Depression im Herbst

Nebel, Nieselregen, Dunkelheit: Der Herbst zeigt sich oft von seiner ungemütlichen Seite. Immer mehr Menschen schlägt dieses Wetter aufs Gemüt und sie leiden darunter.
Viele fühlen sich mit Beginn des Herbstes schlapper und lustloser, das fehlende Sonnenlicht und die oft dunklen und trüben Monate beeinflussen unsere Stimmung und unseren Gefühlszustand.
Jeder dritte Deutsche fällt während der dunklen Jahreszeit in ein Stimmungstief, Frauen sind mit 36 Prozent deutlich mehr betroffen als Männer (24 Prozent). Das ergab jetzt eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker-Krankenkasse (TK) unter 1026 Deutschen. Was allgemein als Herbst- oder Winterblues bekannt ist, bezeichnen Experten als saisonal abhängige Depression, kurz SAD.
Was es genau mit dieser saisonal abhängigen Depression auf sich hat und was jeder einzelne wirksam dagegen machen kann, erklärt Erwin Schmitt, Chefarzt der Parkklinik Heiligenfeld.
Erwin-SchmittSind Stimmungsschwankungen im Herbst normal? Ab wann spricht man von einer Herbst-Winter-Depression?
Viele Menschen spüren eine vorübergehende melancholische Stimmung, wenn es vom Sommer in den Herbst übergeht. Dies ist jedoch kein Grund zur Sorge und hat nichts mit einer Depression im medizinischen Sinne zu tun. Von einer Depression spricht man, wenn die traurige düstere Stimmung den eigenen Alltag so weit beeinträchtigt, dass eine Alltagsbewältigung nicht mehr gegeben ist. Eine saisonal abhängige Depression liegt vor, wenn die Depression mindestens zwei Jahre hintereinander und ausschließlich in der entsprechenden Jahreszeit aufgetreten ist.
Stimmt es, dass mehr Menschen in den Herbst- / Wintermonaten an einer Depression erkranken?
Wenn man die Erkrankungen an SAD, also der saisonal abhängigen Depression in den Herbst-, Wintermonaten, zu den normalen Depressionserkrankungen hinzurechnet, kommt in der Summe gesehen eine höhere Anzahl an Erkrankungen zustande. Es sollte jedoch beachtet werden, dass die saisonal abhängige Depression im Normalfall als zeitlich begrenzte Erkrankung gesehen werden kann und somit über das Jahr gesehen nur geringfügige Schwankungen bezüglich des Auftretens von Depressionen entstehen.
 
Welche Ursachen gibt es, dass diese psychische Erkrankung gerade in den dunklen Monaten entsteht?
Eine mögliche Ursache kann sein, dass aufgrund der Umstellung des biologischen Tagesrhythmus und folglich auch der Schlafgewohnheiten, Störungen im Hormonhaushalt auftreten können. Dies wird zusätzlich durch die geringere Sonneneinstrahlung begünstigt. Sonnenlicht reduziert vor allem die Produktion des körpereigenen Hormons Melatonin, das wesentlich für den Schlaf- und Wachrhythmus des Körpers verantwortlich ist. Fehlt nun das notwendige Sonnenlicht, wird verstärkt Melatonin produziert und viele Menschen fühlen sich während der dunklen Herbst- und Wintermonate oft müde und antriebslos. Ebenso werden durch den Lichtmangel weniger Dopamin und Serotonin ausgeschüttet. Diese Botenstoffe sind auch als Glückshormone bekannt und sorgen in unserem Gehirn für gute Laune.
Unterscheidet sich die Herbst-Winter-Depression (außer dem Zeitpunkt des Auftretens) von anderen Formen der Depression?
Neben typischen Symptomen wie depressiver Verstimmung, Abnahme des Energieniveaus, erhöhte Reizbarkeit und Angstzuständen treten darüber hinaus häufig untypische Beschwerden wie erhöhtes Schlafbedürfnis, verstärkter Appetit, speziell auf kohlenhydratreiche Lebensmittel wie Süßigkeiten und einer daraus folgenden Gewichtszunahme auf. Im Unterschied zu einer jahreszeitlich unabhängigen Depression, bei der die Betroffenen eher an Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme und Schlafstörungen leiden.
Gibt es spezielle Behandlungsformen bei einer Herbst-Winter-Depression?
Bei dieser saisonal abhängigen Form der Depression werden in der Regel eine Lichttherapie oder die Einnahme von Vitamin-D Präparaten wirksam eingesetzt. Bei einer Lichttherapie wird eine starke Lichtquelle mit einer Lichtintensität von bis zu 10 000 Lux (in Apotheken, wie auch im Baumarkt erhältlich) eingesetzt. Diese sogenannte Lichtdusche bewirkt eine gezielte Beeinflussung des Melatoninspiegels, wodurch ein antidepressiver Effekt erreicht wird. Konkret heißt das, die Malatoninproduktion wird durch das Licht gehemmt und Glückshormone wie Dopamin und Serotonin werden ausgeschüttet.
Wenn jedoch eine schwere SAD-Erkrankung vorliegt, reicht eine Lichttherapie meist nicht aus und der Betroffene sollte zusätzlich über eine medikamentöse sowie eine psychotherapeutische Behandlung nachdenken.
Wie können Menschen, die in der dunklen Jahreszeit oft schlechte Stimmung haben (keine Depression), ihre Laune aufbessern?
Generell ist Bewegung, wie ein täglicher Spaziergang an der frischen Luft oder regelmäßige sportliche Betätigung eine effektive Möglichkeit, um den Körper etwas Gutes zu tun. Zudem helfen soziale Kontakte sowie Unternehmungen, wie Theater- oder Kinobesuche, auf andere Gedanken zu kommen und sich nicht zu sehr zurückzuziehen. Damit man gut gelaunt durch die dunklere Jahreshälfte kommt, ist es wichtig, sich bewusst etwas Gutes zu tun. Erlaubt ist, was Spaß macht und der Seele gut tut.

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Kathrin Schmitt

Kathrin Schmitt

Kathrin Schmitt ist Kommunikationsmanagerin und seit 2009 bei den Heiligenfeld Kliniken unter anderem für den HeiligenfeldBLOG verantwortlich. Schreiben gehört zu ihren größten Leidenschaften.

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