Nahtod: Wenn Sterben das Leben in ein neues Licht rückt

Wald im Lichtprisma

Nahtod – Das klingt erst einmal düster und deprimierend. Menschen, die eine Nahtoderfahrung hatten, beschreiben ihren vorübergehenden Tod aber häufig ganz anders. Für Einige ist der Nahtod eine tiefgreifende, vielleicht sogar erleuchtende Erfahrung. Oft gibt ihnen das Erlebnis den Anstoß etwas in ihrem Leben grundlegend zu verändern. Sie leben von da an bewusster und haben eine völlig andere Einstellung zum Sterben und dem Tod.

Was ist eigentlich eine Nahtoderfahrung?

Als Nahtoderfahrung (kurz: NTE) bezeichnet man aus der Erinnerung geschilderte Eindrücke eines außergewöhnlichen Bewusstseinszustands. Menschen, die diesen Zustand erreicht haben, beschreiben auffällig oft ganz ähnliche Gefühle, Bilder und Begegnungen. Unabhängig von der kulturellen oder religiösen Prägung tauchen bestimmte charakteristische Elemente immer wieder auf. Menschen erzählen von einem langem Tunnel, an dessen Ende ein Licht zu sehen ist. Sie beschreiben freundliche, hell erleuchtete Räume, in denen sie verstorbenen Angehörigen begegnen. Einige sehen ihr „Lebenspanorama“, also Bilder aus ihrem eigenen Leben, wie einen Film an sich vorbeiziehen. Andere blicken auf sich selbst, ihren Körper, von dem sie sich losgelöst haben, hinab, während sie beispielsweise operiert oder reanimiert werden.

Wer erlebt eine Nahtoderfahrung?

In der Regel erleben Menschen dann den Nahtod, wenn sie ernsthaft erkrankt sind, einen Herzstillstand haben oder für kurze Zeit als klinisch tot gelten. Aber auch ohne medizinische Ursache ist der Nahtod schon aufgetreten, beispielsweise in emotional oder körperlich gefährdenden Situationen oder auch während außergewöhnlich tiefer Meditation. Daher ist es nicht verwunderlich, dass in der Vergangenheit Nahtoderfahrungen oft als Erleuchtung, Visionen oder eine mystische, religiöse Erfahrung gedeutet wurden.

Nahtoderfahrung – nichts als Hirngespinste?

Obwohl 4,2% der Bevölkerung von Nahtoderfahrungen berichten und viele Beschreibungen sich gleichen, gibt es kritische Stimmen, die überzeugt sind, dass der Bewusstseinszustand gar nicht existiert. Viele Menschen trauen sich deswegen nicht von ihrem Erlebnis zu berichten. Sie befürchten als „verrückt“ abgestempelt zu werden, was auch damit zusammenhängen könnte, dass klassisch ausgebildete Ärzte teilweise nicht wissen, wie sie mit den Schilderungen ihrer Patienten umgehen sollen. Studien und Befragungen unter Patientengruppen zeigen aber: Nahtoderfahrungen sind keine Hirngespinste. Ebenso wenig sollte man sie mit Todesangsterfahrungen und Sterbebettvisionen verquicken.

Nahtoderfahrung – eine Erscheinung der Neuzeit?

Seit der Einführung neuer Reanimationstechniken häufen sich die Berichte von Nahtoderfahrungen. Es wurde sogar die Theorie aufgestellt, dass Nahtoderfahrungen keine außergewöhnlichen Ereignisse sind, sondern – bei einer gewissen Symptomatik – sogar regelmäßig vorkommen. Entsprechende Zahlen, die diese Behauptungen verlässlich belegen könnten, sind allerdings rar. In Krankenhäusern werden die Erzählungen von Patienten zu selten oder nur unzureichend dokumentiert, als dass man sich darauf stützen könnte.

Ein spannendes Forschungsfeld

Das heißt aber nicht, dass Nahtoderfahrungen nicht bereits tiefergehend erforscht wurden. Gerade im Bereich der Psychologie existieren Modelle, die es erlauben Nahtoderfahrungen von anderen, außerkörperlichen Bewusstseinszuständen eindeutig zu unterscheiden. So gibt es beispielsweise die „Zwölf Elemente einer Nahtoderfahrung“ nach Moody und die „Fünf Phasen einer Nahtoderfahrung“ nach Ring. Gemeinsamkeiten der beiden Modelle sind das Gefühlspektrum, das Menschen während einer Nahtoderfahrung erleben: Friede, Ruhe, Hingabe, Glück. Während ihrer NTE sind sich die Betroffenen ihres Todes bewusst, realisieren, dass sie ihren Körper verlassen haben und verlieren mit einem Mal die Angst davor.

Leben und Tod gelassener betrachten

Jede Nahtoderfahrung hat also auch eine spirituelle Komponente. Sie verändert die Perspektive der Menschen, die sie erleben. Betroffene berichten davon, dass sie nach der NTE gelassener, mutiger oder einfach proaktiver an ihr Leben herangegangen sind. Dem Tod ins Auge gesehen zu haben hat für einige von ihnen Ängste und Probleme relativiert, die sie vor der Erfahrung fest im Griff hatten. Befreit und optimistisch an das heranzugehen, womit einen das Leben konfrontiert, ist eine der nachhaltigeren Auswirkungen eines Nahtoderlebnisses. Und auch Menschen, die noch keine solche Erfahrung hatten, können von Betroffenen etwas lernen: Das Leben kann schnell vorbei sein, aber das sollte einen nicht davon abhalten, es zu leben!

Ihnen gefällt dieser Beitrag? Dann freuen wir uns über eine Empfehlung in Ihr soziales Netzwerk!

The following two tabs change content below.

Heike Edelmann-Lang

Heike Edelmann-Lang arbeitet als Content Marketing Managerin für die Heiligenfeld Kliniken. Sie schreibt für den Blog und produziert Podcasts.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.