Beseelte Paarentwicklung und die Kunst des Alleinseins – ein Interview mit Anne Salow-Jüdes

Anne Salow-Jüdes
Anne Salow-Jüdes

„Es entsteht bei jedem Seminar schnell ein Gefühl der menschlichen Verbundenheit, was uns sehr berührt und was für heilsame Orte wie Heiligenfeld typisch ist.“

Heute haben wir ein weiteren Beitrag aus der Kategorie „Interviews mit Referenten“ für Sie. Dieses Mal hat Anita Schmitt die Psychotherapeutin und Heilpraktikerin Anne Salow-Jüdes befragt. Die Referentin wird gemeinsam mit ihrem Mann Dr. Ulrich Jüdes das Seminar „Jahresgruppe Beseelte Paarentwicklung“ bei der Akademie Heiligenfeld leiten. Ende April findet dort zudem deren Seminar „Die Kunst des Alleinseins“ statt. Anita Schmitt hat Anne Salow-Jüdes einige Fragen zu den beiden Seminaren gestellt.

1. In der dreimoduligen „Jahresgruppe Beseelte Paarentwicklung“ geht es um den Weg zu einer erfüllten Partnerschaft. Welche Faktoren sind die größte Bedrohung auf diesem Weg und wie kann ein Paar diese abwenden?

Es gibt ein provokantes Buch mit dem Titel „Wie ruiniere ich meine Beziehung – aber endgültig“. Darin wird auf anschauliche Art beschrieben, welche Fehler und „Spielchen“ zum Scheitern einer Beziehung führen. Aus der Negativ-Spirale kommt man heraus wenn man den Partner liebevoll, mit Achtsamkeit, Wertschätzung, Verlässlichkeit, Solidarität usw. behandelt.

Ein verbreiteter Irrtum ist beispielsweise zu glauben, dass der Partner oder die Partnerin die Bedürfnisse und Wünsche des bzw. der Geliebten erfühlen kann. Das führt leicht zu Missverständnissen, die sich im Laufe der Zeit potenzieren und Sprengkraft entwickeln.

In allen unseren Seminaren bieten wir den Paaren eine Palette von praktischen Übungen an, mit denen sie sich auf eine vielleicht ungewohnte Art neu begegnen und ihre Beziehung vertiefen können. Die Jahresgruppe ist eine konsequente Fortentwicklung unserer Einzelseminare, die von der Akademie Heiligenfeld angeboten wird, weil wir dort an drei Wochenenden sehr viel intensiver auf die einzelnen Paare eingehen können.

2. Sie zeigen den interessierten Paaren, die an Ihrem Seminar teilnehmen, was Sie für die Entwicklung Ihrer Beziehung tun können. Gibt es eine Art „Geheimrezept“, damit dieser Weg zu einer erfüllten Partnerschaft führt?

Das Geheimrezept heißt „Liebe“. Liebe ist ja zu Beginn jeder Partnerschaft – außer vielleicht in reinen Vernunftehen – das, was die beiden individuellen Menschen am stärksten verbindet. Liebe besitzt eine Kraft, die nahezu unbegrenzt ist und Wunderbares vollbringen kann. Liebe ist der Katalysator für alles, was in der Paarbeziehung auf diese erste Begegnung folgt.

Wieder an die Anfangsfaszination anzuknüpfen, gemeinsam als Paar das Beziehungs- und Wachstumspotential freizulegen und es beseelt und kreativ weiterzuentwickeln, das kann man lernen.

3. Ebenso thematisieren Sie in dem Seminar Wege aus der „verkehrsberuhigten Zone“. Was erwartet die Teilnehmer hierbei?

Das ist ein Begriff aus unserem Paarseminar „Da war doch mal was …!“, der sich auf folgendes bezieht: Frischverliebte haben sich unendlich viel zu erzählen, während das durchschnittliche deutsche Ehepaar pro Tag nur noch wenige Minuten miteinander kommuniziert (außer über Alltagsprobleme). In der Sexualität, die ja ein ganz wichtiges verbindendes Element der Paarbeziehung ist, sieht es ähnlich aus: Zu Anfang kann man kaum voneinander lassen und später schläft vieles ein.

Die Paare reflektieren im Seminar ihre eigene Geschichte und suchen ihren individuellen Weg aus der „verkehrsberuhigten Zone“ hin zu mehr Kommunikation und Sinnlichkeit. Wir ermöglichen auch neue körper- und gefühlsbezogene Erfahrungen mit dem eigenen Partner. Dabei achten wir grundsätzlich darauf, dass niemand überfordert wird.

4. Thema Ihres Seminars „Kunst des Alleinseins“ ist das Wiedererlangen von Lebensfreunde nach Partnerverlust oder Trennung. Inwiefern unterstützen Sie die Teilnehmer des Seminars bei diesem schwierigen Prozess?

