Suizidprävention: Warum der September einem Tabuthema gewidmet ist

Suizidprävention:  Warum der September einem Tabuthema gewidmet ist
Es ist kein Thema, über das man gerne Vermutungen anstellt, dennoch möchte ich Sie heute bitten sich folgende Frage zu stellen: Was glauben Sie, wodurch sterben in Deutschland mehr Menschen? Durch Verkehrsunfälle? Durch Gewalttaten? Durch Drogenmissbrauch? Durch AIDS? Welche Antwort erscheint Ihnen am plausibelsten?
Die Wahrheit ist: Keine dieser Antworten ist richtig. Die Wahrheit ist: Es gibt eine Sache, die in Deutschland jedes Jahr mehr Menschen tötet als Verkehrsunfälle, Gewalttaten, illegale Drogen und AIDS zusammengenommen: Suizid.

 

Jeder zehnte findet keine Hilfe

Jedes Jahr töten in Deutschland über 10.000 Menschen sich selbst. Mehr als 70 Prozent dieser Menschen sind männlich. Das Durchschnittsalter beträgt 57 Jahre. Diesen Selbsttötungen stehen mehr als 100.000 Suizidversuche gegenüber. Die meisten Selbstmordversuche werden von jungen Frauen unternommen und – zum Glück – verhindert.

Dennoch: Jeder zehnte Selbstmordgefährdete findet keine Hilfe. Jeder zehnte wird nicht davon abgehalten sich selbst etwas anzutun. Und die Dunkelziffer ist vermutlich noch weitaus größer! Strittige Todesfälle, vermeintliche „Unfälle“ – oft kann ein Selbstmord oder ein Suizidversuch nicht zweifelsfrei ausgeschlossen werden.

Schweigen bringt nichts

Selbstmord ist ein Tabuthema. Ein Thema, über das man nicht redet, weil es schwierig und traurig ist. Ein Thema, das für viele mit Angst und Scham behaftet ist. Aber das Schweigen bringt nichts! Über Suizid zu schweigen bedeutet, dass man den Tod verzweifelter Menschen tatenlos hinnimmt.

Suizidprävention kann viele Leben retten

Der September ist internationaler Suizidpräventionsmonat. In diesen Tagen und Wochen sollen Menschen für das Thema Suizid sensibilisiert werden. Es geht nicht darum eine „gefährliche Saat“ in die Köpfe der Menschen zu pflanzen und sie dazu zu bringen über ihren eigenen Selbstmord nachzudenken. Es geht darum vielen Menschen – Hunderttausenden alleine in Deutschland – zu helfen. Es geht darum das Thema in die Mitte der Gesellschaft zu tragen, wo es insgeheim – versteckt und hinter vorgehaltener Hand – längst angekommen ist.

Suizidgedanken ernstnehmen

Das Thema Suizid darf nicht verschwiegen oder ignoriert werden. Es muss ernstgenommen werden, ebenso wie jeder Mensch, der Suizidgedanken äußert. Zu sagen „Der/die meint es ja nicht ernst!“ oder „Der/die will nur Aufmerksamkeit!“ ist falsch, völlig falsch, und sehr sehr gefährlich. In Fachkreisen – also unter Suizidforschern, Medizinern und Therapeuten –  unterscheidet man nicht zwischen „ernsthaften“ oder „nicht ernsthaften“ Suizidversuchen. Jede Äußerung von Suizidabsichten ist ein verzweifelter Hilferuf. Jede Äußerung könnte ein Abschied für immer sein.

Es kann jeden treffen

Suizidgedanken können jeden treffen! Sie lassen sich nicht an eine einzige, bestimmte Lebenssituation, eine spezielle Krankheit oder psychische Störung knüpfen. Suizidgedanken treten in den unterschiedlichsten Konstellationen auf.

Statistisch gesehen erhöht jede psychische Erkrankung das Suizidrisiko eines Menschen. Einen traurigen Spitzenplatz nimmt dabei die Depression ein. Forscher gehen davon aus, dass bei Depressiven – gegenüber anderen psychisch Kranken – die Gefahr sich selbst zu töten um mehr als 90 Prozent erhöht ist. Diese Zahl schockiert, sie macht einem richtig Angst, denn: Schätzungen zufolge leiden mehr als 5,3 Millionen Menschen in Deutschland an einer Depression. Rund jeder Fünfzehnte ist also davon betroffen. Rund jeder Fünfzehnte könnte Suizidgedanken entwickeln.

Depression – ein gefährlicher Begleiter

Woran erkennt man ob man selbst oder jemand aus dem persönlichen Umfeld in eine Depression gerät? Wann und wie entstehen Selbstmordgedanken bei Depressiven? Und gibt es eine Möglichkeit Suizidtendenzen zu stoppen bevor sie überhaupt Form annehmen? Hauptsymptome einer Depression sind ein verminderter Antrieb, Interesse- oder Freudlosigkeit sowie eine gedrückte Grundstimmung. Dazu kommen dann weitere Zusatzsymptome, Suizidgedanken zu entwickeln kann eines davon sein. Umso wichtiger ist es eine Depression frühzeitig zu erkennen und zu behandeln!

