Hatha-Yoga in der Therapie

Hatha-Yoga in der Therapie

Ich habe mich mit der Kreativtherapeutin der Parkklinik Heiligenfeld Hakima Gote zum Interview getroffen. Hakima Gote leitet in der Parkklinik Heiligenfeld die Therapiegruppe Hatha-Yoga. Dieses Therapieangebot ermöglicht den Patienten durch sanfte Bewegungen ins Hier und Jetzt zu kommen.

Marina Prieb: Was versteht man unter Hatha-Yoga?

Hakima Gote: Das Hatha-Yoga bezieht sich auf den Körper. Es gibt auch andere Formen von Yoga. Manche beziehen sich zum Beispiel auf das Studium, das Kontemplieren und Sich-Verbinden mit den Inhalten von Texten (Raja-Yoga), oder auf die Lenkung von Aufmerksamkeit und Mit-sich-selbst-in-Verbindung-Sein bei allen Verrichtungen des alltäglichen Lebens (Karma-Yoga). Beim Hatha-Yoga wird der Körper sozusagen als Fokus der Aufmerksamkeit genommen, generell ist die Atem-Beobachtung und -Bewegung ein ganz wichtiger Teil des Hatha-Yogas.

Marina Prieb: Aber was heißt Yoga? Yoga wird oft übersetzt mit anjochen, sich verbinden, in ein Einheitsbewusstsein eintauchen.

Hakima Gote: Was wir hier in der Therapie machen, ist eine Form des achtsamen und meditativen Hatha-Yogas. Das bedeutet, der Körper ist im Vordergrund, wir benutzen körperliche Übungen, um in dieses Einheitsbewusstsein hineinzugleiten oder in den Zustand von Yoga hineinzugleiten. Der Weg wird über das Spüren der Bewegung und das Spüren der Zusammenhänge der Bewegung genommen.

Wenn ich den Arm hebe, was passiert dann eigentlich im Körper? Was passiert im Schultergelenk oder im Schulterblatt? Inwieweit kann ich das bis zum Becken spüren?

All das kann man beobachten. Über die Beobachtung wird Achtsamkeit geschult und Erkenntnisse über Zusammenhänge.

Die dabei entstehende Verlangsamung der Bewegung dient auch einer Entschleunigung. Und diese körperliche Entschleunigung hat eine Auswirkung auf den Atem, auch er wird sich verlangsamen und vertiefen, und auf den Geist. Wenn der Atem langsamer wird, so wird auch der Geist ruhiger und chaotische Gedanken trennen sich oder können unterschieden werden von ordnenden Gedanken.Der Übende wird sich mit den Ordnung gebenden Gedanken, die verbunden sind mit seiner Wesensidentität oder Essenz, verbinden. Dabei kann Klarheit entstehen.

Hatha-Yoga ist  nicht zu verwechseln mit einer Gymnastikübung. Beweglich wird der Körper, wenn man ihn bewegt, aber das ist nicht das Ziel  von Hatha-Yoga. Das Ziel ( wenn man es so nennen will)  ist eher, sich auf einer tiefen selbsthaften Ebene mit sich zu verbinden und sich dabei auch der Verbundenheit mit dem gesamten Universum bewusst zu werden.

Marina Prieb: Wie kann das gehen?

Hakima Gote: Wenn die Patienten bei mir sind, dann haben sie die ganze Zeit die Augen geschlossen, anderthalb Stunden lang. Die Patienten schauen nicht, wie es links oder rechts von ihnen aussieht, sondern sie schauen nach innen. Das Zurückziehen der Sinne von den äußeren Eindrücken, im Yoga Pratyahara genannt, ist ein wichtiges Prinzip, um die Achtsamkeit nach innen zu lenken.

Es wird sich bei den Übungen auf die ersten vier Sutren von Patanjali, also die Yogaphilosophie, bezogen. Sutren sind kurze Aussprüche, die dann wiederum viele Kommentare nach sich ziehen. Dazu gibt es viele Bücher.