Dieses Seminar haben wir entwickelt, weil wir wissen, wie schmerzhaft und leidvoll Trennungen und Partnerverlust sind. Die Welt scheint häufig stillzustehen oder gar unterzugehen. Stabilisierung ist in der Trauerphase ganz wichtig. Dabei versuchen wir mit Übungen zu helfen.
Es führen viele Wege aus dem Tal des Leides, aus der gefühlten Einsamkeit. Wir unterstützen dabei, den Zugang zum eigenen, vielleicht schon lange verschütteten Pfad der Lebensfreude (wieder) zu finden. Hier nutzen wir die Heilungsqualitäten, die vom Alleinsein zum Glücklichsein im „All-ein-sein“ leiten. Das Erleben mit anderen Teilnehmern und Teilnehmerinnen ist bei diesem Seminar besonders wichtig.

5. Das Seminar „Kunst des Alleinseins“ geht von Freitagabend bis Sonntagnachmittag. Was empfinden Sie, wenn sich die Teilnehmer dank Ihrer Unterstützung auf dem Weg von der Trauer zu neuer Lebensfreude befinden?

Wir beginnen jedes unserer Seminare mit etwas Herzklopfen. Es entsteht aber immer wieder schnell ein Gefühl der menschlichen Verbundenheit, was uns sehr berührt und was ja für heilsame Orte wie Heiligenfeld typisch ist. Die offene Begegnung von Mensch zu Mensch erfüllt uns mit Freude und Dankbarkeit. Jedes Seminar, das wir hier bisher durchgeführt haben, haben wir für uns persönlich mit dem Gefühl großer Zufriedenheit abgeschlossen, ja ich möchte sogar sagen des Glücks. Es ist eine Freude zu sehen, was in heilsame Bewegung kommt. Vielfach hören wir auch nach dem Seminar von den Teilnehmern. Manche sind schon zum dritten Mal in einem unserer Seminare, so dass wir sehen können, welchen guten Weg sie gegangen sind.

Weitere Informationen zum Seminar „Jahresgruppe Beseelte Paarentwicklung“ und zum Seminar  „Die Kunst des Alleinseins“ erhalten Sie in der Akademie Heiligenfeld, Telefon: 0971 84-4600 oder auf der Internetseite unter „Beseelte Paarentwicklung bzw.  „Die Kunst des Alleinseins“.

 Literaturempfehlung:

Wie ruiniere ich meine BeziehungZur Not läßt sich das Buch auch anders lesen: als Anregung dazu, bestimmte, häufig vorkommende und gravierende Fehler zu vermeiden, um somit eine Beziehungskrise zu verhindern oder sogar zu beenden. Man kann die Ratschläge auch so nutzen, daß man die Schwierigkeiten in der Beziehung analysiert, versteht und sein eigenes Handeln ändert. Aber das wäre ja langweilig und würde zu einer stinknormalen Beziehung führen, ohne Dynamik, ohne Mißverständnisse, ohne Teufelskreise und selbsterfüllende Prophezeiungen: kurzum öde, unattraktiv und ohne Herausforderung.
Das Buch ist im Buchshop Heiligenfeld erhältlich.

 

Veranstaltungstipp:

Foto_Jellouschek_HansDie Akademie Heiligenfeld lädt alle Interessierten am 15.05.2014 um 19:30 Uhr zum Heiligenfelder Gespräch „Grenzen der Liebe, Bindung und Freiheit in Partnerschaft und Familie“  in die Parkklinik Heiligenfeld, Heiligenfeld Saal, Bismarckstraße 38-44, 97688 Bad Kissingen.

Mit Liebe verbinden wir Hingabe und Einheit. Aber Liebe hat nicht nur mit Hingabe und Einheit zu tun. Damit sie möglich wird, ist es auch nötig, Grenzen zu setzen: Grenzen, um nicht mit dem anderen „zu zerfließen“, Grenzen, um  der Familie als ganzen ihren eigenen Raum zu sichern und Grenzen, damit auch Erwachsene und Kinder innerhalb der Familie ihre eigenen Räume haben. Grenzen schützen die eigene Individualität und ermöglichen damit echte Bindung. Wie man es macht, damit  solche Grenzen nicht die Liebe verletzen, darum geht es in diesem Vortrag vom Dr.  Hans Jellouschek.

Weitere Informationen zum Heiligenfelder Gespräch finden Sie hier.

 

 

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Anita Schmitt

Anita Schmitt

Anita Schmitt ist Diplom-Betriebswirtin (FH), Messe- und Eventmanagerin (IHK) und leitet die Akademie Heiligenfeld GmbH. Diese ist die Bildungseinrichtung der Heiligenfeld GmbH in Bad Kissingen. https://www.akademie-heiligenfeld.de Weitere Informationen zu den einzelnen Autoren finden Sie auch unter dem Menüpunkt "Über den Blog und seine Autoren".

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