Stabile Beziehung für ausgeglichene Arbeit

Family portrait on summer holidaysWie wichtig ist eine stabile Beziehung für die Bewältigung der Arbeitsanforderungen und wie wirken sich Arbeitsbelastungen auf die Partnerschaft aus?

Der aktuelle „Stressreport Deutschland 2012“ der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin ist in aller Munde. Fragestellung dieser Untersuchung war, in welchem Umfang die Beschäftigten in Deutschland psychischen Anforderungen und Belastungen in der Arbeit  ausgesetzt sind. Die Zahlen sind alarmierend. Insgesamt 43 Prozent der 18.000 Befragten geben an, ihr Arbeitsstress habe in den letzen zwei Jahren zugenommen. Leistung- und Termin-druck sowie das Gefühl der Überforderung sind wichtige Indikatoren für die Zunahme von Stress. Auch bei der Frage nach den Arbeitszeiten zeigte sich ein negativer Effekt. Durch die Zunahme der Wochenarbeitsstunden und das Arbeiten an den Wochenenden kann nur selten oder nie Rücksicht auf die familiären oder privaten Interessen genommen werden.

Das Institut für Demoskopie in Allensbach hat in einer bevölkerungsrepräsentativen Studie untersucht, inwieweit sich beruflichen Belastungen sowie die ständige Erreichbarkeit negativ auf die Partnerschaft auswirken. Und tatsächlich, jeder Dritte berichtete, dass die Partnerschaft unter dem Stress der Arbeit und der ständigen Erreichbarkeit leide. Nun stellt sich die Frage: Welche Folgen hat das „Zurückstecken“ der privaten Bedürfnisse? Eine harmonische Beziehung zum Partner sowie ein intaktes Familienleben gelten als sehr wichtige Ressourcen im Umgang mit Stress und Belastungen.

Grundsätzlich ist der Mensch auf zwischenmenschliche Beziehungen ausgelegt. Er ist also ein soziales Wesen. Wir benötigen unsere Mitmenschen auf kollegialer und fachlicher Ebene ebenso wie in privaten Beziehungen. Sie stellen einen Ort des Rückzugs dar, in dem wir die eigenen Schwächen zeigen können und ein Gefühl des Gehaltenwerdens empfinden. Unsere Beziehungen gehören zu unserer Identität.

Nach dem Konzept des deutschen Psychologen Hilarion Petzold setzt sich die Identität des Menschen aus fünf Säulen zusammen, die die Einzigartigkeit der Persönlichkeitsstruktur einer Person beschreiben.

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Die fünf Säulen sind mit den Begriffen Leiblichkeit, soziales Netzwerk, Arbeit und Leistung, materielle Sicherheit und Werte benannt. Ist Stabilität in allen Bereichen ausreichend vorhanden, kann sich die Person vollkommen mit sich selbst identifizieren und Belastungen gut bewältigen. Tritt eine Säule in den Hintergrund, so kommt das ganze Gebäude aus dem Gleichgewicht.

An den folgenden Beispielen ist sehr gut zu erkennen, wie sich das Ungleichgewicht einer Säule in die anderen Bereiche auswirkt. Wird eine Führungskraft beispielsweise chronisch krank (Leiblichkeit), wirkt sich das negativ auf die Leistungsfähigkeit der Person aus. Dies führt zu Unzufriedenheit und Ängsten. Ein weiteres Beispiel ist, wenn hohe Schulden und materielle Sorgen Stress auslösen. Arbeits- und Leistungsdruck steigen. Ein Rückzug aus dem sozialen Umfeld kann die Konsequenz sein und bedeutet soziale Isolation. Die Unterstützung durch die Partnerschaft geht verloren und es kommt zu einer doppelt negativen Wirkung auf die Gesundheit. Oft endet diese Entwicklung in einem Burnout. Wer auf eine stabile private Beziehung zurückgreifen kann, in der auch Schwächen ausgehalten und Ängste gezeigt werden können, hat die Möglichkeit mit Belastungen besser umzugehen.

Für Führungskräfte und Menschen in anspruchsvollen Positionen ist eine funktionierende Beziehung besonders wichtig, denn eine stabile Beziehung liefert Halt und schafft einen „sicheren Hafen“ im harten Geschäftsalltag. Einige Unternehmen haben erkannt, dass die Leistungsfähigkeit ihrer Führungskräfte im engen Zusammenhang mit den sozialen Beziehungen steht und diese oft voneinander abhängig sind. Deshalb bieten einzelne Unternehmen ihren Mitarbeitern in leitenden Positionen externe Coachings oder Paartherapien an.

