Facebook in Schulen – Chancen und Risiken

Während noch vor einigen Jahren das Thema „Handynutzung in der Schule“ die Gemüter von Schülern, Lehrern und Eltern gleichermaßen erregte, gilt ein „nur“ zum Telefonieren oder SMS-Schreiben geeignetes Handy heute schon fast als antik. Mit geschätzten 16 Millionen neu verkauften Smartphones will die Branche in diesem Jahr Deutschlands Kommunikationsmöglichkeiten bereichern. Sowohl mobil als auch vom heimischen Computer aus werden von Schülern vor allem soziale Netzwerke genutzt. Facebook, das bekannteste und erfolgreichste soziale Netzwerk, bietet mit seinen unzähligen Anwendungen Gelegenheit, möglichst viele Menschen zu erreichen. 22 Millionen Menschen in Deutschland sind als Nutzer registriert; Tendenz stark steigend.

Auch der Umgang von Lehrern und Schülern wird durch Facebook beeinflusst. Heftig diskutiert sind virtuelle „Freundschaften“ zwischen Lehrern und Schülern. 35 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer nutzen aktuell Facebook. Davon pflegt ein gutes Drittel auch virtuelle Freundschaften mit Schülern.

Chancen

Die schnelle und unkomplizierte Form der Kommunikation, die durch keine Distanz eingeschränkt ist, fasziniert viele Nutzer. Ganz grundsätzlich ist auch im Lehrer-Schüler-Verhältnis eine verstärkte Kommunikation durchaus begrüßenswert. Die ultraschnelle Form der Kommunikation und der rasche Austausch von Informationen stellen einen besonderen Reiz dar. Informationen über Hausaufgaben oder andere Inhalte können schnell kommuniziert werden. Gerade sonst eher introvertierte Schüler können auf dem Online-Weg möglicherweise leichter mit ihren Lehrern kommunizieren. Die Dialogorientierung dieses Mediums macht Facebook den anderen Mitteilungskanälen [E-Mail o. Ä.] überlegen. Viele Schüler, die via Facebook mit ihren Lehrern in Kontakt stehen, freuen sich über die so gezeigte Wertschätzung, nutzen unkomplizierte Wege des Nachfragens und Austausches und überwinden so eine sonst durch feste hierarchische Strukturen vorgegebene Distanz. Lehrer, die Facebook in der Kommunikation mit Schülern nutzen, sind zudem davon überzeugt, näher an der Lebenswelt der Schüler dran zu sein. Studien aus den USA belegen sogar, dass via Smartphone-Botschaften über Facebook unterstützte Lerninhalte bei Schülern deutlich positivere Lernerfolge bewirkten als klassische Unterrichtsmethoden. Aufgrund der positiven emotionalen Bewertung des Mediums, entsprechender Akzeptanz und die ständige Verfügbarkeit des Mediums scheint die Lernbereitschaft auf diesem virtuellen Weg positiv beeinflussbar zu sein.

 

Risiken

Bei all den sich neu bietenden Möglichkeiten sollte dennoch nicht unterschätzt werden, welche Risiken sich hinter der Nutzung von Facebook in der Lehrer-Schüler-Kommunikation verbergen. Immerhin birgt die verstärkte Nutzung eines solchen elektronischen Mediums auch erhebliches Suchtpotenzial. Es kann durchaus eine emotionale Abhängigkeit von Nachrichten, vom „Dabei-Sein“ und „Gesehen-Werden-Wollen“ auftreten. Das große aktive Publikum kann aufgrund der (vermuteten) Erwartungshaltungen auch Druck auf den jeweiligen Nutzer aufbauen. So wird die Facebook-Kommunikation unter Umständen auch zu einem Zeitdieb, wenn man die unbegrenzten Möglichkeiten ausschöpfen will; erst recht wenn Lehrer alle Schüler – z. B. bei „Freundschaftsanfragen“ – gleich behandeln wollen. Soziale Netzwerke erhöhen ja grundsätzlich die Zeit, welche die Nutzer vor dem Computer verbringen. Zudem sind Rollenkonflikte und Überforderungen nicht auszuschließen. Wenn der Lehrer neben dem Bildungsbegleiter noch Sozialarbeit, Psychologische Beratung, Hausaufgabenhilfe usw. anbieten soll, wird die Überforderung schnell deutlich. Das Monitoring und die Pflege der eigenen Facebook-Seite binden weitere knappe Ressourcen. Der Umgang und Schutz der Privatsphäre wird von jedem Nutzer unterschiedlich gewertet. Wie „öffentlich“ sich Schüler und Lehrer jeweils machen, entscheiden sie selbst. Immerhin ist es anders als beim realen Kontakt auch nur sehr begrenzt möglich, Emotionen auszudrücken; doch gerade das „bei-sich-selbst-sein“, sich und die Gefühle des anderen wahrzunehmen, ist für die seelische Gesundheit  sehr entscheidend. Dass die Person auf der anderen Seite des Bildschirms auch Gefühle hat und mit wenigen geschriebenen Zeilen ohne unterstützende Körpersprache die Botschaft verstehen soll, kann aufgrund der Technik auch ins Vergessen geraten. Was allerdings mit denen geschieht, die Facebook nicht nutzen können oder wollen, bleibt dahingestellt.
Innovationsfeindlichkeit und Skepsis helfen an dieser Stelle ebenso wenig weiter wie Begeisterung von einem gesellschaftlichen Trend. Um eine gesunde Lehrer-Schüler-Kommunikation zu realisieren, ist ein Facebook-Account sicher nicht zwingend nötig. Mit einer ausgeglichenen Work-Life-Balance und pädagogischem Geschick kann Facebook ein Medium sein, mit dem Lehrer ihre Schüler zusätzlich erreichen können.

