Therapien in Heiligenfeld – Interview mit Lara Pietzko

Lara Pietzko, Leiterin der Kreativtherapien in Heiligenfeld

Körpertherapie, Musiktherapie, Kreativtherapie, Tanztherapie, Psychotherapie … All diese Begriffe begegnen einem, wenn man sich mit der Behandlung von psychosomatischen Erkrankungen auseinander setzt. Doch was versteht man eigentlich darunter? Um ein bisschen Licht ins Dunkel der verschiedenen Therapieansätze zu bekommen, habe ich mich einmal mit Lara Pietzko unterhalten, die mir die Therapien in Heiligenfeld erklärt hat. Sie ist die Leiterin der Kreativtherapie, die nicht nur den verschiedensten Therapeuten vorsteht, sondern auch selber noch Therapiegruppen begleitet.

Wie unterscheiden sich Kreativ- und Körpertherapie?

Die Heiligenfeld Kliniken benutzen den Begriff Kreativtherapie als Oberbegriff für die verschiedenen Therapieformen der Körpertherapie, der Musik- und der Kunsttherapie. Zur Körpertherapie gehören zum Beispiel in Heiligenfeld die Aggressionsgruppe, die Tanztherapie, die Atemgruppe und die Rhythmustherapie. Bei der Kunsttherapie arbeiten wir mit der Mal- und der Gestalttherapie.

Weshalb verbindet man in Heiligenfeld die Kreativtherapie mit der „Schulpsychologie“?

In der Medizin ist es so, dass die sogenannten Richtlinienverfahren wie Psychoanalyse, Tiefenpsychologische Psychotherapie und die Verhaltenstherapie von den Krankenkassen anerkannt sind. Unserer Erfahrung nach, ist eine reine Behandlung nach den Richtlinienverfahren aber nicht so effektiv, wie der integrative Ansatz, den wir in Heiligenfeld vertreten. Wir sind davon überzeugt, dass z. B. die Kreativtherapie neue Kanäle öffnen kann und noch mal einen anderen Zugang zu den eigenen Gefühlen zulässt. Wir arbeiten natürlich auch mit den schulmedizinischen Therapieformen, ergänzen sie aber mit der Kreativtherapie. Zum Beispiel besitzen unsere Therapeuten in den Kerngruppen immer auch eine „normale“ Ausbildung und können die Richtlinienverfahren in der Therapie anwenden. Für uns hier in Heiligenfeld gilt eindeutig der Grundsatz: „Nicht: Entweder oder! Sondern: Sowohl als auch!“

Wie muss man sich die Körper-, Kunst- und Musiktherapie vorstellen?

Die Therapien sind sehr vielschichtig und werden falls möglich individuell ausgerichtet. Nun kann man sich aber auch nicht willkürlich eine Therapie-Gruppe auswählen. So würde man einen Neurotiker, der feste Strukturen besitzt, nicht in eine strukturbildende Kunst-Gruppe verweisen, sondern eher in eine Gruppe, die die Gefühle aus mobilisiert. Für Menschen, die z. B. in einer festen Struktur wie gefangen sind, kann die Atemgruppe mit dem holotropen Atmen sehr befreiend sein, da biochemische Prozesse im Gehirn freigesetzt werden. Man atmet bei dieser Form  so lange schnell ein und aus, bis man in eine Art Hyperventilation gerät. Das Ziel dieser Technik ist die Bearbeitung und Integration bislang unzureichend integrierter Persönlichkeitsanteile und eine Hinbewegung auf Ganzheit. Holotropes Atmen zählt zur Transpersonalen Psychotherapie. Das Gegenteil dazu ist z. B. die Rhythmustherapie. Diese ist vor allem für Menschen mit wenig Struktur geeignet, wie z. B. Patienten mit Borderline-Störungen, da diese durch den Rhythmus und die Musik wieder lernen, selbst im Rhythmus zu sein.

Welche Besonderheiten haben die Therapieformen?

Grundsätzlich teilen wir die Therapieformen in strukturbildende und aufdeckende Therapiegruppen ein. Die strukturbildenden Zweige versuchen den Patienten die Wichtigkeit einer Lebensstruktur nahe zu bringen sowie die Übertragung jener in den Alltag. Aufdeckende Zweige wiederrum versuchen strukturbehafteten Menschen eine Lockerheit zu vermittelten, damit sie aus sich selbst herauskommen.

