Frauen im mittleren Lebensalter – eine neue Lebensphase, eine neue Lebensqualität

Auszeit am MeerRalph Sandvoß, Mitarbeiter der Heiligenfeld Kliniken schreibt über Frauen im mittleren Lebensalter und welche Herausforderungen sie zu bewältigen haben:

So individuell die Lebensverläufe der modernen Frau sind, so individuell und unterschiedlich erscheint auch der Umgang mit dem Älterwerden und die Wahrnehmung und Selbstbewertung als Frau in den mittleren Lebensjahren. Manchmal stehen Ängste in Bezug auf den eigenen Körper, den physischen Alterungsprozess, die Attraktivität, Sexualität usw. zunächst im Vordergrund. Dann erleben Frauen in dieser Zeit aber auch zahlreiche weitere äußere und soziale Belastungen. Damit wird die mittlere Lebensphase von Frauen als sehr ausgeprägt erlebt. Die biologisch-medizinischen, sozialen und psychologischen Veränderungen sind so markant, dass sie als Zeiten des Umbruchs und des Wandels wahrgenommen werden und nicht immer ohne Belastungen und Konflikte zu bewältigen sind. Gerade Frauen zwischen 45 und 65 sind besonders gefährdet, unter den alterstypischen Belastungen und Überforderungen ihres Lebens in eine Situation der Erschöpfung zu geraten und Symptome psychosozialer Erkrankungen zu entwickeln.

Hohe Unterstützungsleistung durch die Frauen

Frauen mittleren Alters erbringen immense Unterstützungsleistungen sowohl an die jüngere als auch an die ältere Generation. Zu ca. 80 Prozent sind es Frauen, die neben ihrer eigenen Berufstätigkeit auch noch Kinder und pflegebedürftige Eltern betreuen und versorgen. Jede fünfte Familie mit Kindern besteht heute aus nur einem Elternteil; mehrheitlich sind es wiederum Mütter, die ihre Kinder ohne Partner aufziehen. Selbst gut ausgebildete Frauen finden in dieser Situation oft keinen adäquaten Arbeitsplatz.

Partnerschaften

Frauen im mittleren Alter leben zum Großteil in einer Lebensgemeinschaft mit einem Partner. In der Phase der Pensionierung oder Verrentung können Veränderungen in den Beziehungen zu einer neuen Belastung führen. „Männer im Ruhestand, Frauen im Unruhestand“ – mit diesem Satz könnte man die Beziehungsproblematik in der Verrentungsphase einer Beziehung zusammenfassen. Das Beziehungsleben, das früher nur nach Feierabend und am Wochenende gelebt wurde, stellt sich nun an 24 Stunden am Tag als permanente Herausforderung dar. Als Partner ist man also ganz neu gefordert zu kommunizieren, gemeinsame Perspektiven zu entwickeln, Konflikte auszutragen. Verlassen Kinder das Elternhaus, so droht nicht selten das sogenannte „empty-nest-Syndrom“: Einsamkeit, Perspektivlosigkeit und Lethargie machen sich breit.

Frauenspezifische Krankheiten

Mit zunehmendem Alter tritt bei Frauen eine zunehmende und spezifische Krankheitslast auf. Nicht nur die Krankheit selbst wird als Belastung empfunden, sondern auch die Folgen und Anpassungserfordernisse. Als besonders belastende frauenspezifische Krankheiten sind Depressionen und Brustkrebs zu nennen. Jede achte bis zehnte Frau in Deutschland erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Frauen mit Brustkrebs sind starken Belastungen ausgesetzt. Sie haben eine schwere Erkrankung und deren Behandlung durchgemacht und brauchen alle Kräfte, um die physischen Folgen ihrer Krankheit zu bewältigen. Zusätzlich haben sie sich mit Lebensbedrohung, einem veränderten Selbstbild und geeigneten Strategien der Krankheitsverarbeitung zu beschäftigen – was nicht selten in Ängste und depressive Symptome führt. Körperliches Leiden geht daher oft mit psychischem Leiden einher.

Frauen mit einer Krebserkrankung im Vorfeld einer Depression oder Angststörung werden in den Heiligenfeld Kliniken mit einem speziell auf psychoonkologische Zusammenhänge und Fragestellungen ausgerichteten gruppentherapeutischen Angebot unterstützt.

Frauen mittleren Alters sind auch besonders gefährdet, in eine manifeste Depression zu geraten – gegenüber Männern haben Frauen ca. doppelt so oft mit einer Depression zu kämpfen.

Im Klimakterium konnte eine signifikante Zunahme der Häufigkeit von Depression zwar nicht eindeutig nachgewiesen werden, mehrfach bestätigt wurde aber ein Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Depressionen in den Wechseljahren und Depressionen in der Vorgeschichte bzw. kognitiven und sozialen Faktoren.

Gute Behandlungsmöglichkeiten

Eine einfühlsame und kompetente Psychotherapie hilft, die Veränderungsprozesse in das eigene Leben und die eigene Persönlichkeit zu integrieren und neue Lebensqualität in einer neuen Lebensphase zu gewinnen. Die Heiligenfeld Kliniken bieten für Frauen mittleren Alters spezifische Therapieangebote, die helfen, speziellen Belastungssituationen angemessen zu begegnen und effektive Strategien zur Anpassung und Bewältigung krisenhafter Erlebnisse zu entwickeln.

