzen könnte. Es gibt einen Begriff in der deutschen Sprache, den ich seit ich ihn beim Erwerb dieser entdeckte, immer wieder in meinem Geist bewege: „gewahr werden“ – das berührt mich.
    Herzliche Grüße,
    Zuzanna Heinrich

    Antworten



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.