Schulangst: “Hilfe, mein Kind will nicht mehr in die Schule gehen!”

classroom-488375_1920

“Mama mir ist schlecht, ich kann heute nicht in die Schule gehen“ solche oder ähnliche Sätze hat wohl jede Mutter und Vater schon einmal gehört. Meist frühmorgens, mit Leidensmiene und flehentlichem Blick vorgetragen, tun sich viele Eltern schwer nicht nachzugeben und „ausnahmsweise“ das Kind von der Schule zu befreien, damit es sich erholen und auskurieren kann. Im Fall von Fieber, Infektionen und anderen ansteckenden Krankheiten ist es natürlich unbedingt angebracht, das Kind zu Hause zu lassen und den Hausarzt zu konsultieren, um geeignete Maßnahmen einleiten (Bettruhe, Medikamente) und Ansteckung in der Schulklasse vermeiden zu können. Generell sollte der Hausarzt bei allen Beschwerden, die nicht nach einem Tag von alleine verschwinden, hinzugezogen werden, um medizinische Komplikationen auszuschließen.

Nun ist es aber gerade bei Kindern und Jugendlichen häufig so, dass Bauchschmerzen oder Kopfschmerzen auftreten, die keine nachweislich körperliche Ursache haben, sondern für ein Gefühl oder ein Bedürfnis stehen, für welches sie keine Worte haben und sie nicht anders ausdrücken können.

In solch einem Fall sollten Sie sich Zeit nehmen, um mit Ihrem Kind zu reden, ob es sich bedrückt fühlt durch etwas (Liebeskummer?), ob in der Schule alles gut läuft (vielleicht steht eine schwierige Klausur oder Mathematikarbeit an) oder ein Konflikt mit Kindern aus der Schulklasse besteht. Schaffen Sie eine geeignete Situation, vermeiden Sie Zeitdruck und Hektik (frühmorgens, wenn der Schulbus vor der Tür hupt, ist kein guter Zeitpunkt!).

Bedrängen Sie Ihr Kind nicht, bieten Sie einfach an zuzuhören und da zu sein, wenn es etwas zu besprechen gibt. Manchmal genügt dies bereits, um Ihrem Kind die Sicherheit zu geben sich anzuvertrauen und zu erzählen, was „Bauchschmerzen“ bereitet.

Wenn dies nicht gelingt, gibt es möglicherweise andere Gründe, die Ihr Kind bedrücken. Stellen Sie im Zweifelsfall einen Kontakt zum Klassenlehrer her und berichten Sie ihm über Ihre Sorgen. Vielleicht kann er Ihnen ein Bild von seinem Eindruck geben, wie Ihr Kind im Klassenverband zurechtkommt und welche Position es in der Gruppe der gleichaltrigen Kinder einnimmt. Oft gelingt es in Kooperation mit der Schule eine gute Lösung zu finden.

In der heutigen Zeit können auch die sogenannten „Neuen Medien“ zu den Schwierigkeiten von Kindern und Jugendlichen beitragen. Wissen Sie, wie Ihr Kind seine Zeit im Internet verbringt? Haben Sie ein Auge auf die Nutzung von Computer und Mobiltelefon und sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber. Legen Sie Familienregeln für den Umgang mit diesen Geräten fest. Gehen Sie sicher, dass auch Ihr Partner im Eltern-Team diese Regeln mitträgt und mit verteidigt. Über das Thema „Cyber-Bullying“ und anderen Gefahren im Netz können Sie sich auf der Webseite www.klicksafe.de informieren.

Und schließlich kann als letzter Grund für die Bauchschmerzen auch eine Gesamtdynamik der Familie vorliegen. Es ist bekannt, dass Kinder und Jugendliche sehr gut spüren können, wie es Ihren Eltern emotional-seelisch geht und dass sie mehr als bereit sind mitzuhelfen, um Familienkrisen zu bewältigen. Dabei überfordern sie sich häufig und entwickeln dann selbst Symptome, wie z. B. unerklärliche Bauchschmerzen.

Die stationäre Behandlung in der Familienklinik Heiligenfeld in Waldmünchen bietet ein optimales Setting zur Bewältigung von familiären Krisen. In der Bindungstherapie wird ein Raum geschaffen, in dem Familienmitglieder üben können, sich offen mit ihren Gefühlen zu zeigen und die darunter liegenden Bedürfnisse nach Zugehörigkeit, Würdigung oder Anerkennung wieder zu spüren und auszudrücken. Im geschützten Setting der Klinik können so neue Verhaltensweisen im Umgang mit sich selbst und anderen erprobt bzw. angeeignet werden. So entsteht die Möglichkeit, echte Veränderungsprozesse innerhalb der Familie anzustoßen und den Haussegen wieder gerade zu rücken, möglicherweise auf eine überraschend andere Weise als zuvor.

Literaturtipp:

Schulangst
In dem Buch „Schulangst und Schulphobie“ von Hans Hopf geht es um die Schulangst, die weitverbreitet ist und eine reale Angst darstellt, etwa vor Prüfungen, vor Beschämung, Verletzung oder Bestrafung. Mobbing und Bullying sind Ausdruck dieser Atmosphäre im sozialen Raum Schule. Aber auch Prüfungs- und Versagensängste plagen das moderne Kind. Ganz anders das Kind mit einer Schulphobie: Es hat Angst, die Schule zu besuchen, obwohl kein objektiver Grund dafür zu erkennen ist. Es leidet meist an Trennungsangst, die mit vielen seelischen und körperlichen Symptomen verbunden ist. Dieses Buch finden Sie im Buchshop Heiligenfeld.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.