  1. Sutra: Jetzt beginnt die Disziplin des Yoga. Das erste Sutra beginnt mit dem Wort „Jetzt“: In diesem ersten Wort „Jetzt“ steckt schon alles drin. Alles was vorher war, ist egal. Alles was danach kommt, ist egal. Präsenz, der gegenwärtige Moment ist wichtig – eben „Jetzt!“
  2. Sutra: Yoga ist jener Zustand, in dem die emotionalen und geistigen Vorgänge zur Ruhe kommen.
  3. Sutra: Dann ruht der Sehende in seiner Wesensidentität. Man könnte auch sagen, dann ruht derjenige in dem Teil seiner Seele, der unverletzlich ist, oder in seinem inneren göttlichen Teil, der verbunden ist mit dem großen Ganzen, dem Göttlichen.
  4. Sutra: In allen anderen Zuständen verzerren Gedanken die Wahrnehmung oder anders ausgedrückt, in allen anderen Zuständen ist der Sehende mit seinen emotionalen und/oder seinen geistigen-gedanklichen Bewegungen identifiziert.

Die verschiedenen Übersetzungen und komplexen Auslegungen dieser Sutren sowie ihr Bezug zu Theoriebildungen in der Psychologie sind spannend und vielfältig.

Beim Hatha-Yoga geht der Weg zum Zustand des Yoga über die Bewegungen des Körpers. Jetzt kann man das auf vielen Ebenen sehen. Die Gedanken, auch wenn ich mich auf den Körper konzentriere, kann ich nicht ausschalten. Der Denkapparat besteht. Der Fühlapparat besteht. Es geht also nicht um eine Gedankenunterdrückung oder Unterdrückung der Gefühle. Wenn man alte Interpretationen liest, wurde das früher so verstanden. Wenn man neuere Interpretationen liest, aber auch nach meiner eigenen Erfahrung, ist dies nicht mehr der Fall. Auch die Inder sehen das heute anders. Es geht eher darum, die Aufmerksamkeit von den Gedanken zurückzuziehen, sie sich selbst zu überlassen oder das Interesse an ihnen aufzugeben und dann wieder mit der Aufmerksamkeit zum Körper zurück zu kommen. Dabei entsteht ein kleiner Raum des Loslassens. In diesem Raum entsteht Entspannung. Und dafür ist der Körper und die Bewegung tatsächlich eine gute Hilfe. Es geht also immer wieder um das Loslassen von mentalen Vorgängen. Ich muss mich loslösen von den Gedanken, wenn ich meinen zweiten Zeh am Fuß fühlen will. In dieser kleinen Pause  entsteht wie schon gesagt Entspannung. Und in dieser Entspannung ist es uns möglich einzutauchen in unseren inneren Kern und vielleicht eine Erfahrung im Wesenskern zu machen. Wenn diese Erfahrung des Wesenskernes eintritt, dann entsteht ein sehr kreativer Raum. Da tauchen manchmal Lösungen auf, die kann man sich nicht erdenken. Diese Erfahrung ist oft verbunden mit Klarheit, einem Erleben von Stille oder  tiefer Ruhe, innerem Frieden und innerer Gewissheit.

Von daher ist der Weg etwas anders als in unseren Therapien. Denn dort schauen wir uns gewisse Kapitel des Lebens an und dröseln diese genau auf. Im Yoga erkennen wir, wo wir gerade rumdenken und lassen los. Dabei gehen wir zum Atem und schauen, ob wir tiefer entspannen können. Die Erfahrung der  Wesensidentität ist mit Entspannung und Ruhe verbunden, einer tiefer liegenden inneren friedvollen Natur. Aus ihr steigt eine innere Weisheit, ein inneres Wissen um unser Sosein auf.

Zum Beispiel besteht der Wesenskern eines Apfelbaumes darin, Äpfel zu machen. Der Apfelbaum weiß, dass er Äpfel produzieren soll. Woher weiß er das? Er wird nicht auf einmal damit anfangen, Kirschen wachsen lassen zu wollen. Menschen machen das aber.

