Mein inneres Kind mag heute nicht aufräumen

Mein inneres Kind mag heute nicht aufräumen

„Wer kocht? – wer räumt die Küche auf?“ Wir kamen nach Hause, und mein Partner machte es sich bequem. Ich ging in die Küche. Geschirr vom Morgen stand da – die Spülmaschine war noch voll: äh, ne, irgendwie war das ungerecht. Diesmal war ich zu müde, um wieder meine Wut zu unterdrücken. Eigentlich wollte ich keinen Ärger verursachen.

Okay. Es reichte. Ich eröffnete meinem Partner, dass ich nicht immer alles alleine machen will. Eigentlich fragt er häufig, ob ich Unterstützung brauche, so antwortete er ziemlich irritiert: „Was ist denn los? Du kannst mich doch fragen! Wieso bist du so wütend?“

Ab in die Küche

Es war wie ein altes Muster: Ich fühlte mich in meine Kindheit zurückversetzt. Mein Vater hatte mich seinerzeit mit dem Küchenchaos allein gelassen. Gefühle und Gedanken von damals tauchten auf: Wut, Machtlosigkeit – das kleine Mädchen in mir hatte sich irgendwann damit abgefunden, dass es nicht half, gegen die väterliche Allmacht aufzubegehren. Ich steckte zurück, behielt meinen Groll für mich. Später konnte ich mir nicht erklären, warum ich mich mit Hausarbeiten unwohl fühlte und oft Halsschmerzen bekam, weil ich „etwas zurückhielt“. Was  soll das? Ich darf doch selbst entscheiden. Als kleine Verhaltensänderung setzte ich mich, und die Küche machten wir später gemeinsam klar. Gutes Gefühl.

Hallo Kind – Ich, sprich!

Inzwischen habe ich diesen Bedürfniskonflikt lösen können. Es ging um mein inneres Kind. Ich, die Erwachsene, gebe jetzt ihm einen Raum, den es oft nicht hatte. So lerne ich mich selbst kennen und lieben. Es darf sagen, wie es sich in Konfliktsituationen fühlt, und ich stehe hinter ihm. Ich will seine Emotionen zu spüren und glaube ihm. Mein inneres Kind darf nach Unterstützung fragen. Ich schätze seine Intuition und bin in Kontakt mit ihm.

Durchbrich den Kreislauf

In unserer Kindheit blieb uns nichts anderes übrig, als uns von der Umwelt prägen zu lassen, die wir bei unserer Geburt vorfanden. Wir kamen als hilflose, liebebedürftige Geschöpfe in die Welt unserer Eltern, die immer noch unser Leben bestimmen. Sie prägten uns mit ihren Gefühlen, Gedanken, Urteilen und ihren Verhaltensmustern.

Viele Muster tragen wir unbewusst in uns – einige blockieren so sehr, dass wir nicht Neinsagen können, Schuldgefühle, Angst, Wut oder Trauer in uns tragen. Wir spüren, dass bestimmte Situationen falsch laufen und kritisieren uns selbst. Verdrängung ist eine Möglichkeit, doch zeigen sie sich bei nächster Gelegenheit wieder. Ein Teufelskreislauf. Wir können sogar krank werden.

Vergib dir selbst und den anderen

Erlaube dir endlich, auch deine störenden Gefühle zu fühlen, dann können sie sich auflösen. Welches Bedürfnis steckt dahinter? Indirekt streben wir ja sowieso danach, denn die Seele kennt ihren Weg. Nutze störende Situationen, denn es liegt immer an uns, wie wir damit umgehen.

Niemand ist dafür verantwortlich, dass ich mich so oder so fühle. Zum Freiwerden von alten Mustern gehört Vergebung. Unsere Eltern waren auch nicht allwissend, sondern „größer gewordene Kinder“, so wie wir heute. Vergib dir selbst und anderen.

Hier, ein Luftballon

Früher fühlten wir uns oft übergangen, doch heute können wir selbst bestimmen. Wir sind machtvoll und tragen Verantwortung für uns selbst. Entdecke dein inneres Kind. Es ist ein Teil von dir, ein Teil deines Lebens. Erlaube ihm, da zu sein, zu spielen, auch mal nichts zu tun  wie Pu der Bär und Christopher Robin. Mein inneres Kind grüßt dein inneres Kind und schenkt ihm einen Luftballon.

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Renate Kaack

Renate Kaack

Renate Kaack ist als Gesundheitsreferentin in Heiligenfeld für die Kommunikation mit den zuweisenden Ärzten und Psychotherapeuten verantwortlich. Sie liebt Schreiben und ist u.a. für die Redaktion der Newsletter zuständig.

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