Schmerz, lass nach!

Schmerz, lass nach!

Am heutigen „Tag gegen den Schmerz“ möchten wir mit euch die Erfahrung einer Schmerzpatientin hier in den Heiligenfeld Kliniken teilen. Frau H. ist 50 Jahre alt, Gymnasiallehrerin und hat eine lange Leidensgeschichte hinter sich. Trotz stärkster Kopfschmerzen (Migräne) kommt sie ihrer anstrengenden Arbeit meist nach. Frau H. wurde in der Luitpoldklinik Heiligenfeld als stationäre Patientin der multimodalen Schmerztherapie vom Dr. Martin Gessler behandelt und sie hat neue Erkenntnisse gewonnen. Jetzt hofft sie diese im Alltag umsetzen zu können. Ich habe Sie während ihres Aufenthaltes hier in Bad Kissingen zum Inteview getroffen.

Aufgrund welcher Beschwerden sind Sie zu uns gekommen?

Primär hatte ich ganz massive, chronische Migräne. Außerdem hatte ich Knieprobleme, da ich schon mehrere Knie OPs hinter mir habe. Zusätzlich habe ich zunehmend Probleme mit meiner Schulter gehabt und man sagte mir, dass ich wohl auch um eine Schulter OP nicht herum kommen würde. Aber hauptsächlich kam ich aufgrund meiner Migräne, da ich durch die Kopfschmerzen einen enormen Verlust an Lebensqualität erlitten habe.

Wie lange leiden Sie schon unter Migräne?

Das erste Mal aufgetreten sind die Kopfschmerzen bei mir, als ich ca. Anfang 20 war. So massive Schmerzen habe ich seit ungefähr 10-15 Jahren.

Sind diese chronischen Kopfschmerzen bei Ihnen familiär bekannt?

Nein.

Wie sind Sie auf unsere Klinik aufmerksam geworden?

Mein Arzt hatte mir empfohlen eine Klinik aufzusuchen, um meine Migräne in den Griff zu bekommen. Da er mir aber ausschließlich Kliniken vorgeschlagen hat, in denen es rein um die Behandlung der Migräne ging, habe ich mich selbst informiert, ob es denn eine Möglichkeit gäbe, nicht nur dieses eine Problem zu behandeln, sondern, wenn ich diesen Schritt schon gehe, eine Klinik zu finden, in der ich mit allen meinen Beschwerden gut aufgehoben wäre. So bin ich auf die Heiligenfeld Kliniken gestoßen. Nachdem ich in der Klinik angerufen hatte, um mich genauer über die Therapie zu informieren und ich sogar ein telefonisches Gespräch mit dem Leitenden Arzt der Abteilung für stationäre Schmerztherapie persönlich führen konnte, war mir klar, dass diese Klinik der richtige Ort für mich ist. Ich fühlte mich schon am Telefon sofort verstanden und hatte das Gefühl, dass man wirklich daran interessiert war, mir zu helfen.

Sie sind ja Lehrerin. Erkennen Sie eine verstärkte Häufigkeit der Migräne Anfälle während des Unterrichts? Oder treten die Schmerzen auch in der unterrichtsfreien Zeit auf? Sehen Sie da Zusammenhänge?

Eigentlich nicht. Am Wochenende, während der Schulzeit, auch nachdem ich einen Monat nicht gearbeitet hatte, hatte ich trotzdem in der Regel zwei bis dreimal die Woche Migräne Anfälle. Ganz schlimm ist es allerdings in massiven Stress-Phasen, zum Beispiel wenn die Korrektur einer Klausur ansteht oder in der ersten Ferien Woche, wenn die ganze Anspannung und der Stress quasi von einem abfallen. Ich habe mir auch immer selbst sehr viel Druck gemacht. Wenn ich meinen Schülern versprochen hatte, dass sie die Klausur am nächsten Tag zurück bekommen, dann habe ich, egal ob ich Schmerzen hatte oder nicht, die Klausur am nächsten Tag korrigiert zurück gegeben.

Man sagt ja Schmerzpatienten haben oft schon eine Odyssee hinter sich, sei es mit verschiedenen Ärzten oder auch Kliniken. Wie ist Ihre Erfahrung damit?

Ich habe da auch schon einiges hinter mir. Von Migränespezialisten und Psychologen über Heilpraktiker und Akupunktur. Ich habe versucht einfach viel Sport zu machen und draußen an der Luft zu sein. Aber das hat mir alles nicht wirklich weiter geholfen.

