Einfach mal tief durchatmen! Eine kleine Übung…

Die Atmung als effektives Mittel des Stress- und Selbstmanagements

 

von Erwin Schmitt,
Chefarzt Parkklinik Heiligenfeld

 
Erwin-SchmittDie Atmung wird von den meisten Menschen sehr wenig beachtet, läuft sie doch automatisch und daher weitestgehend unbewusst. Die Atmung beschleunigt sich bei Gefahr automatisch, der Körper schaltet bei Bedrohung von Bauch- auf Brustatmung um, da hiermit schneller geatmet werden kann und so genügend Sauerstoff für die Kampf-/Fluchtreaktion bereitsteht. Umgekehrt können bestimmte Atemtechniken dazu dienen, Beruhigung und Entspannung herbeizuführen.
Auf die Frage, wie sollte man seinen Atem verändern, wenn man im Stress ist, ist oft zu hören: „Erst mal tief durchatmen“. Wird darunter „erst mal tief einatmen“ verstanden, erhöht dies jedoch nur die Anspannung, anstatt zur Entspannung zu führen!


Ziel aller Atemtechniken muss es vielmehr sein:
1. die Atmung zu verlangsamen,
2. die Ausatemphase relativ zu Einatemphase zu verlängern,
3. von Brust- auf Bauchatmung umzuschalten,
4. die Pausen zwischen den Atemzügen zu verlängern.

 
Ich empfehle solche Übungen regelmäßig, täglich im Alltag einzubauen, z. B. in langweiligen Sitzungen/ Besprechungen. Machen Sie Übungen vor bzw. nach der Arbeit, in Pausen oder anderen Realsituationen. Niemand wird etwas merken außer Sie selbst – wenn Ihr Kopf immer klarer wird. Diese Erfahrung wird Sie ermuntern, eine neue Art des Atmens auch in Stresssituationen einzusetzen.
 

Die Parkklinik Heiligenfeld bietet im Rahmen einer Indikationsgruppe „Coaching, Selbst- und Stressmanagement“ im vierwöchigen Rhythmus ein spezielles Modul an, das erlebnisorientiert sowie kognitiv umstrukturierend den Patienten Werkzeuge an die Hand geben soll, sowohl in Stresssituationen adäquater zu reagieren wie auch langfristig solche Situationen zu vermeiden. Die „Veränderung des Atems“ ist wesentlicher Bestandteil dieses Moduls.
 

Eine kleine Übung: Verzögertes Einatmen
 

(Bitte aufrecht sitzend oder stehend durchführen, ohne einengende Gürtel oder Kleidung. Bitte fünf Minuten lang durchhalten, dann Zeit nehmen zum Nachspüren.)
 

Einige Atemzüge normal ein- und ausatmen. Warten Sie dann nach jedem Ausatmen drei bis vier Sekunden., bevor Sie wieder einatmen. Wird der jeweils nächste Atemzug etwas tiefer? Das innerliche Zählen „21..22..23..24“ mag Ihnen dabei helfen. Sie können sich auch andere Hilfsmittel ausdenken.
In dieser Ruhephase nach dem Ausatmen befindet sich der Körper im maximalen Ruhezustand. (Sportschützen z.B. nutzen dies, um genau in diesem Moment den Schuss abzugeben.)
Probieren Sie dann aus, wie lange Sie die Ruhepause ausdehnen können; danach können Sie herausfinden, welche Spanne Ihnen gut tut.
Auf das Einatmen brauchen Sie keinerlei Aufmerksamkeit zu richten, es erfolgt ganz von alleine. Ihre ganze Konzentration (und vielleicht schließlich Hingabe) richtet sich ganz und gar auf das Ausatmen und die nachfolgende „Stille“.

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Kathrin Schmitt

Kathrin Schmitt ist Kommunikationsmanagerin und seit 2009 bei den Heiligenfeld Kliniken unter anderem für den HeiligenfeldBLOG verantwortlich. Schreiben gehört zu ihren größten Leidenschaften.

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