3 Kommentare


  1. Das Suchtpotential ist sicherlich sehr hoch. Was aber in meinen Augen viel schlimmer ist, ist die Anonymität. Diese schützt den User vor unmittelbaren Repressalien. Daher nimmt das Mobbing auf Facebook mehr zu. Es werden Seiten über Menschen erstellt, die gar nicht wissen, dass es diese Seite bei Facebook gibt. Auf diese Seiten werden Unwahrheiten verbreitet. In meinem Job (Kripo-Jugendsachbearbeiter) sind diese Seiten und Unwahrheiten, die im Facebook veröffentlicht werden, immer wieder der Auslöser von Gewalt. Auch kann keiner seine Gefühle schriftlich so ausdrücken, als wenn er in einer Auge-in-Auge-Kommunikation ist…die Nachricht entsteht beim Empfänger.
    Ein durchdachter vernünftiger Umgang mit Facebook ist sicherlich nicht schlecht und sollte auch im Erziehungsauftrag von Eltern und Lehrern berücksichtigt werden! Alles in Maßen und dan vernünftig…!!!!

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    1. Lieber Herr Stoiber,
      vielen Dank für Ihren Kommentar in unserem Blog und im Hinblick auf meinen Artikel. Ja, Sie haben Recht. Da nehmen die Sozialen Medien noch einmal ganz andere erschreckende Dimensionen an, wenn anonym Seiten über Menschen mit deren Namen erstellt werden. In den Therapiegruppen mit Lehrern, die ich in unserer Parkklinik Heiligenfeld betreue, war das zum Glück bisher noch nicht der Fall, aber solche Situationen könnten in Zukunft wohl vermehrt auftreten. Die Anonymität im Netz ist in solchen Fällen fatal. Haben Sie einen Tipp für Betroffene, was sie tun können, wenn sie eine solche „Fake-Seite“ über sich selbst im Netz finden?

      Herzliche Grüße
      Stefan Schneider
      Gesundheitsreferent

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      1. Wenn eine solche „Fake-Seite“ auftaucht, diese sofort an Facebook melden, damit diese gesperrt wird. Außerdem versuchen heauszufinden, wer diese Seite ins Netz gestellt hat. Wenn dies möglich ist mit er Person sprechen! In der Regel brüstet sich die- oder derjenige damit, diese Seite ins Netz gestellt zu haben. In der Altersgruppe zwischen 14 und 16 ist es bei uns sogar schon dazu gekommen, dass die Jugendlichen sich zu Schlägereien verabreden, wo dann, Facebook sei „dank“, ca. 100 Mitschüler als Zuschauer auftauchten. Das Krasseste war aber, dass sich zwei Schüler ziemlich offen zu einem Drogengeschäft verabredet hatten. Es sit also teilweise doch schon sehr erschreckend, wozu Facebook „missbraucht“ wird. Aber wie in meinem ersten Artikel schon gesagt…jeder kann mit Facebook auch vernünftig umgehen.

        Da sich meine erste Atemreise übermorgen das zweite Mal jährt und ich davon immer noch tief beeindruckt bin, bin ich in Gedanken sehr viel in Heiligenfeld. Es war eine bewegende Zeit, die mich stark geprägt hat. Danke dafür. Ganz liebe Grüße aus der Lüneburger Heide!!!!
        Frank Stoiber
        P.S.: Ganz herzliche Grüße an Frau Bader!!!!!

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