Welche Erfahrung nehmen Sie von Ihrem Aufenthalt in der Luitpoldklinik Heiligenfeld mit? Was war hier anders als dort, wo Sie vorher schon waren?

Zunächst mal hat mir das ganze Therapiekonzept sehr gut gefallen. Diese Mischung aus Entspannung und Anspannung. Auch mit den psychologischen Gesprächen habe ich, anders als mit den Psychologen, bei denen ich im Vorfeld war, sehr gute Erfahrungen gemacht. Ich habe mich im Gespräch mit Dr. Gessler und allgemein bei der ärztlichen Betreuung sehr gut aufgehoben gefühlt. Ich nehme wirklich viel von meinem Aufenthalt in der Klinik mit, fühle mich jetzt körperlich deutlich besser und kann sogar wieder Sport machen. Ich werde jetzt regelmäßiger kochen und auch mehr Obst essen. Außerdem werde ich meinen Zuckerkonsum reduzieren, ich habe auch viel über ungesundes Essen kompensiert. Des Weiteren werde ich gar keinen Alkohol mehr trinken. Oft war schon ein Glas Wein der Auslöser für eine Migräneattacke.

Damit ich nicht in diese Schmerzspirale kommen, werde ich ab jetzt rechtzeitig meine Tabletten nehmen. Das Schmerzgedächtnis kann ich leider nicht löschen, aber ich habe hier Techniken gelernt es zu überschreiben.

Ich habe hier in der Klinik mein Verhalten auf meiner Arbeit reflektiert, ich helfe anderen sehr gerne. Aber die Frage ist ja, ist das für alle Beteiligten günstig. Mir ist das gar nicht so bewusst gewesen, dass jeder auch einen eigenen Weg gehen sollte. Das entlastet mich und gut gemeint bedeutet nicht immer gut gemacht.

Gibt es für Sie, aus der Sicht einer Patientin, noch irgendwo Verbesserungspotential in der Klinik? Haben Sie etwas vermisst?

Nein. Ich war tatsächlich rundum zufrieden. Sei es mit meinem Therapieplan, den Therapeuten, den Ärzten.

Noch eine Frage zu Ihrem Beruf, bzw. ihrem Arbeitgeber. Wissen die Schulleitung und Ihre Kollegen, dass Sie an Migräne leiden

Ja, die Schulleitung weiß von meiner Migräne. Ich habe das offen kommuniziert und habe auch klargestellt, dass ich gerne arbeite, aber es von Zeit zu Zeit einfach nicht geht. Meine Kollegen sind nicht alle darüber informiert, aber die, die mir am nächsten stehen, wissen davon.

Wie viele Krankheitstage haben Sie im Durchschnitt während der Unterrichtszeit?

Aufgrund meiner Migräne bin ich sogar eher selten zuhause geblieben. Ich habe oft Schmerzmittel genommen und bin dann trotzdem auf die Arbeit gegangen, weil ich mir immer gedacht habe: „das schaffst du schon“.

Allerdings hatte ich in den letzten Jahren auch viele OPs an der Schulter, dem Knie, dem Herz und an der Schilddrüse. Aber durch meinen Aufenthalt in der Luitpoldklinik Heiligenfeld wurde ich ja zum Glück vor meiner nächsten Schulter OP bewahrt, da mir hier nicht nur mit meiner Migräne, sondern auch orthopädisch so unglaublich gut weitergeholfen werden konnte.

Herzlichen Dank für das Interview!

Das Interview führte Sabine Nasner, Gesundheitsreferentin der Heiligenfeld Kliniken.

 

Dr. Martin Gessler (Neurologe, spezielle Schmerztherapie) ist ärztlicher Leiter der Abteilung für Stationäre Multimodale Schmerztherapie im interdisziplinären Zentrum der Luitpoldklinik Heiligenfeld. Dr. Gessler ist einer der Schmerzpioniere Deutschlands. Er bekam internationale Preise und Ehrungen und war an der Grundlagen-Forschung zur periduralen Opioid-Schmerztherapie beteiligt.

 

 

 

Stationäre multimodale Schmerztherapie

Immer mehr Menschen leiden unter chronischen Schmerzen. Im Stadium der Chronifizierung hat der Schmerz seine ursprüngliche Schutz-und Warnfunktion verloren. Seit einigen Jahren bieten wir in der Luitpoldklinik Heiligenfeld die stationäre multimodale Schmerztherapie an. Weitere Informationen finden Sie hier.

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Sabine Nasner

Sabine Nasner

Sabine Nasner ist Dipl. Sozialpädagogin (M.A.) und Gesundheitsreferentin in den Heiligenfeld Kliniken.
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