Das Leben lieben lernen – Ein Patienteninterview

Licht im Wald

morning in the parkDer 61-jährige Michael Bader* macht einen freundlichen und bodenständigen Eindruck. So, als könnte ihn nichts aus der Ruhe bringen. Jahrelang war der gelernte Steuerberater in einer eigenen Kanzlei tätig, bevor er sich vor einiger Zeit aus dem aktiven Geschäftsleben zurückzog. Er wollte zur Ruhe kommen und den Stress der letzten Jahre hinter sich lassen.

Michael Bader mietete sich ein Atelier an und begann zu malen, zu musizieren und zu schreiben. Er tauchte in eine völlig gegensätzliche Welt zu seiner strukturierten und streng organisierten Steuerberater-Karriere ein. „Das war das, was mich erfüllte“, erzählt Bader. Doch so ganz konnte er den Stress und die Erschöpfung der vergangenen Jahre nicht abstreifen.
Zugespitzt hat sich seine psychische Situation, als er im Sommer 2012 einen Schlaganfall erlitten hat. Er saß mittags in einem Café und telefonierte mit seinem Sohn als er den Gedanken, den er mitteilen wollte, verlor. Er versprach seinem Sohn, sich wieder zu melden. Michael Bader fuhr nach Hause, legte sich in sein Bett und schlief drei Stunden, was für ihn und vor allem diese Uhrzeit völlig ungewöhnlich war. Noch am selben Tag ging er zu seinem Arzt, der einen Schlaganfall feststellte. „Es war ein Schock für mich.­“ sagt er. Körperlich hat er den Schlaganfall gut überstanden, allerdings geriet er psychisch wieder unter Druck. Er fühlte sich wieder wie in das Hamsterrädchen zurück versetzt, aus dem er sich vor einigen Jahren durch den Ausstieg aus dem Beruf befreit hatte. „Ich habe wieder Zeitdruck und Stress in mir gespürt, als ob ich wieder voll in diesem Terminstress wäre.“ Erschwerend kam hinzu, das sich 2007 ein Kindheitstrauma öffnete, woraufhin sich Michael Bader in eine ambulante Psychotherapie begeben musste. „Das habe ich viele Jahre erfolgreich verdrängt und dachte ich hatte eine tolle Kindheit. Als mir bewusst wurde, das es doch ganz anders war, warf es mich komplett aus der Bahn.“ so Michael Bader. Schließlich riet ihm seine Psychotherapeutin zu einem Aufenthalt in der Parkklinik Heiligenfeld in Bad Kissingen. „Somit bin ich dem Schlaganfall eigentlich fast schon dankbar, dass er mich hierher geführt hat.“

Herausforderung: Gruppentherapie

Am Anfang seines Aufenthalts kostete es Michael Bader sehr viel Überwindung, um sich in den Kerngruppen, die dreimal wöchentlich stattfinden, öffnen zu können. In diesen Gruppen wird die Diskussion der grundlegenden Probleme und Erfahrungen aus den unterschiedlichen Therapien geführt. „Die intimen Themen wollte ich gerne einer Person mitteilen und nicht sieben Personen, die mir fremd sind. Aber mit der Zeit habe ich den Sinn des gruppentherapeutischen Konzepts erkannt“, so Bader.“Ich konnte mich immer mehr öffnen und auch immer mehr meine Kampfposition ablegen. Diese hatte ich anfangs sehr oft bei den gemeinsamen Gesprächen. Ich habe gelernt, dass es sehr wichtig ist, miteinander zu kommunizieren, die Liebe zu sich selbst zu haben und Konflikte bewältigen zu können“, resümiert Michael Bader.

Im Laufe seines Aufenthaltes wurde ihm auch bewusst, dass er sein Leben lang ein einsamer Wolf war, wie er sich selbst beschreibt.“Ich war immer respektiert, aber nie wirklich in eine Gruppe integriert. „Dieses Verhalten hängt damit zusammen, dass mein Vater mich sehr elitär erzogen hatte. Deshalb kam ich auch in das Jesuiteninternat in St. Blasien im Schwarzwald. Er verbot mir dort sogar das Fußballspielen, da das nur die breite Masse tue,“ erzählt er. So wurde er vermutlich im Laufe der Zeit als elitär wahrgenommen und seine Mitmenschen begegneten ihm entsprechend distanziert.