Wenn man in Kontakt mit dieser Wesensidentität kommt, dann kommt man auch in Kontakt mit dem eigenen inneren Wissen, was eigentlich meine Essenz ist und was diese ausdrücken will. Das ist eigentlich der Weg. Die körperlichen Übungen werden dazu benutzt, um dahin zu kommen.

Hier im Westen wird Yoga oft als Sportdisziplin und Ertüchtigung gesehen. Es tut ja auch gut, wenn man dann keine Rückenschmerzen mehr hat, denn dann ist man auch besser gelaunt. Wenn man keine Schmerzen hat, kommt man auch eher in Kontakt mit dem Wesenskern. Die Beweglichkeit und die Verbesserung der Atemfunktion, die Verbesserung der Organfunktion und die Verbesserung der Muskelkettenfunktionen, das sind alles Nebenprodukte. Die passieren. Aber das ist nicht so wichtig.

Marina Prieb: Wie kann ich mir so eine Übung vorstellen?

Hakima Gote: Nehmen wir als Beispiel die halbe Brücke. Du schließt deine Augen und liegst auf dem Boden. Dann spürst du erstmal den Kontakt zum Boden. Dazu muss man wirklich hinspüren. Wie liegen die Waden auf? Wie liegt das Becken auf? Wie liegen die Schulterblätter auf? Erstmal geht es darum, sich zu verankern im Körper und Bodenkontakt und die Tragkraft zu spüren. Der nächste Punkt ist, den Atem zu spüren. Der Atem ist wie ein sehr feiner Seismograph. Die Atem-Übungen nehmen im Hatha-Yoga einen ganz besonderen Raum ein. Wenn wir den Atem beobachten, dann schauen wir, wie geht er auf natürliche Weise. Ist der Atem eher am Nabel oder eher am Brustkorb? Wo spüre ich den Atem eigentlich? Und meistens wenn man anfängt, seine Aufmerksamkeit dahin zu lenken, dann kommt über die Aufmerksamkeit auch Energie zum Atem und dann verändert er sich häufig schon. Auch das kann man beobachten. Danach fängt man irgendwann an und lässt den Atem langsamer, länger und tiefer werden. Man geht also in eine Atemverlängerung. Wenn der Atem langsamer, länger und tiefer wird, so werden auch oft die Gedanken und aufgewühlte Emotionen ruhiger oder unwichtiger.

Dann stellt man sich vor, dass die Ausatmung in die Beine fließt. Wenn man das fühlt, dann bringt man mit der Ausatmung beide Beine nahe zusammen. Dafür braucht es Willenskraft. Erst werden die Beine nahe zusammen gebracht und dann kommt schon das erste Halten, die erste Asana. Jede Aktivität, die wir in den Körper bringen, wird dann gehalten. Die Beine bleiben nahe zusammen. Dann werden die Zehen langsam nach oben gezogen. So fließt eine Streckung in die Achillessehne und in die Wade. Das kann man spüren. Danach wird der untere Rücken zum Boden gezogen, d.h. der ganze Körper wird sehr aktiv, obwohl man immer noch am Boden liegt. Wir richten die Aufmerksamkeit wieder auf den Atem. Dann stell dir vor, dass die Ausatmung in dein rechtes Bein fließt. Wenn du das fühlst, stell dir vor du hebst mit der Ausatmung das rechte Bein. Die Vorstellung bahnt die Bewegung. Auch Menschen, die sich nicht gut bewegen können, können es in der Vorstellung machen. Und dann wirklich das rechte Bein ein bisschen vom Boden anheben, dass es schwebt und dann wieder halten, atmen und beobachten.

Mit der Einatmung die Zehen nach vorne strecken und mit der Ausatmung das Knie fühlen. Das Knie zur Zimmerdecke hochziehen, das Bein anwinkeln. Die rechte Fußsohle fühlen. Mit der Einatmung die rechte Fußsohle zum Boden bringen. Atmung beobachten und spüren. Jetzt gibt es einen Unterschied im Beckenbereich. Dadurch, dass ein Bein aufgestellt und eines ausgestreckt ist, liegt das Becken rechts und links unterschiedlich auf, und der Bodenkontakt ist verschieden.