Aufmerksamkeit und Präsenz

Bleiben Sie aufmerksam und präsent! Wenn Sie den Eindruck haben, dass jemand in Ihrem persönlichen Umfeld Suizidgedanken haben könnte, dann überlassen sie diese Person nicht sich selbst. Damit ist nicht gemeint, dass Sie mit der Tür ins Haus fallen und ihren Freund oder ihr Familienmitglied nach konkreten Selbstmordabsichten fragen sollten. Stattdessen schenken Sie der Person Ihre Zeit, ein offenes Ohr und lassen Sie sie wissen, dass sie Ihnen viel bedeutet.

Hilfe – für Betroffene und Angehörige

Informieren Sie sich über Beratungs- und Hilfsangebote! Eines der bekanntesten Angebote ist die Telefonseelsorge, die rund um die Uhr erreichbar ist. Auch Sie selbst können dieses Angebot nutzen! Unabhängig davon, ob es Ihnen persönlich schlecht geht, Sie sich um jemanden sorgen oder bereits jemanden durch Suizid verloren haben. – Sie dürfen und Sie sollen sich darüber austauschen! Sie sind nicht alleine mit Ihrem Kummer!

 

Wenn Sie Selbstmordgedanken haben oder jemand, der Ihnen nahe steht,

Selbstmordabsichten äußert, dann greifen Sie sofort zum Telefon!

Die Telefonseelsorge ist jederzeit unter den folgenden Rufnummern erreichbar:

0800/111 0 111

0800/111 0 222

116 123

Ihr Anruf ist kostenfrei.

 

Ängste nehmen – Respekt und Verständnis schenken

Wenn wir als Gesellschaft suizidgefährdeten Menschen keine Möglichkeit zugestehen sich mitzuteilen, wenn wir ihnen nicht mit Respekt, Aufmerksamkeit und Mitgefühl begegnen, verschlimmern wir das Problem. Menschen mit Selbstmordabsichten fürchten sich häufig davor, sich anderen anzuvertrauen. Sie befürchten nicht ernstgenommen zu werden, ihre sozialen Kontakte zu verlieren, als „verrückt“ oder „gestört“ abgestempelt zu werden. Auch die Furcht, gegen ihren Willen in eine Klinik oder „Anstalt“ gesteckt zu werden, ist groß. Diese Ängste müssen wir als Gemeinschaft betroffenen Menschen nehmen, indem wir ihnen mit Verständnis und Hilfsangeboten begegnen.

Was jetzt zu tun ist

Behandlungsangebote, die Suizidgefährdeten auch ohne größere bürokratische Hürden verfügbar gemacht werden, wären auf politischer Ebene ein guter Schritt. Fortbildungen von Behandlern wie Medizinern und Therapeuten sind enorm wichtig, damit Suizidabsichten frühzeitig erkannt werden können. Aber auch jeder Einzelne von uns kann etwas tun, um ein gesellschaftliches Klima zu schaffen, in dem sich Menschen mit Selbstmordgedanken aufgehoben und verstanden fühlen.

Mut und Unterstützung

Machen Sie Mut! Es ist schwierig einen Menschen, der nicht mehr leben möchte, vom Gegenteil zu überzeugen. Es ist okay, wenn Sie damit an Ihre Grenzen stoßen. Es gibt Profis, Therapeuten, die darauf spezialisiert sind, Menschen mit diesen Gedanken zu behandeln. Ermutigen Sie Betroffene sich professionelle Hilfe zu suchen! Unterstützen Sie Ihnen nahestehende Personen bei der Suche nach dem richtigen Behandlungsangebot. Dadurch zeigen Sie ihrem Freund oder Familienmitglied, dass Sie da sind und dass Sie zu ihm oder ihr halten, auch wenn die Zeiten schlecht sind.

Präventiv handeln – Frühzeitig behandeln

Die Heiligenfeld Kliniken möchten Menschen in schweren Lebenssituationen helfen. Wir sind auf die ganzheitliche Behandlung depressiver Erkrankungen spezialisiert. Dabei orientieren wir uns einerseits an den aktuellen medizinischen Leitlinien zur Therapie, gleichzeitig berücksichtigen wir die individuellen Bedürfnisse und Lebensgeschichte unserer Patienten. Kontaktieren Sie uns und finden Sie heraus, ob ein Aufenthalt in einem unserer Häuser für Sie oder jemanden aus ihrem persönlichen Umfeld möglich ist.

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Heike Edelmann-Lang

Heike Edelmann-Lang arbeitet als Content Marketing Managerin für die Heiligenfeld Kliniken. Sie schreibt für den Blog und produziert Podcasts.

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