Es gab viele Situationen in der Parkklinik Heiligenfeld, die Michael Bader auf sein bisheriges Leben reflektieren konnte und durch die er auch seine Einstellungen und Handlungen im Leben besser verstand. Zum Beispiel, erzählt Michael Bader, spielte er am ersten Tag seines Aufenthaltes ein paar Musikstücke auf dem Flügel im Musikzimmer, als er unsanft von einem Mitpatienten angefahren wurde, ob er denn nicht wisse, dass jetzt Zeit der Stille ist und das würde auch für ihn gelten. Diese Art der Kommunikation empfand er als sehr beleidigend, autoritär und er fühlte sich angegriffen. Er flüchtete wie so oft aus solchen Situationen. Dann wurde ihm bewusst, dass er sein Leben lang Probleme mit autoritären Männern hatte. Dieses negative Gefühl kam aus den Erfahrungen aus seiner Kindheit mit dem Vater. Um autoritären Personen keinen Raum für die Macht zu geben, übernahm er grundsätzlich die Führung.

Sein Aufenthalt in der Parkklinik Heiligenfeld war für Michael Bader in vielerlei Hinsicht sehr prägend. „In der Arbeit mit meinem Therapeuten, der auch ein Meister auf dem Gebiet der Körpersprache ist, konnte ich viel lernen“, erzählt er. „Mir wurde klar, welche Wende mein Leben, insbesondere nach den Heilungen meiner psychischen Verletzungen in dieser Klinik, nehmen wird. Außerdem wurde mir aufgezeigt, wie ich mit dem Kindheitstrauma umgehen kann, damit es meine Seele nicht länger belastet. In der Arbeit mit meinem Therapeuten fühlte ich mich wie ein Schwamm, der alles aufsaugen möchte für das Leben!“,fügt er lächelnd hinzu.

Michael Bader geht gestärkt nach Hause. Durch die Kerngruppe und die intensive Arbeit mit seinem Therapeuten in der Parkklinik Heiligenfeld hat er gelernt, sich selber Freiheiten zu schaffen, sich von Erwartungen an andere Menschen zu lösen, um sich innerlich frei zu fühlen. Er glaubt gut auf den kommenden Alltag vorbereitet zu sein.

Der Weg zurück in den Alltag

Michael Bader hat große Pläne für die Zukunft. „Ich möchte auf die Menschen zugehen mit meinen Büchern voll Poesie, mit meinen Bildern und der Musik“, schwärmt er und erzählt, dass er das Atelier, das er vor einiger Zeit aufgab, wieder angemietet hat. Er möchte dort ein „Haus der offenen Tür“ eröffnen. „Die Menschen werden dort malen und musizieren lernen, durch ihre Seele“, sagt er begeistert. Im März 2013 erscheint auch sein erstes Buch, ein Gedichtband, mit dem Titel „Lebe mich.“

*Name von der Redaktion geändert

 

Literaturempfehlung:

Buch 1Ebenfalls ein ehemaliger Patient der Parkklinik hat schon ein Buch während seines Aufenthaltes in der Klinik begonnen. Seit kurzem gibt es den Gedichtband „Seelenmomente“ von Dietmar Kalina im Heiligenfeld Shop.

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Marina Prieb

Marina Prieb

Marina Prieb ist für das Online-Marketing in den Heiligenfeld Kliniken verantwortlich und schreibt für den Blog und die Social Media-Kanäle.

3 Kommentare


  1. Gerade stoße ich auf diesen Text. Er berührt mich sehr. Vielen Dank Herr Bader für die offenen Worte!!

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  2. Auch von mir ein dickes „Dankeschööööön“. Mir erging es nämlich ähnlich. Ich dachte auch: „Huch, meine Probleme soll ich mit so vielen Leuten besprechen?“ Mir war zwar von vorneherein klar, dass viel Gruppentherapie gemacht wird, aber ich konnte mir das nicht so richtig vorstellen. Ich war auch erstmal im Widerstand. Konnte es dann aber wirklich gut sein lassen und empfand es als große Bereicherung in der Gruppe solche Sachen zu besprechen. Ein depressiver Mensch zieht sich ja gewöhnlich aus allem raus und ist menschliche Nähe kaum mehr gewöhnt. Das war wirklich schön zu erleben.

    Gruß
    Karli

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  3. Ich selber hatte das Glück, zweimal in Heiligenfeld sein zu dürfen. Das Geschriebene spricht mich sehr an; vieles von dem kann ich nachempfinden und habe es selber dort erlebt.
    Mir hat der Aufenthalt dort auch immer gut getan; vor allem beim ersten Mal habe ich auch „komisch“ reagiert; wußte gar nicht, was die alle von mir wollen….den zweiten Aufenthalt konnte ich kaum mehr erwarten 🙂

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