Durch all diese Beobachtungen und immer wieder genau und aufmerksam spüren, komme ich eben ins Hier und Jetzt. Ich kann das nicht spüren, wenn ich an meine Einkaufsliste von morgen denke.

Dasselbe passiert dann mit dem anderen Bein. Dann sind beide Beine aufgestellt. Dann kann man wieder erstmal spüren, wie sich das anfühlt. Danach wird die Ausatmung vom Gesäß in den unteren Rücken, den Rücken hoch bis zum Schultergürtel geschickt und sich vorgestellt, dass ich mit der Ausatmung Gesäß, unteren Rücken und Wirbelsäule vom Boden anhebe, dann hebe ich sie wirklich an. Nun bin ich in der halben Brücke (Setu-Bandha-Sarvangasana). Aber ich muss nicht links und rechts schauen.

Das Produkt ist eigentlich nicht so wichtig. Irgendwann bin ich in der Haltung (im Hatha-Yoga Asana genannt) drin und irgendwann gehe ich da wieder raus, aber der ganze Weg ist eigentlich schon Asana. Der Grund weshalb man beim Yoga versucht länger in dieser Endhaltung zu bleiben ist, dass sich bestimmte Energiebahnen (Nadis)  im Körper öffnen und andere schließen. Und so versucht man die Energie (im Yoga Prana genannt) im Körper zu lenken und in ihre Bahnen zu bringen. Dadurch wird auch versucht, mehr Energie  in den Körper zu bringen.

Marina Prieb: Was machen die Patienten dann, wenn bei der Therapie etwas hochkommt? Wie wird das bearbeitet?

Hakima Gote: Wie in allen anderen Körpertherapien kann das wirklich passieren, dass dabei etwas an die Oberfläche kommt. Denn im Körper kapseln sich Erinnerungen und Ereignisse ab, die zum Zeitpunkt des Erlebens nicht bewältigt werden können. Wenn diese Abkapselung aufgeht, dann kommt dieses Ereignis ins Bewusstsein, entweder in Form von einem Bild, oder in Form von Emotionen.

Ich sage den Patienten dann immer, sie sollen es da sein lassen. Es kommt  auch noch auf die Stärke des Bildes oder der Emotion an. Manchmal ist es besser, dann keine Übung mehr zu machen, sondern dem „Hochgekommenen“ momentanen Erleben auch Aufmerksamkeit zu geben und es dasein zu lassen. Manchmal läuft es auch ganz still ab, dass jemand daliegt und die ganze Zeit laufen die Tränen und es löst sich einfach etwas. Es kommen Bilder und es sortiert sich etwas. Das geschieht wie aus sich selbst heraus und ist vom Seelengrund her getragen, quasi Heilung, die von innen heraus geschieht . Das fühlt sich für die Patienten dann  sehr organisch an.

Wenn es mal heftiger wird, ist es gut, wenn ich auch auf den Patienten zugehe und es kurz mit ihm bespreche. Manchmal passiert es, dass bei dem Patienten eine Wut kommt. Dann ist es gut, nicht mehr weiter das Hatha-Yoga zu machen, sondern den Atem zu beobachten und in eine innere Erforschung zu gehen. Wohin gehört die Wut und wofür steht sie? Was hätte die Wut für Worte? Manchmal schicke ich dann auch jemanden zum Abreagieren raus in einen anderen Raum. Der/Die Patient*In kann schreien oder auf ein Kissen schlagen, um dem Körper Erleichterung zu verschaffen und die angestaute Energie, die ins Fließen gekommen ist, unterstützen. Danach soll sie wiederkommen. Manchmal geht es darum, überhaupt wahrzunehmen, dass da Wut ist.

Wenn die Gefühle und Ereignisse aus dem Körper ins Bewusstsein gelangen, dann können sie im Bewusstsein bearbeitet werden. Bei somatoformen Schmerzstörungen, sprich bei Patienten, die einfach viel mit Schmerz zu tun haben und bei denen keine körperlichen Ursachen gefunden werden sind oft ungelöste Dinge im Spiel, die der Körper einem durch Schmerz abnimmt. Wenn sich dieser Schmerz körperlich löst und in Form von Bildern oder Erinnerungen oder Emotionen ins Bewusstsein kommt, dann muss der Schmerz dort bearbeitet werden.

