Mit einem Biss fing alles an – die tierbegleitete Therapie in den Heiligenfeld Kliniken

Mit einem Biss fing alles an - die tierbegleitete Therapie in den Heiligenfeld Kliniken

Noch schnell die vier Hunde und die Katze füttern, dann aber los. Es ist Dienstagmorgen. Bianca Reiß wird von einer Kollegin abgeholt. Es geht in die Arbeit. Die 44-Jährige ist Klinikmanagerin in der Parkklinik Heiligenfeld. Seit kurzem erst. Davor hat sie 15 Jahre lang das Aufnahmemanagement der Klinikgruppe aus Bad Kissingen geleitet, die ihren Schwerpunkt auf Psychosomatischer Behandlung hat. Während dieser Zeit hat die gebürtige Kissingerin, die sich privat aktiv für den Tierschutz stark macht, die tierbegleitete Therapie ins Leben gerufen. Genauer gesagt war das 2014.

„Patienten konnten schon vor der tierbegleiteten Therapie ihr Tier mit in unsere Klinik nehmen“
„Alles fing mit einem Biss an“, antwortet Bianca Reiß auf die Frage was ausschlaggebend dafür gewesen sei, sich für dieses Therapiekonzept einzusetzen. Dann beginnt sie zu erzählen: „Bereits seit 2010 haben unsere Patienten die Möglichkeit, ihr Haustier mit in verschiedene Kliniken von Heiligenfeld zu nehmen. So eben auch in die Parkklinik Heiligenfeld. Dieses Angebot wurde von Beginn an gut genutzt, da viele Halter nicht wochenlang von ihrem Tier getrennt sein wollten. Eines Tages kam eine Patientin mit ihrem Hund zu uns, der sie permanent in die Hand biss. Offensichtlich handelte es sich dabei um eine Übersprungshandlung des Tieres. Die Patientin schien das aber nicht weiter zu stören. Vielmehr war es für sie Normalität. Auf den Gedanken, dass der Hund mit seinem Verhalten etwas zum Ausdruck bringen wollte, kam sie nicht. Und konnte sie auch nicht. Dafür war sie viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Das war der Moment, in dem mir die Idee kam, das eigene Tier in die Therapie seines Halters zu integrieren.“

Ein Jahr Vorbereitungszeit bis zur Umsetzung im Mai 2014
Ziel der Klinikmanagerin war es, ein Behandlungskonzept zu entwickeln, dass sowohl Mensch als auch Tier gleichermaßen zugutekommt. Das eigene Tier – in der Regel handelt es sich um einen Hund – sollte zu einem festen Bestandteil in der Therapie werden. Seitdem hat sich einiges getan. Ein Behandlungskonzept musste erstellt werden, es galt die notwendigen strukturellen und personellen Voraussetzungen zu schaffen und natürlich brauchte es Patienten, die die tierbegleitete Therapie in Anspruch nehmen wollten. Insgesamt dauerte es etwa ein Jahr, um das Vorhaben in die Tat umzusetzen. Im Mai 2014 war es dann soweit: Die tierbegleitete Therapie in der Parkklinik Heiligenfeld startete – einmalig zu diesem Zeitpunkt in Deutschland.

Betrachtung der Mensch-Tier-Beziehung ist essenziell
„Es gab sofort Patienten, die diese Behandlung mit dem eigenen Tier machen wollten. Die ersten Rückmeldungen waren sehr positiv. Das bekräftigte uns darin, dass wir mit der tierbegleiteten Therapie auf fruchtbaren Boden fielen“, sagt Bianca Reiß.
Das Behandlungskonzept besteht aus drei Bausteinen: Zunächst erfolgt die Behandlung der Patienten nach dem bekannten und bewährten Klinikkonzept. Darüber hinaus kann das mitgebrachte Tier auf Wunsch in die Therapie mit einbezogen werden. So finden zum Beispiel Einzelgespräche mit einer Tierpsychologin statt, bei denen auch die Tiere dabei sind. Und es gibt eine spezielle Indikationsgruppe. Dort erfolgt die bewusste Betrachtung der Mensch-Tier-Beziehung. Sie setzt sich aus sechs Modulen zusammen, die Themen behandeln wie die Bindung zum Hund, Beschwichtigungssignale/ Körpersprache des Hundes, Verlust, Trennung und Trauer oder das Tier als Spiegel der Seele.

Entlastung von Mensch und Tier
Dass Bianca Reiß das Wohlergehen der Tiere am Herzen liegt, zeigt sich schnell. Neben zahlreichen Fotos von ihren Schützlingen in ihrem Büro, fängt sie bei jedem Hund, der ihr in der Klinik begegnet, an zu strahlen. Dabei betont sie noch einmal den Gewinn für beide Seiten durch die tierbegleitete Therapie: „Tiere geben unmittelbar und vor allem sehr authentisch Rückmeldung auf die Stimmung des Menschen. Wenn der Mensch besser auf sein Tier achtet, es besser kennenlernt, kann er anhand der Reaktionen des Tieres sein eigenes Verhalten besser deuten. Außerdem kann der Mensch lernen, durch sein Tier besser zu entspannen und gemeinsam aktiver zu werden. Das entlastet auch das Tier.“ Besonders psychisch erkrankte Menschen neigen ihrer Meinung nach dazu, ihre momentane Befindlichkeit durch das Tier zu kanalisieren: „Das kann für das Tier zu stressbesetzten Situationen führen, die Interaktionen zwischen Tier und Mensch stören, bis hin zu schweren Verhaltensauffälligkeiten des Tieres. In der Therapie möchten wir zu einer gesunden Mensch-Tier-Beziehung hinführen, auch zur Entlastung des Tieres und zur Erhaltung seiner Würde.“
Am liebsten würde Bianca Reiß noch Stunden über die tierbegleitete Therapie reden. Das geht aber leider nicht. Sie muss gehen. „Ich habe ja noch vier Hunde und einen Kater. Die wollen auch noch etwas von mir haben“, sagt sie und macht sich auf den Weg nach Hause.

Veranstaltungstipp der Akademie Heiligenfeld

Symposium „Tierbegleitete Therapie – Seelenheil für Mensch und Tier“

Datum/Zeit
Termin: 17.11.17
Uhrzeit: 10:00 – 15:15

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Tanja Dihn

Tanja Dihn

Tanja Dihn ist Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und schreibt als Autorin unter anderem für den HeiligenfeldBLOG

1 Kommentar


  1. Grundsätzlich finde ich die Möglichkeit, Hunde in die Klinik mitbringen zu dürfen von großem Vorteil, haben doch einige Menschen nicht die Möglichkeit, ihren Hund bei einem Klinik-Aufentahlt in liebevolle Hände geben zu können und würden vielleicht aus diesem Grund von einem solchen Abstand nehmen. Der Umgang eines Menschen mit seinem Hund ist natürlich vielsagend, hinweisend, durchaus auch verräterisch.
    Und dennoch plädiere ich für einen Klinik – Aufenthalt ohne Begleitung, damit der Patient sich ganz und gar auf sich konzentrieren kann, keine Ablenkung hat. In der Regel kommen Patienten ja auch ohne ihren menschlichen Lebenspartner in die Klinik, um sich frei ihren zu bearbeitenden Themen stellen zu können…

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