Depressionen – ein Volksleiden?

DepressionenDustin Hoffman, Nicole Kidman, Angelina Jolie und Kirsten Dunst – große Namen, die sich wie die Besetzungsliste des nächsten Hollywood-Blockbusters lesen. Doch sie stehen für viel mehr als nur Glanz und Glamour: Sie alle haben Erfahrungen mit Depressionen gemacht.

Trotzdem sind Psychische Erkrankungen wie Depressionen in den Köpfen vieler Menschen noch immer ein Tabu-Thema. Grundsätzlich ist der Umgang mit psychischen Erkrankungen durch Vorurteile, mangelnde Kenntnisse und falsche Informationen stark belastet, was bei den Patienten oft zu Scham und sozialer Isolation führt. Dass man vor Depressionen jedoch nicht die Augen verschließen sollte, verdeutlichen die folgenden Forschungsergebnisse der Techniker Krankenkasse.

TK-Depressionsatlas: Anstieg um fast siebzig Prozent

Dass sich Depressionen mittlerweile zu einem gesamtgesellschaftlichen Problem entwickelt haben, bestätigt der kürzlich erschienene Depressionsatlas der Techniker Krankenkasse. So sind die Fehlzeiten aufgrund von Depressionen vom Jahr 2000 bis 2013 um fast siebzig Prozent gestiegen. „Statistisch gesehen war jeder einen Tag aufgrund von Depressionen krankgeschrieben“, so Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK.

Quelle: Depressionsatlas der Techniker Krankenkasse 2015
Quelle: Depressionsatlas der Techniker Krankenkasse 2015

Die Fehlzeiten aufgrund einer Depression unterscheiden sich deutlich je nach Berufsgruppe, Geschlecht, Alter und Bildungsstand. Vor allem Menschen, die einen Beruf mit hohem Stresslevel ausüben, sind betroffen. An der Spitze stehen Callcenter-Mitarbeiter, die durchschnittlich je 2,8 Fehltage aufgrund von Depressionen pro Jahr aufweisen, dicht gefolgt von Altenpflegern (2,5 Tage) sowie Erziehungs- (1,6 Tage) und Sicherheitsberufe (1,4 Tage). Je nach Alter und Geschlecht schwanken die Ergebnisse deutlich. So fehlen Frauen im Durchschnitt pro Person 1,3 Tage im Jahr, Männer hingegen nur durchschnittlich 0,8 Tage. Mit steigendem Alter ist sowohl bei Frauen als auch bei Männern ein Anstieg der Betroffenenraten und der Fehlzeiten aufgrund von Depressionen zu verzeichnen. Erst ab dem 60. Lebensjahr sind die Zahlen rückläufig.

Bisher galten Depressionen häufig als eine Erkrankung der höheren Bildungsschicht. Dies dementiert der TK-Depressionsatlas. So gingen im Jahr 2013 die AU-Tage und AU-Fälle mit steigendem beruflichen Bildungsabschluss zurück. Bei Erwerbspersonen mit niedrigerem Schul- oder Ausbildungsabschluss kamen Depressionen deutlich häufiger vor, als bei Akademikern.

Trotz immer weiter steigender Verbreitung – Stigmatisierung psychischer Erkrankungen hält an

Im Bewusstsein vieler Menschen kann eine körperliche Krankheit oft besser akzeptiert werden als eine seelische (im Sinne: „So etwas habe ich nicht!“ oder „Ich bin doch nicht verrückt!“). Die damit verbundene Stigmatisierung hält viele Erkrankte davon ab, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Depressionen werden häufig unterschätzt und irgendwo zwischen Willensschwäche und Einbildung eingeordnet. Eine 2013 im British Journal of Psychiatry veröffentlichte Studie der Universität Greifswald zeigt, dass die Stigmatisierung psychisch Kranker trotz vieler neuer Forschungserkenntnisse in den vergangenen 20 Jahren nicht wie erhofft zurückgegangen ist.  Da es für viele Menschen inakzeptabel ist, psychisch krank zu sein, werden häufig körperliche Symptome als Ersatz für psychische Beschwerden geschildert. Etwa sieben von zehn depressiven Patienten leiden unter begleitenden oder vordergründigen somatischen Beschwerden und stellen sich beim ersten Arztbesuch ausschließlich mit körperlichen Beschwerden vor. Patienten, welche die Diagnose „Depression“ nicht akzeptieren, profitieren zunächst davon, dass der behandelnde Arzt die somatische Präsentationsform ihrer Beschwerden in den Mittelpunkt stellt. Leider wird sehr häufig dann nur nach einer körperlichen Ursache der Beschwerden gesucht und nicht an eine zugrunde liegende depressive Störung gedacht.

Gute Behandlungsmöglichkeiten

Dabei sind die Behandlungsmöglichkeiten von Depressionen durchaus gut. Werden sie frühzeitig erkannt, können siebzig bis achtzig Prozent der Betroffenen erfolgreich behandelt werden.

In den Heiligenfeld Kliniken werden Patienten mit Depressionen nach einem ganzheitlichen Therapiekonzept behandelt. Das therapeutische Handeln bezieht alle Ebenen der Person mit ein: die erkrankte Seele, den Körper, die geistig-spirituelle Ebene, die sozialen Beziehungen und die berufliche Situation. Indem die Patienten als ganze Personen wahrgenommen, ihr Erleben und ihre individuelle Lebenssituation gesehen werden, können ihre Bedürfnisse erkannt und ernst genommen werden. Die Frage nach dem Sinn unseres Daseins und unseres Handelns findet ausdrücklich Beachtung. Zur störungsspezifischen Behandlung nehmen die Patienten einmal wöchentlich an einer speziellen Gruppe für depressive Störungen teil. In dieser Indikationsgruppe lernen sie viel über ihre depressive Erkrankung, deren Entstehung, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten.

Literaturtipp:

4019729300001Z

 

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Sophie Ritter

Sophie Ritter

Sophie Ritter ist Medienmanagerin (FH) und in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Heiligenfeld Kliniken sowie im Bereich Social Media tätig. Weitere Informationen zu den einzelnen Autoren finden Sie auch unter dem Menüpunkt "Über den Blog und seine Autoren".

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