Ebenfalls wichtig zu bemerken ist, dass die Gruppe „achtsames und meditatives Hatha-Yoga“ hier ja im  Rahmen des Klinikkonzeptes steht. So rate ich manchen Patienten, wenn etwas hochkommt, das in der Kerngruppe einzubringen oder dem im nächsten Einzelgespräch Aufmerksamkeit zu geben.

Eine Patientin beispielsweise verlor bei einer Übung einen Schmerz, den sie schon ewig im Rücken hatte. Der Schmerz war dann plötzlich weg. Sie hat gemerkt, womit der Schmerz zusammenhängt. Sie hatte eine Art Einsicht und Bewusstwerdung und dann brauchte der Körper diesen Schmerz nicht mehr zu übernehmen, diese verdichtete Stelle im Körper hat sich entspannt, den seelischen Hintergrund freigegeben und dann war es einfach gut. Aber es kommt nicht immer etwas hoch. Oft wird die Zeit als tiefe Entspannung erlebt, als Zugang zu einer bisher ungeahnten Ruhe, als Erneuerung und Kraftquelle.

Marina Prieb: Welche Patienten kommen zum Hatha-Yoga?

Hakima Gote: Das ist ganz unterschiedlich. Es kommen Trauma-Patienten. Es kommen Burnout-Patienten. Es kommen Angst-Patienten. Da gibt es keine spezielle Zielgruppe. Solche Menschen, die eine Verankerung im Körper und im Atem brauchen.

Marina Prieb: Benötige ich dafür irgendwelche Vorkenntnisse?

Hakima Gote: Nein, die braucht man nicht, nur die Bereitschaft, sich selbst zu spüren und tief auf sich selbst einzulassen.

Marina Prieb: Wie oft wird das Hatha-Yoga in der Woche angeboten?

Hakima Gote: Einmal pro Woche für anderthalb Stunden. Es gibt auch hinterher immer etwas Raum um über das zu sprechen, was die Patienten erlebt haben.

Marina Prieb: Also ist das Hatha-Yoga ähnlich wie eine Meditation, nur das ich mich beim Hatha-Yoga mehr auf den Körper konzentriere und es mir dadurch leichter fällt, im Hier und Jetzt zu sein.

Hakima Gote: Ja das stimmt. Durch die Bewegungen holt man sich immer wieder zurück. Der Körper ist dafür eine große Hilfe. Zusätzlich gibt es die angenehme Auswirkung, dass sich der Mensch in seinem Körper mehr zu Hause fühlt.

Die Therapie ist auch als „meditatives Hatha-Yoga“ ausgeschrieben, d. h. Achtsamkeit spielt dabei eine große Rolle. Es ist auch möglich, sich verschiedenen Themen zuzuwenden, z. B. Grenzen: Wie gehe ich mit körperlichen Grenzen um? Wie gehe ich mit Schmerz um? Wie lerne ich unterschiedliche Formen von Grenzen und Schmerz zu unterscheiden?

Das innere Lächeln spielt eine wichtige Rolle. Sich zuzulächeln   ohne Grund. Man lernt mit dem Hatha-Yoga Selbstfürsorge.

„Schau in den Raum deines Körpers. Das bedeutet nicht, das man irgendwelche Knochen oder Organe wahrnimmt, sondern fühle und erfahre den Raum deines Körpers als einen Raum, in dem du wohnst. Lächle in den Raum deines Körpers und lass mit dem Lächeln ein Gefühl von Fürsorge und Wohlwollen dir selbst gegenüber entstehen. Und versuche so viele von diesen Gefühlen wie möglich während der Übung beizubehalten.“

Die Beziehung zwischen Körper, Geist und Seele wird dabei in einen gesunden Zusammenhang gestellt. Also eine gute Beziehung zu dem eigenen Körper und zu den eigenen seelischen und mentalen Vorgängen herzustellen. Das ist wirkliche Gesundheitspflege.