In der Kunsttherapie ist der aufdeckende Zweig zum Beispiel das Ausdrucksmalen. Hierbei wird großflächig eine riesige Leinwand bemalt, nachdem die Malenden eine Themenvorgabe erhalten haben. Lautet das Thema Wut, Kraft oder Hoffnung, wählen die Patienten eine Farbe und malen darauf los. So können Depressive, die stark in sich gekehrt sind, ihren Gefühlen freien Lauf lassen. Sie äußern lange verborgene Emotionen, die in mehreren Sitzungen sicherlich nachbesprochen werden müssen, wie allerdings bei jeder anderen Therapie auch. Man darf die Menschen mit den „neuen alten“ Gefühlen nicht alleine lassen.

Strukturbildende Maßnahmen können im Umgang mit kreativen Medien durchgeführt werden. Hier können die Gruppenmitglieder über mehrere Wochen mit Lehm, Speckstein oder anderen Materialien arbeiten, die Zeit und Geduld erfordern. Das intensive Auseinandersetzen mit einem Gegenstand ermöglicht den Aufbau einer inneren Struktur, die für die Alltagsbewältigung wichtig ist.

Was ist z. B. die Aggressionstherapie?

In der Körpertherapie ist die Aggressionstherapie strukturbildend, auch wenn viele erst einmal davon ausgehen, dass sie eher aufdeckend sei, da herumgeschrien, mit Stöcken gekämpft und es allgemein sehr lebendig in ihr ist. Doch diese Lebendigkeit dient der Kontrolle der Aggressionen. In Form von „Schwert“-Kämpfen als Rollenspiel und verschiedenen Grenzübungen versucht diese Therapie dem Gruppenmitglied eine unbekannte Situation näher zu bringen und Grenzen deutlich zu machen. Die Arbeit in der Aggressionsgruppe fördert die eigene natürliche Lebenskraft.

Und bei der Musiktherapie?

Da bieten wir auch wieder strukturbildende und aufdeckende Therapien an. Durch das rhythmische Tanzen kann man bei der Taketina-Therapie über jenen Rhythmus zur alltäglichen Struktur finden. Die Taketina-Gruppe ist bei uns sehr begehrt, weil sie eben auch so erfolgreich ist, vor allem hier gibt es sehr gute Heilungschancen.

Ein Pendant dazu ist in den Heiligenfeld Kliniken das Singen im Chor und die Gruppe „Heilkraft der Stimme“. Durch die Wahrnehmung der verschiedenen Stimmen und indem die eigene Stimme im Gesang der Gemeinschaft aufgeht , lässt man auf eine gewisse Weise los. Neben dem Gefühl von Verbundenheit können sich angestaute Gefühle lösen und ein heilsamer Prozess kann in Gang gesetzt werden. Die Seele wird dementsprechend berührt.

Vielen Dank für das Interview, Frau Pietzko!

Mehr zum Therapiekonzept sowie ein paar Filme können Sie auf der Internetseite der Heiligenfeld Kliniken unter Therapiekonzept erfahren.

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Kathrin Schmitt

Kathrin Schmitt

Kathrin Schmitt ist Kommunikationsmanagerin und seit 2009 bei den Heiligenfeld Kliniken unter anderem für den HeiligenfeldBLOG verantwortlich. Schreiben gehört zu ihren größten Leidenschaften.

3 Kommentare


  1. Sehr geehrte Frau Schmitt,
    ich verfolge den Heiligenfeld-Blog nun schon eine ganze Weile und ich wollte Ihnen mal sagen, dass er mir sehr gut gefällt! Sie schreiben sehr abwechslungsreich und die Themenauswahl finde ich besonders gut. Weiter so!

    Viele Grüße
    Mareike L.

    Antworten
    1. Kathrin Schmitt

      Guten Tag Mareike,
      vielen lieben Dank für Ihren netten Kommentar! Es freut uns sehr, wenn Ihnen unser Blog gefällt. Wir bemühen uns sehr, dass er einen Mehrwert für Sie als Leser bietet.
      Ich freue mich, wenn Sie uns weiterhin aktiv verfolgen.
      Liebe Grüße
      Kathrin Schmitt

      P.S. Kennen Sie auch schon unsere Profile auf Facebook https://www.facebook.com/heiligenfeld und auf Twitter https://www.twitter.com/heiligenfeld ?

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