„Sharing is caring“ – über die Großzügigkeit

"Sharing is caring" - über die Großzügigkeit

Aristoteles definierte sie als die goldene Mitte zwischen Verschwendung und Geiz: Die Großzügigkeit. Das maßvolle Mittel von Geben und „Fürsichbehalten“. Etwas, das uns ermöglicht zu schenken, ohne uns dabei zu verausgaben oder auf etwas verzichten zu müssen.

Ein wunderschönes Konzept.

Ein Ideal.

Für viele von uns: Ein Wunschtraum.

Warum uns „Großzügigsein“ so schwer fällt

Manche haben Großzügigkeit nie erfahren, nie richtig gelernt oder sie irgendwann in ihrem Leben verloren. Anstatt sich in Mäßigkeit zu üben, rutschen sie in die Extreme: Geben alles von sich her oder nehmen, was sie kriegen können. Angst ist dabei ein großer Motivator. Sie bringt uns dazu anderen alles zu Füßen zu legen, weil wir fürchten sie sonst zu verlieren. Oder die Angst verleitet uns, an dem, was uns gehört – unserem immateriellen wie auch unserem materiellen Besitz – festzuhalten und gierig immer mehr davon anzuhäufen. Von wegen „sharing is caring“ – „alles meins“ ist viel sicherer! Selbst uns selbst gegenüber sind wir knausrig – beispielsweise wenn es um Lob, Wertschätzung oder Vergebung geht.

Das große Gute und das kleine Böse

Christian Horras, Leitender Kreativtherapeut der Rosengarten Klinik Heiligenfeld, spricht dann von „Kleinzügigkeit“ – dem Gegenteil der Großzügigkeit: „Ich sehe [in einer Haltung der Kleinzügigkeit] in allem anderen nur das Kleine, Verdorbene, Kranke, Böse. Damit will ich dann nichts zu tun haben. Ich verschließe mich und werde selbst immer enger und kleiner. Auch das ist eine Resonanz mit der Welt, die man kultivieren kann.“

Christian Horras, leitender Kreativtherapeut

Großzügigkeit: Eine Win-Win-Situation

Großzügigkeit hingegen „heißt zu wissen, dass auch im Allerkleinsten etwas Großes verborgen ist“, so Horras. „In diesem Wissen kann sich das eigene Herz öffnen und selbst groß werden: Egal was ich dann schenke – ob Zeit, Geld, Liebe oder was auch immer – indem ich es dem anderen in Wertschätzung seiner Größe gebe, ist es für mich selbst kein Verlust. Denn in dieser Haltung der Großzügigkeit nehme ich selbst Anteil an der Größe des anderen. Ich selbst werde reicher, indem ich gebe.“

Was sich verdoppelt, wenn man es teilt

Der bekannte Spruch „Glück ist das Einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt“ kommt bei dieser Erläuterung in den Sinn. Und es fällt auf, dass die alte Weisheit beflissentlich ausspart, was man – um überhaupt zum Teilen in der Lage zu sein – in sich tragen muss: Großzügigkeit.

Wahl und Wahrnehmung

Christian Horras glaubt wir haben die Wahl und können uns ganz bewusst dazu entscheiden eine Haltung der Großzügigkeit einzunehmen: „Ein alter Weisheitsspruch heißt: Wir sehen die Dinge nicht wie sie sind, sondern so wie wir sind.“

Seien wir also großzügiger mit anderen – und mit uns selbst.

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