Frühlingsgefühle – Wenn die Hormone verrückt spielen

Die ersten warmen Sonnenstrahlen sorgen für lächelnde Menschen auf den Straßen. Die Kleidung wird luftiger und die Straßencafés sind plötzlich wieder gefüllt. Und fast wirkt der Frühling wie Doping für gute Laune. Doch was ist wirklich dran an den viel beschriebenen Frühlingsgefühlen?
Wissenschaftlich bewiesen sind sie nicht, die Frühlingsgefühle. Aber trotzdem findet in unseren Körpern etwas statt, wenn es Frühling wird. Das Licht des Frühlings sorgt für gute Laune, sein Duft verspricht Aufbruch, und seine Wärme verbannt dicke Wintermäntel in den Kleiderschrank. Dieser Zustand ist unter dem Begriff „Frühlingsgefühle“ bekannt. Der Körper soll jetzt mehr Sexualhormone ausschütten, die für die berühmten Schmetterlinge im Bauch sorgen. Doch was landläufig als gegeben gilt, ist wissenschaftlich nicht bestätigt.

FrühlingsgefühleAb in die Sonne!
Wissenschaftler konnten nachweisen, dass es nicht die Sexualhormone sind, die im Frühling die Gefühle verrückt spielen lassen. Vielmehr ist es die Sonne, die einen großen Einfluss auf unser Empfinden hat. Sonnenlicht hemmt die Produktion von Melatonin, einem Hormon, das den Schlaf-Wach-Rhythmus beeinflusst. „Vor allem nachts und in der dunkleren Jahreshälfte wird es vom Körper gebildet“, erklärt Erwin Schmitt, Chefarzt der Parkklinik Heiligenfeld in Bad Kissingen. „Deshalb fühlen sich viele Menschen während der Wintermonate oft müde und antriebslos.“ Steht die Sonne im Frühling und Sommer dagegen höher am Himmel, wird weniger Melatonin produziert, wir kommen wieder mit weniger Schlaf aus und werden aktiver. Indirekt stabilisiert das Licht außerdem die Werte der Hormone Dopamin und Serotonin, die beide in unserem Gehirn für gute Laune zuständig sind.

Mehr Babys im Frühling?
Im Allgemeinen ist auch bekannt, dass im Frühling die fruchtbarste Zeit des Jahres ist. Doch auch das ist falsch. Statistisch gesehen  werden die meisten Kinder im Herbst oder Winter gezeugt. So versetzen also nicht Frühlings-, sondern Wintergefühle die Menschen in Kuschelstimmung. Die meisten Kinder werden Ende September geboren und somit in den Monaten Dezember oder Januar gezeugt, wenn es kuschelig warm zuhause ist.

Aber trotzdem Frühlingsgefühle?

Frühlingsgefühle gibt es aber trotzdem. Denn die Sonne sorgt dafür, dass wir aktiver werden, wieder mehr an der frischen Luft unternehmen und somit auch eher andere Menschen kennenlernen. Außerdem verbreitet der Frühlingsduft eine Aufbruchstimmung nach den Wintermonaten. Nicht nur die Natur verändert sich durch die neue Jahreszeit, sondern auch der Mensch nutzt den Frühling zur Erneuerung. Nicht umsonst machen viele Menschen einen Frühjahrsputz und schälen sich buchstäblich aus den dicken Winterklamotten. Dieser Prozess mag zunächst rein äußerlich sein, doch auch innerlich findet etwas statt. Wir wagen eher Neues als im Winter, sind aufgeschlossener und fühlen uns meistens wohler. Als Tipp, um in den vollen Genuss der Frühlingsgefühle zu kommen sei gesagt: Raus aus der Wohnung oder aus dem Haus und die Sonne genießen!

IM ÜBERBLICK:

Was sind Hormone?

Hormone sind biochemische Botenstoffe. Sie werden zum Beispiel in der Schilddrüse, der Hirnanhangsdrüse und der Nebenniere hergestellt und dann ins Blut ausgeschüttet. Hormone steuern in unserem Körper lebenswichtige Vorgänge, wie den Kreislauf, den Stoffwechsel und die Körpertemperatur.

Außerdem regeln sie unsere Fortpflanzung und sind verantwortlich dafür, wie wir uns fühlen und uns unserer Umwelt gegenüber verhalten. Für unsere Frühlingsgefühle sind unter anderem das Schlafhormon Melatonin und das Glückshormon Serotonin zuständig.

Manche Hormone wirken innerhalb von Sekunden. Die meisten aber benötigen mehrere Minuten oder länger, um eine Reaktion zu verursachen. Signale im Nervensystem werden sehr viel schneller weitergegeben. Das Nervensystem wirkt direkt nur auf Nervenzellen, Muskeln und Drüsen. Hormone dagegen haben eine viel breitere Wirkung.

2 Kommentare


  1. Bei offenem Fenster das Vogelkonzert genießen – bunte Tulpen im Haus – das Grün der Bäume – um die Wette radfahren – raus aus den Stiefeln und den Wollsocken – der Duft von Wald nach einem Frühlingsregen – warme Sonnenstrahlen auf der Haut – ein Lächeln, das mir gilt – Herz statt Kopf, Statistik und Melatonin – mit allen Sinnen genießen!!
    Ganz zaghaft nur, ich übe noch..aller Statistik zum Trotz 🙂

    Und ich freue mich so sehr auf Heiligenfeld Ende Mai – denn Übung macht den Meister…

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    1. Liebe Kerstin,
      vielen Dank für Ihren Kommentar! Ja, Übung macht den Meister. Da haben Sie Recht. Auch bei den Frühlingsgefühlen. Lassen Sie sie zu! Sie werden begeistert sein.
      Einen tollen Frühling wünschen Ihnen die Heiligenfelder!

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