Ein Jahr Krisengruppe für Familien mit psychischen Erkrankungen

Kriseninterventionsgruppe
Das Team der Krisengruppe, v. li. n. re.: Verena Loibl, Aufnahmemanagement; Dr. Vlasta Vavrinova, Ärztin; Dr. Ulrike Weiß, Chefärztin; Dipl.-Psych. Christophe Witz, Psychologe; Dipl.-Psych. Susanne Jakel-Schmidt, Psychologin;

Anfang Oktober 2014 fand in der Heiligenfeld Klinik Waldmünchen, nach einiger Vorarbeit und etwas Lampenfieber (der zuständigen Therapeuten), die erste Krisengruppe statt. Seither haben knapp 200 Patienten die Möglichkeit zur kurzfristigen Aufnahme ins stationäre Setting zur Stabilisierung akuter psychischer und psychosomatischer Notlagen genutzt. Grund genug, zurückzuschauen und eine Zwischenbilanz zu ziehen.

Einige der Befürchtungen, die zu Beginn der Arbeit in der Krisengruppe bestanden, haben sich glücklicherweise nicht bestätigt. Die Anzahl akuter dramatischer Kriseninterventionen und deeskalierender Maßnahmen liegt nicht wesentlich höher als im regulären Betrieb unserer Familienklinik. Im Gegenteil, viele Besucher der Krisengruppe sind sehr erleichtert darüber, an einem Ort zu sein, der Unterstützung und Entlastung durch Abstand vom häuslichen Umfeld anbietet.

Die Bereitschaft, Unterstützung vom Therapeutenteam und von den Mitpatienten der Therapeutischen Gemeinschaft anzunehmen, ist in der Regel recht hoch.

Eine Vielzahl der Teilnehmer verfügt bislang über keine oder lediglich geringe Erfahrung Psychotherapie. Daher ist es Aufgabe der Therapeuten, Vorurteile abzubauen, Vertrauen zu schaffen und Wege zu bahnen, um den Wert von Therapie erfahrbar und spürbar zu machen.

Ein wesentliches Element der Behandlung in der Krisenstabilisierung sind die vielfältigen Methoden der Familientherapie und der Kreativtherapie. Ziel dieser Methoden ist die Reaktivierung vorhandener (aber vielleicht aktuell nicht zugänglicher) Ressourcen.

Die Erfahrung seit dem vergangenen Jahr zeigt, daß eine gute Balance zwischen dem Betrauern in der Vergangenheit liegender seelischer Verletzungen und dem lösungsorientierten Vorspüren in eine lebenswerte Zukunft die besten Ergebnisse ermöglicht.

Auf diese Weise können oft erstaunliche positive Effekte – trotz der kurzen Aufenthaltsdauer – erzielt werden.

Sicherlich gibt es auch Grenzen der Wirksamkeit. Eine ausgeprägte Depression ist nach zwei Wochen nicht einfach vorbei und bedarf weiterer therapeutischer Begleitung.

Die Krisentherapeuten empfehlen in Absprache mit der Chefärztin eine begründete Empfehlung zur Weiterbehandlung und stehen in Kontakt mit den einweisenden Ärzten und Therapeuten.

In meiner Zeit als Therapeut der Krisengruppe habe ich besonders die Behandlung von Familien in Krisensituationen als sinnvoll erlebt. Beispielsweise habe ich Alleinerziehende, vom Kindsvater getrennt lebende Mütter begleiten dürfen, die unter den Auswirkungen früherer Traumatisierungen litten und dadurch im Kontakt mit ihren Kindern sehr eingeschränkt wurden. Durch gezielte stabilisierende und integrierende Behandlungsinterventionen können die Auswirkungen von Traumafolgeschäden reduziert werden. Zu sehen, wie sehr Kinder auch durch leichte Verbesserungen des psychischen Zustands der Mutter entlastet werden können, gehört zu meinen Lieblingserinnerungen an diese Zeit.

Die wichtigste Erfahrung, die ich aus der Krisengruppe mitnehme, ist eine verstärkte Achtsamkeit auf das Heute, das Hier-und-Jetzt. Was auch immer Gestern war, und was Morgen kommt, ich schaue heute auf meine Situation und handle so, dass sich meine Möglichkeiten maximieren.

 

 

 

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Marina Prieb

Marina Prieb

Marina Prieb ist für das Online-Marketing in den Heiligenfeld Kliniken verantwortlich und schreibt für den Blog und die Social Media-Kanäle.

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