Auch Helden brauchen Hilfe

Neuerdings wird in den Medien vermehrt darüber berichtet, dass Mitglieder der Polizei und anderer zum Schutz der Bürger eingesetzter Berufsgruppen selbst zu Opfern von Anfeindungen, Aggression und Gewalt werden. Ein nicht zu leugnender gesellschaftlicher Wertewandel in manchen Bereichen der Bevölkerung äußert sich hier in einer verstärkten Respektlosigkeit gegenüber bestimmten Berufsgruppen.

Gezielte gegen die Beamten gerichtete Angriffe körperlicher oder verbaler Natur stellen nur eine von vielen psychischen Belastungen dar, die ihr Berufsalltag unweigerlich enthält. Die Beamten werden täglich mit Geschehnissen konfrontiert, die für die meisten Menschen außergewöhnliche oder sogar extreme Situationen darstellen. Rasche Entscheidungen werden gefordert. Zu den zum Teil traumatischen Erlebnissen kommen die Belastungen durch  Schichtdienst und Überstunden, durch administrative Zwänge und einen erheblichen bürokratischen Aufwand. Je länger ein Beamter im Dienst ist, desto höher steigt die Stressbelastung.Dies hat zwangsläufig Folgen für die Gesundheit: Gäbe es für die Beamten im Vollzugsdienst einen „Berufskrankheitenkatalog“, so wären Stressfolgeerkrankungen wie Burn-out, Traumareaktionen und Suchterkrankungen sicher auf den oberen Rängen zu finden.

Die psychischen Verletzungen und die daraus folgenden psychosomatischen Erkrankungen stellen aber für die meisten der Beamten Tabuthemen dar. Das Rollenbild eines Beamten im Vollzugsdienst beinhaltet Merkmale wie Kompetenz, Durchsetzungs- und Entscheidungsfähigkeit, Stärke und Belastbarkeit. Menschliche Reaktionen, Gefühle oder gar Schwächen passen nicht in dieses Bild. Die Legende der Stärke und Unverwundbarkeit des Polizeibeamten ist schwer auszuräumen. Sogar unter Kollegen wird oft – aus Scham oder Stolz – der offene Austausch über belastende Situationen vermieden. Es herrscht die Angst, wegen empfundener Belastungen oder negativer Gefühle für diesen Beruf als nicht geeignet angesehen zu werden. So wird in vielen Fällen das eigene Leid und auch das der Kollegen beiseite geschoben und verdrängt – so lange, bis die gesundheitlichen und sozialen Folgen nicht mehr zu übersehen sind.

Respekt und Anerkennung gebührt daher besonders den Beamten, die den Mut haben, sich in der entsprechenden Situation für professionelle Hilfe zu entscheiden. Die Parkklinik Heiligenfeld bietet ein ganzheitliches Konzept zur Förderung und Wiederherstellung der Gesundheit von Vollzugsbeamten an. Unser spezieller Prospekt informiert Sie dazu ausführlich.

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Jutta Wittmann

Jutta Wittmann

Jutta Wittmann ist als Diplompsychologin in der Marketingabteilung der Heiligenfeld Kliniken. Sie ist zuständig für die Koordination der Zusammenarbeit mit den Psychotherapeuten und Ärzten der Klinik und für die fachspezifische Bearbeitung von Texten. Weitere Informationen zu den einzelnen Autoren finden Sie auch unter dem Menüpunkt "Über den Blog und seine Autoren".

