Neue Technologien fördern Narzissmus

Neue Technologien fördern Narzissmus

Narzissmuss – immer wieder hört man diesen Begriff. Doch was bedeutet er überhaupt? Der Duden definiert Narzissmus mit „eigensüchtig“ und „voller Eigenliebe“. In einer altgriechischen Sage war Narziss ein junger Mann, der in sein Spiegelbild verliebt war. In der Sage setzte sich Narziss an den See, um sich seines Spiegelbildes zu erfreuen. Durch göttliche Fügung fiel ein Blatt ins Wasser und die erzeugten Wellen trübten sein Spiegelbild. Schockiert von der vermeintlichen Erkenntnis, er sei hässlich, starb er¹. Sein Leichnam wurde nie gefunden, stattdessen eine Narzisse. Hiervon kommt demnach der Begriff „Narzissmus“. Narzissmus ist also eine Mischung aus Selbstverliebtheit, Selbstbezogenheit, Selbstbewunderung und damit oft auch Egoismus.

Narzissten möchten von anderen als überlegen, großartig und unerreichbar wahrgenommen werden. Sie reden meistens nur von sich selbst, ihren Ideen und Erfolgen. Für die Einfälle der anderen und deren Leistungen bringen sie weder Interesse noch Wertschätzung auf. Wesenszüge, die den Narzissten zugeschrieben werden sind „arrogant, überheblich oder eingebildet“.

Merkmale einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung sind vielfältig. Ein großes Konkurrenz- und Bedrohungsgefühl, das Narzissten selbst empfinden, ist ein häufiger Hintergrund für ihr aggressives Auftreten. Der Narzisst ist sich oft seiner selbst gar nicht so sicher, wie es nach außen scheint. Deshalb geht er auch auf andere nicht offen, freundlich und hilfsbereit zu. Andere Menschen empfindet der Narzisst als Konkurrenz oder Bedrohung, die ihm selbst gefährlich werden, indem sie die eigenen Schwächen aufdecken könnten. Hierdurch kann eine besondere Empfindlichkeit entstehen, die in eine offensive und aggressive Verteidigungshaltung münden kann.

Warum wir uns dem Thema Narzissmus widmen?

Weil eine neue Studie der Agentur SYZYGY ergab, dass vor allem die Generation der sogenannten ersten Digital Natives (geboren zwischen 1981 und 1998) besonders häufig narzisstische Wesensmerkmale zeigen. Diese Personengruppe ist mit dem Smartphone und Tablet großgeworden und macht etwa zwanzig Prozent der deutschen Bevölkerung aus. Veränderungen und Trends in unserer Kultur und Gesellschaft lassen sich aktuell besonders gut an dieser Gruppe erkennen. Außerdem berichten viele Patienten in unseren Kliniken von ihrem Problem, dass sie von ihrem Umfeld arrogante, unnahbare und selbstverliebte Wesenszüge gespiegelt bekommen und nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen. (Diesem Thema werden wir noch einen gesonderten Beitrag widmen …)

Inhalt der Studie:

Durch die häufige Nutzung neuer Technologien wie Smartphones, Social-Media und On Demand-Apps seien die Digital Natives wesentlich narzisstischer geprägt als andere Generationen in Deutschland, so die Studie. Moderne Technologien verändern nachweislich das Denken und Verhalten von Bevölkerungsgruppen. Dies sind Kernergebnisse der exklusiven EgoTech Studie unter 1.024 Millennials, die von der Digitalagenturgruppe SYZYGY im Januar 2017 durchgeführt wurde.²

Weitere Ergebnisse: Laut Studie besteht ein klarer kausaler Zusammenhang zwischen dem Narzissmus-Level dieser Generation und ihrer Nutzung von Selfies, Social Media und sogenannten On-Demand-Apps. Damit sind Apps gemeint, die mit einem Klick eine Sofort-Dienstleistung erbringen (Lieferheld, Amazon Prime, Uber). Bundesweit gesehen sind deutsche Millennials 13 Prozent narzisstischer veranlagt als ältere Generationen. Ihr Handy ist ihnen so wichtig, dass 48 Prozent lieber einen Monat kein Frühstück zu sich nehmen würden als das Smartphone abzugeben. Und 28 Prozent würden sogar eher einen Monat auf Sex verzichten als auf ihr Handy. Auch die Nutzung von Fitness-Trackern und sprachgesteuerten Assistenten fördert nachweislich den Narzissmus-Grad dieser Generation.

Der Studien-Steckbrief zu EGOTECH Millennials:
Die Studie wurde im Januar 2017 von SYZYGY unter 1.024 deutschen Millennials durchgeführt, die zwischen 1981 und 1998 geboren wurden und deren Durchschnittsalter 28 Jahre beträgt. Die Befragten führten online einen psychologischen Test (Narcisstic Personality Inventory „NPI-16³“) durch und beantworteten außerdem Fragen zu ihren digitalen Nutzungsgewohnheiten. Als Vergleichsgruppen wurden darüber hinaus 1.004 ältere Deutsche befragt, die nicht zur Millennials-Generation gehören, sondern aus der Generation X (geboren 1965-1980, Durchschnittsalter: 44 Jahre) sowie der Generation Baby-Boomer (geboren 1945 bis 1964, Durchschnittsalter: 60 Jahre) stammen.
1 aus „Menschenbild(n)er – Bildung oder Schöpfung“ von Svenja Almann, Knut Berner, Andreas Grohmann, S. 43, Pausanias, Beschreibung Griechenlands 9.31.7
2 https://www.syzygy.net/germany/de/news/egotech-studie

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Kathrin Schmitt

Kathrin Schmitt

Kathrin Schmitt ist Kommunikationsmanagerin und seit 2009 bei den Heiligenfeld Kliniken unter anderem für den HeiligenfeldBLOG verantwortlich. Schreiben gehört zu ihren größten Leidenschaften.

2 Kommentare


  1. Ich hoffe (und weiss) dass es in den Heiligenfeld-Kliniken Fachleute gibt, welche eine bedeutend begründetere Darstellung von Narzismus liefern KOENNTEN. Warum dies also einer Marketing-Medienwirtin überlassen? Die hier veröffentlichte Darstellung greift viel zu kurz und führt auf falsche Fährten. Lesen Sie lieber HJ Maaz- „Die narzistische Gesellschaft“; klärt auf und lohnt sich allemal. Vor allem auch in Bezug auf die Ursprünge narzistischer Kränkung.

    Antworten
    1. Kathrin Schmitt

      Lieber Jay Em,

      vielen Dank für Ihren Kommentar. Sie haben Recht, dass wir sehr kompetente Kolleginnen und Kollegen haben, die viel zu diesem Thema sagen können. Deshalb hatte ich im Beitrag bereits angekündigt, dass wir uns erneut dem Thema aus Sicht der Therapie widmen werden. In diesem Blogpost ging es allerdings um die Studie zu dem Thema „Machen neue Medien narzisstisch?“. Somit kommen wir Ihrem Wunsch gerne nach und werden das Thema „Narzissmus“ auch nochmal aus der ärztlichen und therapeutischen Sicht beleuchten.
      Herzliche Grüße
      Kathrin Schmitt

      Antworten

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