Tag der Stille in Heiligenfeld

Heute ist in Heiligenfeld der sogenannte „Tag der Stille“. Das bedeutet, dass alle Patienten von morgens bis abends nicht sprechen. In Notfällen dürfen sie das natürlich. Warum das Ganze? Weil wir in unserer heutigen Welt immer mit Umwelt- und Umgebungsgeräuschen beschäftigt sind und so gut wie nie auf unsere innere Stimme hören. Die Stille ist – und das vor allem im therapeutischen Prozess – etwas ganz kostbares. Sie erlaubt uns, einmal nach Innen zu schauen, unsere eigenen Gefühle wahrzunehmen. In manchen Fällen kommen im Schweigen Dinge hoch, die wir verdrängen und in der Hektik des Alltags nie zulassen. Neben den Patienten schweigen auch die Therapeuten und Mitarbeiter, wenn sie sich in den Kliniken bewegen. In der Verwaltung ist ein reines Schweigen über den ganzen Tag kaum möglich. Man stelle sich nur mal vor, es klingelt das Telefon und niemand geht hin. 🙂

Damit aber auch alle nicht-therapeutischen Mitarbeiter von der Stille profitieren, wurde der „Tag der Stille“ für die Mitarbeiter in „Tag der Achtsamkeit“ umbenannt. An diesem Tag, der alle drei Monate stattfindet, nehmen morgens alle  Mitarbeiter, die zu der Zeit abkömmlich sind, an einer Großgruppenveranstaltung teil. Heute hatte auch für uns diese Veranstaltung etwas mit Stille zu tun, denn es ging um Stillwerden und Meditation. Wir wurden im Vorfeld darum gebeten, nicht nur den Weg in den Heiligenfeld Saal schweigsam zu begehen, sondern auch im Heiligenfeld Saal nicht miteinander zu sprechen. Das war eine ganz schöne Herausforderung, wenn über 200 Personen plötzlich aufeinander treffen. Ich persönlich habe den Tag der Stille ja schon öfter miterlebt. Für einige Kolleginnen und Kollegen war es das erste Mal. Deshalb habe ich unsere Praktikantin Franziska Möller einmal gebeten, ihre Erfahrungen aufzuschreiben, die wir folgend mit Ihnen teilen möchten. Vielleicht regt es ja den ein oder anderen an, auch mal selbst innezuhalten und die Stille zu genießen.

 

Meine Erfahrungen am Tag der Stille und Achtsamkeit

Franziska Möller

Um neun Uhr haben sich alle Mitarbeiter, die Zeit hatten, auf den Weg zum Heiligenfeld Saal der Parkklinik gemacht. Der Gang dorthin verlief überwiegend still oder nur mit ganz leisem Sprechen. Im Saal angekommen, suchte sich jeder Mitarbeiter einen Platz. Nachdem auch die letzten angekommen waren, begann Dorothea Galuska mit einer kurzen Einführung. Sie zitierte einen Musiker zum Thema Stille. Im Anschluss erklärte sie allen Beteiligten die Meditation, den richtigen Sitz, die richtige Haltung des Rückens, der Hände und den Stand der Füße. Es war eine ganz neue Erfahrung für mich, die sehr interessant war. In einer 15-minütigen Meditationsphase hatte ich die Möglichkeit, auf mein Inneres zu hören, den eigenen Körper zu fühlen, meinen Atem wahrzunehmen und auch alle anderen Dinge wahrzunehmen, die mich von meiner Stille ablenken. Das war das Husten anderer Teilnehmer, oder auch das Knarren des Stuhles eines anderen, oder das Ein- und Ausatmen des Nachbarn. Diese 15 Minuten kamen mir lange vor, vielleicht aus dem Grund, weil es für mich noch neu war, oder weil ich meine Stille noch nicht gefunden habe. Ich bemerkte, dass es auch anderen schwer fiel, still zu sein. Still sein und eine innere Ruhe zu finden ist gar nicht so einfach. Eine weitere positive Erfahrung war es, zu sehen, dass nicht nur die Mitarbeiter aus Bad Kissingen an diesem Vortrag teilnehmen konnten, sondern auch die Mitarbeiter aus Waldmünchen per Videokonferenz. So konnten alle gemeinsam den Tag beginnen.

 

2 Kommentare


  1. Ich habe im Herbst 2010 in der Parkklinik einen „Tag der Stille“ erlebt. Ich war erst skeptisch , aber ich habe kostbare Momente mit mir erlebt und habe ein „Kraftbild“ gemalt, das heute in meinem Schlafzimmer hängt. Es war ein wundervoller Tag , den ich jederzeit wiederholen möchte. Ich war neidisch, dass ich dieses Jahr nicht dabeisein konnte, so wie ich die Zeit in Heiligenfeld auch gern wieder erleben möchte……die Stille fehlt mir so sehr!
    Liebe Grüße
    Moni

    Antworten

    1. Liebe Moni,
      vielen Dank für Ihren Kommentar. Ja, der Tag der Stille ist immer ein besonderes Ereignis. Er gibt den Menschen einmal die Möglichkeit, auf sich und ihr Innerstes zu hören. Manchmal kommen da ganz ungeahnte Gefühle in einem hoch, die auch Angst machen können. Aber im Grunde ist auch das eine wertvolle Erfahrung. Vielleicht können Sie sich ja für sich selbst kleine Momente der Stille schaffen. Manchmal hilft es schon, einfach mal fünf Minuten innezuhalten und den Atem zu beobachten. Probieren Sie es aus. Ich bin auf Ihre Erfahrungen gespannt.
      Liebe Grüße aus Bad Kissingen
      Ihre Kathrin Schmitt

      Antworten

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