9 Kommentare


  1. Endlich fasst mal jemand dieses Thema an. Ich bin Polizist, trockener Alkoholiker und ehemaliger Patient der Fachklinik Heiligenfeld. Eigentlich müßte ich nun nichts mehr schreiben. Aber…
    Ich habe die Belastungen, die von Jutta Wittmann geschildert werden, alle am eigenen Leib erfahren. Sicherlich sind diese Faktoren bei jedem Polizeibeamten da. Das ist berufsbedingt und manchmal auch nicht auszuschließen. Ein Polizist/eine Polizistin sehen Dinge, die erschütternd sind. Das gehört dazu!
    Nicht dazu gehört, dass die Menschlichkeit auf der Strecke bleibt. Es wird nur noch für Statistiken gearbeitet. Jeder Beamte ist eine Nummer. Immer mehr Aufgaben, immer weniger Leute. Dann kommen Konzepte hinzu, die der Politik garantieren, dass weniger Leute immer mehr und härter arbeiten. Jeder sieht nur noch sich selbst. Und das ist kein gesunder Egoismus, wenn um Beförderungsmöglichkeiten gekämpft werden muß. Ich könnte dazu noch viel mehr schreiben, belasse es jetzt aber erstmal dabei. Es ist wahrlich kein leichter Job mehr. Danke füs Anfassen dieses Themas!
    Frank Stoiber

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    1. Jutta Wittmann

      Lieber Herr Stoiber,
      vielen Dank für Ihren Kommentar und für die Offenheit, mit der Sie ihre eigenen Erfahrungen und Ihre Sichtweise der Belastungen im heutigen Polizeidienst benennen. Damit machen Sie sicherlich manchem Kollegen Mut, die Dinge beim Namen zu nennen und der eigenen Gesundheit den erforderlichen hohen Stellenwert zu verleihen.

      Herzliche Grüße
      Jutta Wittmann

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  2. Es tut sehr gut, diesen Bericht zu lesen.
    Ich bin selbst Betroffener und war im Jahr 2007 und von Dezember 2011 bis Februar 2012 das zweite Mal in Heiligenfeld.
    Leider kommt man als Polizeivollzugsbeamter im mittleren Dienst, wie der Großteil der Vollzugsbeamten bei Bund und Ländern, nicht in den Genuss der speziellen Angebote der Parkklinik. Da wir nicht zum Kreis der Privatversicherten Patienten gehören.
    Ein Hinweis hierauf wäre sinnvoll, um nicht falsche Hoffnungen zu wecken!
    Gleichzeitig hat der Aufenthalt in Heiligenfeld (2007 im Gesundheitszentrum und 2011/12 in der Parkklinik) mir persönlich sehr geholfen.
    Nur, der Dienstherr sieht das leider nicht so.
    Mein Dienststellenleiter (Polizeidirektor im höheren Dienst) sagte wörtlich, dass die Bundespolizei keine Antwort auf die zunehmende Anzahl der Betroffenen Kollegen hat. Er selbst hat schon jetzt mit mir 28 von „denen“ und er weiß nicht wie er diese beschäftigen soll. So warte ich seit meiner Entlassung aus der Klinik auf einen Termin bei dem sozialmedizinischen Dienst der Bundespolizei. Dieser Dienst zur Feststellung meiner Polizeidienstfähigkeit. In der Regel ist diese mit der Diagnose einer psychosomatischen Klinik nicht gegeben, was in der Regel eine vorzeitige zur Ruhesetzung zur Folge hat.
    Hierzu möchte ich nur noch anmerken, dass ich 48 Jahre alt bin und durchaus noch in der Lage und Willens bin Dienst (Innendienst , Ermittlungsdienst etc. pp.) zu verrichten.
    Ich wurde mich freuen, wenn der o.g. Bericht an die zuständigen Behörden weitergereicht würde.
    Vielleicht liest es ja wenigstens jemand …

    Antworten
    1. Jutta Wittmann

      Lieber Herr Eimertenbrink,
      vielen Dank für Ihren Kommentar und Ihre Beteiligung an der Diskussion. In der Tat ist es manchmal schwer, mit einer psychosomatischen Diagnose wieder in den Berufsalltag zurückzukehren. Wir machen allerdings die Erfahrung, dass eine abgeschlossene stationäre Therapie bei der Bewertung der Diensttauglichkeit häufig positiv ins Gewicht fällt.
      Ich würde Ihnen wünschen, dass dies auch für Ihren Fall zutrifft.