Literaturtipp:

2095711000001N Die Wechseljahre bringen Veränderungen im Leben jeder Frau – körperlich, seelisch und sozial. Die Autorin ist als Frauenärztin und Psychologin Expertin auf diesem Gebiet und erklärt genau, was in den Wechseljahren geschieht. Sie gibt viele Anregungen dafür, wie Frau mit Fitness und guter Ernährung den Körper in Form hält oder wie sie zum Beispiel mit Entspannungsübungen die Seele verwöhnen kann. In Zusammenhang mit den typischen Beschwerden geht sie ausführlich darauf ein, welche Auswirkungen die Wechseljahre auf die Psyche haben.
Dieses Buch finden Sie im Buchshop Heiligenfeld.

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Marina Prieb

Marina Prieb

Marina Prieb ist für das Online-Marketing in den Heiligenfeld Kliniken verantwortlich und schreibt für den Blog und die Social Media-Kanäle.

4 Kommentare


  1. Es ist merkwürdig, dass dieser Artikel zu einem frauenspezifischen Thema von einem Mann geschrieben wurde. Ich möchte dennoch Ralph Sandvoß mein Kompliment für die Komplexität und Qualität machen und mit meiner persönlichen Erfahrung antworten.
    Meine Lebensmitte finde ich grundsätzlich spannend, weil sich für mich neue Möglichkeiten aufzeigen, frei von der Fürsorge für meine eigenen 4 Kinder, deren Wohlergehen für mich das Wichtigste ist. Das 31 Jahre währende Zusammenleben mit meinen Kindern habe ich sehr genossen, es war eine kostbare Zeit des Gemeinschaftslebens. Die Vorstellung, in Zukunft diese Alltags-Lebendigkeit (die durchaus auch gelegentlich sehr anstrengend war ohne die Unterstützung eines Vaters) in Einsamkeit verwandelt zu sehen, liess in meinem Kopf neue Ideen wachsen, deren Umsetzung ich mich in Kürze zuwenden werde. Zudem erfordert die schlechte Altersvorsorge, die wir alleinerziehenden Mütter in der Regel haben, ein Handeln, das mich im Alter nicht hungern und dieses mit Würde gestalten lässt.
    Die Rundungen des Körpers im Prozess des Älterwerdens sind für mich noch gewöhnungsbedürftig, bedeuten jedoch nicht, Abstand zu nehmen von genussvollem Essen sondern die Ernährung den geänderten Bedürfnissen des Körpers anzupassen.
    Umbruch und Wandel.
    Ich habe einige Zeit in der Onkologie gearbeitet und versucht, den Blick der Patientinnen (und Patienten) zu öffnen; die Krankheit als Schicksal zu betrachten, der Botschaft nachzuspüren, die Chance für einen Wandlungsprozess zu erkennen. Das Leben bewusst zu ergreifen, sich zu fragen, welche Lebenswünsche es gibt, die nach einer Realisierung rufen und mich bemüht, mit ihnen gemeinsam nach möglichen Wegen zu suchen, die auch in der Krankheit Perspektiven für ein authentisches und glückliches oder zumindest zufriedenes Leben ermöglichen. Es war eine Zeit in meinem Leben, die erfüllend war und an die ich gern zurückdenke.
    Bereits in jungen Jahren entschied ich, mich nicht all zu sehr mit Krankheiten zu beschäftigen, ihnen nicht zuviel Raum in meinem Denken zu gewähren sondern mich zu fragen, wie soll/muss ich mein Leben gestalten, um es möglichst gesund und vital bis ins hohe Alter leben zu können.
    Zu fühlen und zu spüren, was ich noch (er)leben, erfahren und lernen möchte in diesem einen mir bewussten Leben, ist ein Raum, der wieder frei wurde durch das Erwachsen-Werden und Geworden-Sein meiner Kinder.
    Ich sehe voller Neugierde und Freude dem entgegen, was mir nun als 56 jährige Frau möglich sein wird und mein verbleibendes Schicksal ist, dessen Wagenlenker ich sein werde.
    Zuzanna Heinrich

    Antworten

    1. Leider kann ich mich mit diesem Artikel nicht identifizieren, wie sicher viele andere Frauen in meinem Alter auch (55).
      Frauen ab 45 sind kein Problemfall, sie werden mit solchen Artikeln dazu gemacht.
      Ich hätte ihn mir differenzierter gewünscht.
      Beste Grüße
      Ingrid Strobel

      Antworten
      1. Marina Prieb

        Liebe Frau Strobel,

        vielen Dank für Ihr Feedback zu diesem Artikel. Sie haben natürlich Recht, dass jede Frau das Älterwerden ganz individuell wahrnimmt. Dieser Artikel gilt natürlich nicht als Pauschalaussage für alle Frauen im mittleren Alter. Wir wollten damit nur aufzeigen, welchen Herausforderungen Frauen in diesem Lebensabschnitt begegnen können.

        Liebe Grüße,
        Marina Prieb

        Antworten

  2. Sehr geehrte Frau Strobel,
    ich glaube nicht, dass Frauen in der Lebensmitte durch solche Artikel zu einem Problemfall gemacht werden. Meine Erfahrung hingegen ist, dass das Ansprechen real auftretender möglicher Veränderungen (es mögen manche Frauen begünstigter sein in ihrem Lebensverlauf) und starker Herausforderungen durch Vielfach-Belastungen andere Frauen zur Kommunikation und zum Austausch ermutigt und damit aus einer Isolation herausführen kann.
    Herrliche Grüße,
    Zuzanna Heinrich

    Antworten

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