Aus der Therapie: Initiatische Schwertarbeit

„So wie ich mein Schwert führe, so führe ich auch mein Leben.“

Initiatische SchwertarbeitDiese Erkenntnis spielt eine große Rolle, wenn in der Therapiegruppe mit dem Bokken, einem aus der fernöstlichen Kampfkunst entlehnten Holzschwert, gearbeitet wird. In Heiligenfeld nennen wir das „Initiatische Schwertarbeit“.

Das Schwert ist dabei Spiegel und Ausdruck, wie der Mensch zu sich und zur Welt steht. Es zeigt, wo durch alte Verhaltensmuster und Einstellungen noch Blockaden existieren. Bewusste Übung und eine immer wieder erneute Anbindung an die innere Quelle der Lebenskraft (Ki) – das untere Ende des Schwerts zeigt in der Ausgangshaltung in das körperliche Zentrum – führen zu Klarheit, Entschiedenheit, Bewusstheit und Präsenz. Geübt wird mit japanischen Holzschwertern in Einzel- und Partnerübungen. Ergänzend werden die Übungen durch reflektierende Gespräche, um das Erlebte auf die individuelle Lebenssituation zu beziehen.

Die Übungen mit japanischen Schwertern aus Holz dienen der Stärkung der eigenen Kraft, der Ich-Kraft, der vitalen Lebenskraft, der Standkraft sowie des Durchsetzungsvermögens und fördern Qualitäten der Klarheit wie Entschiedenheit, Konsequenz, Direktheit und die Fähigkeit, sich abzugrenzen und nein zu sagen. Sie helfen, zu mehr Selbstbewusstsein zu finden, mit Ängsten umzugehen und besser bei sich zu bleiben. Diese Übungen sind dadurch, dass sie unmittelbar erfahren werden können, sehr wirkungsvoll und auf die Herausforderungen des Alltags gut übertragbar.

Die Initiatische Therapie vereinigt den Ansatz der analytischen Komplexpsychologie von C. G. Jung und andere leib- und kreativtherapeutische Elemente mit östlichem Weisheits- und Erfahrungsgut unter Einbeziehung der Zen-Meditation und anderer Übungswege.

Fecht- und Schwertkampf-Übungen beinhalten Bewegungs­abläufe, die genutzt werden können, um wichtige psychische Grundenergien zugänglich zu machen und zurückgehaltene Impulse und Energiepotenziale in einem Beziehungskontext frei zu setzen. Ken Wilber postuliert: Bewusstheit an sich ist heilend. Die therapeutische Arbeit mit dem Holzschwert ist eine Arbeit, die auf eine sehr unmittelbare Weise zur Bewusstheit verhilft.

Der Nutzen für die Patienten liegt in der Verbesserung wesentlicher Eigenschaften und Haltungen:

  • Selbstbewusstsein: die eigene Kraft spüren
  • Präsenz: den eigenen Platz einnehmen und Spannung aushalten
  • Stärke: eigene Aggression zulassen und kontrollieren können
  • Bezogenheit: sich ganz zumuten
  • Abgrenzung: Fremde Aggression abwehren, jemand anderen nicht durchlassen
  • Achtsamkeit: die eigenen Vermeidungsstrategien unmittelbar spüren
  • Durchhaltevermögen: die eigene Kraft einteilen und stehen bleiben
  • Timing: Führung aus dem Körperbewusstsein
  • Entschlossenheit: beste Ergebnisse auf dem kürzesten Weg
  • Meisterschaft: Größe bewahren und Demut zulassen
  • Wachheit: geerdet und voll präsent im Moment leben

Ein kleines Beispiel soll den Nutzen verdeutlichen: Der neue Stand gibt Selbstsicherheit oder löst Streitereien in hierarchischen Strukturen auf, das Genießen der Verteidigung führt zu einem neuen Streitverhalten in der Beziehung oder der Genuss an der eigenen klaren Kraft löst viele Spannungen im Körper und in der Seele. Die gewonnene Fähigkeit, Augenkontakt zu halten ohne Furcht oder Aggression führt zu einem neuen Auftreten dem Chef gegenüber. Die Energie, die in Beziehungskonflikten zur Aggression wird, kann nun zum Einnehmen des eigenen Platzes und dessen Verteidigung genutzt werden, ohne den Partner zu verletzen. Die Achtsamkeit für das eigene Tun und dessen Folgen, für den eigenen Körper und Verstand und die Grenzen des Gegenübers erhöht sich.

Als Gesundheitsreferent führe ich diese Schwertarbeit auch während Inhouse-Veranstaltungen in  z. B. Schulen oder öffentliche Verwaltungen durch. Meine Inhouse-Veranstaltungen werden über die Akademie Heiligenfeld organisiert. Nähere Infos erhalten Interessierte unter: stefan.schneider@heiligenfeld.de

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Stefan Schneider

Stefan Schneider

Stefan Schneider ist Gesundheitsreferent in den Heiligenfeld Kliniken. Er ist zuständig für die Betreuung von Lehrern und Beamten. So bietet er unter anderem Workshops für Schulen und Behörden an. In den Kliniken betreut er die Burn-out-Gruppe und das Lehrercoaching. Weitere Informationen zu den einzelnen Autoren finden Sie auch unter dem Menüpunkt "Über den Blog und seine Autoren".

3 Antworten auf Aus der Therapie: Initiatische Schwertarbeit

  • Ui, toller Beitrag, Herr Schneider! 🙂 Da fühle ich mich ja fast selbst wieder in meine Zeit in der Parkklinik zurückversetzt. Dort durfte ich die Schwertarbeit auch erleben. Ich fand es wirklich wahnsinnig, wie man aus der Art und Weise, wie man das Schwert führt, etwas über sein Leben erfahren kann. Mir hat es in manchen Dingen die Augen geöffnet.
    Freundliche Grüße
    Kili

  • mir hat die therapie in heiligenfeld auch gut getan.
    vor allem das kreative malen und taketina fand ich klasse. vielleicht könnt ihr ja darüber auch mal hier einen beitrag machen??

    • Kathrin Schmitt

      Hallo buddy,
      vielen Dank für die Anregung, die wir gerne aufnehmen und demnächst umsetzen.
      Liebe Grüße
      Kathrin Schmitt

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