      Herzliche Grüße
      Jutta Wittmann

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    2. hallo detlef,
      ich sitze hier auf noch nicht gepackten koffern 😉 und warte auf meinen termin in der parkklinik.
      bin polizeibeamter beim pp nordhessen in kassel.
      ich habe da ganz andere ( positive) erfahrungen auf und mit meiner dienststelle gemacht.
      nach 34 schichtdienstjahren auf der straße hat mich letztes jahr u.a. eine krebsdiagnose (hodenkrebs) völlig aus der bahn geworfen.
      im völlig überlasteten krankenhaus wurden nur meine körperlichen beschwerden gesehen und ( sehr gut) behandelt.
      und nun kommt der dienstherr ins spiel:
      in unserem präsidium wurde vor mehreren jahren eine personalberatungsstelle istalliert und mit mit engagierten kollegen besetzt.
      im november 2012 wurde sogar zusätzlich eine externe sozialpädagogin eingestellt.
      gleich bei meiner rückkehr in den dienst hat sich der leiter der beratungsstelle mit mir in verbindung gesetzt und betreut mich mit seinem team seitdem nicht nur intensiv „psychlogisch“, sondern auch in allen sozialen fragen ( ich wusste z.b. nicht, dass ich nach der op eine anschlussheilbehandlung hätte machen können, ich wusste vorher nichts von der möglichkeit einer wiedereingliederungsmaßnahme……………………..)
      über die beratungsstelle erfolgte schließlich der kontakt zu heiligenfeld.
      auch mein dienststellenleiter hat schon bei unserem ersten gespräch nach meiner rückkehr empfohlen, psychologische hilfe in anspruch zu nehmen und auch die notwendigkeit einer dementsprechenden „kur“ vorhergesagt.
      nach und nach habe ich dann mitbekommen, dass diese angebote schon von etlichen kollegen angenommen worden sind (viele haben heiligenfeld gewählt und waren begeistert). und ich habe noch von keinem gehört, dass er dadurch dienstliche nachteile erlitten hätte. im gegenteil:es wird offensichtlich alles versucht, die kollegen wieder an ihre dienstorte zurück zu bekommen. (mir wurde z.b. schon im vorfeld u.a. als hilfe angeboten, vorübergehend eine andere dienstliche verwendung für mich zu organisieren)
      ich will jetzt aber nicht zu weit ausschweifen.
      ich habe natürlich einen grund, dir hier zu antworten.
      offensichtlich ( für mich zum glück) sind wir in bezug auf die personalberatung und den umgang mit „psychisch erkrankten“ kollegen im gegensatz zu deiner dienststelle schon sehr weit fortgeschritten.
      wenn dem so ist würde ich mir wünschen, dass diese zeilen dir eventuell den anstoß geben könnten, auch bei euch einen stein ins rollen zu bringen.
      denn die nöte bei der polizei werden größe und größer. wir haben zwar vermeintlich gelernt, mit absolut ALLEM umgehen zu können, aber offensichtlich sind doch erheblich mehr kollegen auf hilfe angewiesen, als man sich vorstellen kann. und solche hilfe muss man den kollegen BRINGEN (wer sie sich holen kann, hat wohl schon den halben weg geschaft).
      persönlich lässt sich so etwas natürlich viel besser vermitteln.
      du kannst dich gerne unter 0176-56070964 oder auch 0561-822016 oder schneidersisters1957@gmail.com bei mir melden.
      du kannst davon ausgehen, dass sich auch der kollege Ralf Hartmann, PP Nordhessen, Personalberatungsstelle, tel: 0561-910 1070 über interesse deinerseits freuen würde.
      (kannst auch „einfach mal so“ hier anrufen. würde gerne wisse, wie es dir nach heiligenfeld ergangen ist)