Inzwischen belegen wissenschaftliche Studien mehrfach die günstigen Auswirkungen  bewusster Körper- und Atemübungen. Auch unsere Klinik beteiligt sich immer wieder an solchen Studien.

Marina Prieb: Kann man das Hatha-Yoga dann auch nach der Therapie weiterhin Zuhause anwenden?

Hakima Gote: Ja, dazu gibt es viele Möglichkeiten: Da sind die Menschen sehr unterschiedlich gestrickt wie sie das im Alltag umsetzen. Manche erzählen, sie haben es letzten Abend im Bett praktiziert. Dabei haben sie gefühlt wie sie im Bett liegen (die Körperhaltung, die Kontaktfläche zwischen Körper und Matratze), ihren Atem beobachten und immer wieder die Gedanken losgelassen.

Eine andere Patientin erzählte mal, dass sie neulich unter der Dusche die angenehme Wärme und die Stärke des Wasserstrahls bewusst am Nacken gespürt hat. Das hätte sie sonst ohne Yoga nie so intensiv gefühlt. Darüber bin ich ganz glücklich, wenn das auf diese Weise von den Patienten mitgenommen wird.

Aber das wichtigste ist, dass die Patienten auf den Weg gebracht werden, dass sie spüren, was sie selbst für sich tun können, dass sie bewusster und achtsamer werden mit mehr Selbstfürsorge.

Manche suchen sich auch zu Hause Yogakurse. Die Patienten sind dafür geschärft, was für eine Art von Yoga sie suchen, wenn sie in ihren Alltag zurückkehren. Es gibt inzwischen so viele verschiedene Arten von Yoga. Das ist auch gut so, denn so können die Menschen das finden, was zu ihnen passt.

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Marina Prieb

Marina Prieb

Marina Prieb ist für das Online-Marketing in den Heiligenfeld Kliniken verantwortlich und schreibt für den Blog und die Social Media-Kanäle.

2 Kommentare


  1. Insgesamt ein sehr gutes Interview. Vielen Dank für diesen wunderbaren Blog-Beitrag! Mir fehlt jedoch am Anfang der Hinweis auf alle Hauptraktiken im Hatha Yoga:
    -Asanas (Yoga Stellungen)
    -Pranayama (Atemübungen)
    -Shavasana (Tiefenentspannung)
    -Richtige Ernährung
    -Positives Denken und Meditation
    -Kriyas (Reinigungsübungen)
    Nachfolgend noch einige Ergänzungen, die ich für wichtig erachte:
    Der Hatha Yoga sagt, dass der Körper der Tempel des Seele ist und als solcher gepflegt werden sollte, Ohne ihn allerdings für das Wichtigste zu halten.
    Hatha Yoga sieht den Menschen als Ganzes. Er richtet sich nicht nur an den physischen Körper, sondern auch an die Energie-Hülle (Pranamaya Kosha) und die geistig-emotionale Hülle (Manomaya Kosha).
    In der Hatha Yoga Prapidika (eine der wichtigsten klassischen Hatha Yoga Schriften) heißt es, dass der Hauptzweck des Hatha Yoga die Befähigung zum Raja Yoga ist, der Herrschaft über den Geist. Er ist die Grundlage aller anderen Yoga Pfade.
    „Ha“ bedeutet Sonne, „Tha“ Mond. Hatha Yoga ist also die Harmonisierung der beiden Grundenergien in unserem System. Der aktivierenden, wärmenden und der aufbauenden, kühlenden Energie.
    Liebe Frau Gote, ich wünsche Ihnen viel Freude und Erfüllung bei der Begleitung der Patienten im Hatha Yoga.
    Herzlichst,
    Zuzanna-Teresa Heinrich

    Antworten
    1. Marina Prieb

      Liebe Frau Heinrich,

      vielen Dank für Ihr Feedback und die wertvollen Ergänzungen. 🙂

      Ich wünsche Ihnen eine schöne Zeit.
      Liebe Grüße
      Marina Prieb

      Antworten

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