Die Unternehmensberatung Heiligenfeld & Pietzko bietet seit Jahren Coaching für Führungskräfte an, bei denen auch die private Partnerschaft berücksichtigt wird. Die Teilnehmer sollen lernen, wie wichtig es ist, die Aufmerksamkeit nach der Arbeit privaten Momenten zu schenken um neue Kraft darin zu sammeln. Die Paare erfahren Unterstützung darin, eine gemeinsame Life-Balance zu finden. Eine hierarchisch hohe Führungsposition ist nur möglich, wenn die Rollen zwischen den Partnern geklärt sind. Eine private Partnerschaft kann für die Karriere sehr dienlich sein, wenn sie stabil und harmonisch ist.

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Corinna Schumm

Corinna Schumm

Corinna Schumm ist Gesundheitsreferentin in den Heiligenfeld Kliniken. Sie ist zuständig für die Betreuung von Führungskräften und Menschen aus der Wirtschaft und bietet unter anderem Workshops und Vorträge an.

5 Kommentare


  1. toller Beitrag!
    Danke, Frau Schumm!

    In unserer heutigen Welt werden die eigenen Netzwerke wohl immer weniger. Nicht Familie und Freunde sind im Trend, sondern Mobilität, Verwirklichung der eigenen Persönlichkeit und Indiviualismus. Ich wünsche mir ein neues Bewusstsein für die Wichtigkeit von echten Freunden, die sich nicht nur auf Facebook so nennen, sondern auch welche sind, wenn es mir nicht gut geht.

    Viele Grüße
    Ewald Lekau

    Antworten
    1. Corinna Schumm

      Lieber Herr Lekau,
      vielen Dank für Ihren Kommentar. Es freut mich, wenn Ihnen mein Beitrag gefällt.

      Die Thematik, die Sie ansprechen, ist wirklich schwierig. Denn ein gutes und funktionierendes soziales Umfeld kann kurzfristige psychische Krisen oft gut auffangen. Fehlt es, ist eine Chronifizierung wahrscheinlich.

      Freundliche Grüße
      Corinna Schumm

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      1. ja, da gebe ich Ihnen Recht. Jeder, dem es schon mal schlecht ging, und bei Freunden und Familie aufgefangen wurde, kann das bestätigen. Wir sind halt doch soziale Wesen und die Ellenbogenmentalität der heutigen Arbeitswelt passt da nicht wirklich dazu. Schade, dass es mittlerweile so ist. Aber vielleicht gibt es ja auch mal wieder eine Rückbesinnung auf die Familie und die Werte. Ansatzweise ist das ja bei den Jungen heute schon so.
        Vielen Dank auch für Ihre Antwort!

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        1. Ich bemerke das auch bei mir selbst. Von meinen 378 Facebook-Freunden sind 1-2 wirklich da, wenn ich Hilfe brauche. Leider musste ich das vor kurzem während einer schlimmen Krankheit erfahren. Dennoch: Lieber habe ich zwei sehr gute Freunde als 378 falsche Freunde. Deshalb habe ich jetzt erst mal mein Facebook-Profil aussortiert.

          Bei der Arbeit ist es so: Wenn die Beziehungen drumrum stimmen, kann man eine nicht so tolle Arbeit länger aushalten. Ist aber alles schlecht, dann werden schlechte Arbeitsbedingungen zur Katastrophe.
          Bis bald!

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  2. Ja unbedingt das ist wirklich sehr wichtig was Sie da schreiben,über stabile Beziehungen mir geht das ganz genauso ich brauche etwas wo ich zurrückfallen kann und wo ich auch mal schwach sein darf und zur Ruhe komme.Es ist allerdings auch sehr schwer wenn man erst in Krisen merkt wie wichtig das ist und manchmal auch um sich schaut und keiner ist da.Ich denke das es unter anderem auch noch wichtig ist überhaupt Beziehungen zu pflegen die einem guttun auch die zu sich selbst.
    Und sehr gut wenn das in der Arbeitswelt auch endlich ankommt,ich freu mich je mehr auch bewusst wird wie wichtig der gute Kontakt zu Menschen ist und das halt nicht nur Karriere wichtig ist und das eine das andere auch ergänzen kann und sich nicht gegenseitig ausschliessen muss 🙂

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