      l.g. aus kassel,
      michael schneider

      Antworten


  3. Ich freu mich sehr darüber, dass es Polizeidienststellen gibt die so arbeiten. Prima für die Kollegen.
    Sechs Monate nach meiner Entlassung aus der Klinik bekam ich einen Termin bei dem sozialmedizinischen Dienst der Bundesspolizeidirektion Sankt Augustin. Ich möchte hier gar nicht schildern wie das ablief. Icnhabe mich bei diesem Termin sehr unwohl gefühlt. Dieses habe ich dann dem lt. Medizinaldirektor auch gesagt und darum gebeten, dass der mich begleitende Kollege, daraufhin äußerte der Mediziner “ er hätte auch angstvoll mir“!!! Als dann der Kollege dazu kam, war der Termin beendet. Ich wurde als „nicht uneingeschränkt Polizeidienstfahig, aber Verwaltungsdienstfahig „eingestuft. Mein vertrauen in die Behörde der Bundespolizei ist im Verlauf der zeit gegen Null gesunken. Ein mir angebotenes betriebliches Eingliederungsmanagement habe ich abgelehnt, da es mir nach diesem Vorfall wieder schlechter ging. Ich Besuche regelmassig eine Heiligenfeld Nachsorgegruppe in Dortmund und mache weiterhin Therapie.
    Bin also letztendlich seit Oktober 2010 im Krankenstand.
    Das lete was ich von meiner Dienststelle gehört habe war ein Anruf meiner inspektionsleiterin, die mich gerne ,allzu Hause besucht hatte. Möchte aber niemanden von der Behörde zu Hause sehen.
    Durch den Schwerbehindertenbeauftragten der Direktion wurde mir auf meine Anfrage hin mitgeteilt, dass die Direktion in den Nachbarinspektionen einen Arbeitsplatz für mich sucht. Das dauert jetzt auch schon wieder 2 Monate.
    Wenn kein Arbeitsplatz für mich gefundennword, werde die vorzeitige zur Ruhe Setzung bei dem BMI beantragt.
    Soweit der stand der Dinge.
    Fazit: ich sehe mich mittlerweile nic mehr als Polizeibeamter. Ich kümmere mich um meine Bedürfnisse. Ich Wünsche mir eine schnelle Bearbeitung und die anschließende zur Ruhe Setzung. Dann suche ich mir einen netten 400 Euro Job der mir Spaß macht und lebe glücklich weiter.
    Ich freue Mich für Euch, dass bei dem PP Nordhessen eine so gute Arbeit gemacht wird und Wünsche, dass ganz viele Kollegen davon profitieren können.
    Ich habe 32 Jahre meinen Dienst gemacht, ohne Beanstandungen. Darauf Blicke ich stolz zurück. Mit der heutigen Form der Bundespolizei, mit dem Fuhrungsti und dem Umgang mit den Kollegen kann ich mich nicht mehr identifizieren.
    Viel Erfolg für Euch und Euere Arbeit.

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  4. ….viel Zeit ist vergangen……passiert ist nix……von meiner Dienststelle höre ich nichts mehr…..am 07.01.2015 muss ich zum wiederholten Male zum sozialmedizinischen Dienst…….eine Stelle im Innendienst gibt’s angeblich bei der gesamten Bundespolizei nicht……ich hab mich damit abgefunden seitens meiner Behörde als “ Psycho“ abgestempelt zu sein…..ich denke im nächsten Jahr werde ich dann endlich Vorzeitig zur Ruhe gesetzt…….ich will und kann nicht mehr dahin zurück…….

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    1. Marina Prieb

      Lieber Herr Eimertenbrink,

      vielen Dank für Ihr Kommentar und dafür, dass Sie sich bei uns melden. Ich wünsche Ihnen, dass alles so klappt, wie Sie es sich wünschen! Alles Gute für Sie.

      Beste Grüße
      Marina Prieb

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