Wenn das Leben schwer wird – Behandlung von Adipositas

Fotolia_43648027_oliavlasenkoNeben der Tierbegleiteten Therapie wurde in der Parkklinik Heiligenfeld noch ein weiteres neues Behandlungskonzept aufgenommen. Stark übergewichtige –  in der Fachsprache adipöse –  Patienten, deren Übergewicht psychosomatisch bedingt ist, können ab sofort auch in der Parkklinik Heiligenfeld aufgenommen werden. Bisher war das nur in der psychosomatischen Rehaklinik, der Rosengarten Klinik Heiligenfeld, möglich.

Übergewicht und Adipositas haben sich in den letzten Jahren zu einer Art Volkskrankheit entwickelt. Laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts ist über die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland übergewichtig, fast ein Viertel sogar adipös.  Von Adipositas spricht man, wenn der Body-Mass-Index (BMI) über dem Wert 30 liegt.

Birgit Winzek, Pflegedirektorin der Heiligenfeld Kliniken und Diätassistentin Katharina Pravlovsky erklärten mir im Interview das Behandlungskonzept.

Wie sieht die Therapie in den Heiligenfeld Kliniken genau aus?

B. Winzek: Die Therapie von adipösen Patienten richtet sich nach einem ganzheitlichen Konzept. Die Patienten nehmen an den therapeutischen Angeboten wie z. B. der Gruppentherapie in der Kerngruppe teil. Darüber hinaus beschäftigen sie sich viel mit ihrem Körper in der Körpertherapie. Dort lernen sie z. B., sich richtig wahrzunehmen.

K. Pravlovsky: Zusätzlich zu den therapeutischen Angeboten arbeiten wir mit den Patienten in unserer Lehrküche. Dort zeigen wir ihnen, wie man in kurzer Zeit eine zwei Gänge-Menü kochen kann, das schmeckt und gesund ist. So erleben die Patienten, dass man in der Zeit, in der man auf den Pizza-Lieferservice wartet, auch schnell etwas Gesundes kochen kann. Oft denken adipöse Menschen, dass gesundes Kochen sehr aufwändig ist. Und das ist es definitiv nicht.

Welche Inhalte werden noch in der Therapie angeboten?

B. Winzek: Wir versuchen in der Therapie herauszufinden, warum der Einzelne so viel isst. Die Ursachen sind meistens in der Psyche der Patienten zu finden. Ist man erschöpft und depressiv, will man etwas mit Essen kompensieren oder ist man einfach nur gelangweilt, weil man keinen Kontakt hat. Die Ursache muss erkannt und bearbeitet werden, sonst fällt man nach dem Klinikaufenthalt wieder in alte Muster. Wir helfen den Patienten dabei, sich besser kennenzulernen, sich ernst zu nehmen und auch selbst wieder aktiv zu werden.

K. Pravlovsky: Das erste Wochenende ist immer ein Entschlackungswochenende, um sich zu reinigen. Außerdem werden ein Mal pro Woche das Gewicht kontrolliert und die Körpermaße abgenommen. Viele Patienten haben davor Angst, aber in der Praxis ist das wirklich gut, denn die Erfolge machen Mut und motivieren, dabei zu bleiben. Außerdem bieten wir eine Esstischbegleitung an und arbeiten viel mit Bewegung. Jeder Adipositas-Patient nimmt an einem individuellen Sportprogramm teil. Je nachdem, was für den Einzelnen das Richtige ist. Das reicht von sanftem Walken bis hin zu Wassergymnastik und Entspannungsübungen. Auch nach dem Klinikaufenthalt bleiben wir in Kontakt mit unseren Patienten. Sie können sich jederzeit an uns wenden, wenn Fragen oder Probleme auftreten.

Wer kommt zu Ihnen in die Parkklinik Heiligenfeld, um sich wegen Adipositas behandeln zu lassen?

B. Winzek: In der Regel ist Adipositas die Zweitdiagnose. Die Patienten kommen z. B. mit einer Depression oder Angsterkrankung, deren Folge das Übergewicht ist. Hierbei gibt es unterschiedliche Ausprägungen. Der eine Depressive hat keinen Appetit und nimmt Gewicht ab, der Andere isst aus Frust, bewegt sich wenig und nimmt stark zu. Hier geht es dann darum, das Körpergefühl zu stärken, wieder ein Sättigungsgefühl zu entwickeln und eine gesunde Einstellung zum Essen zu bekommen. Wir sehen das Übergewicht ganzheitlich und nicht losgelöst von der psychischen Erkrankungen. Denn diese bedingen sich gegenseitig.

Literaturtipp:

Abnehmen+durch+AchtsamkeitJochen Auer ist Psychologe in den Heiligenfeld Kliniken. Seit Jahren beschäftigt er sich mit dem Thema „Übergewicht und Achtsamkeit“. Deshalb hat er im GU-Verlag ein Buch mit dem Titel „Abnehmen durch Achtsamkeit“ geschrieben. Nicht nur, was wir essen, entscheidet über unser (Über-) Gewicht, sondern vor allem auch, wie wir essen. Nur, wer sich bewusst mit seinen Ernährungsverhalten auseinandersetzt und seine Essentscheidungen eigenverantwortlich trifft, kann sein Gewicht langfristig reduzieren und ein gesünderes Leben führen. Die Kraft der Achtsamkeit hilft, unbewusste Entscheidungen und eingeschliffene Verhaltensweisen aufzudecken und zu durchbrechen: Das 8-Schritte-Programm, bestehend aus Meditations-, Atem- und Achtsamkeitsübungen, die auf der Mediations-CD begleitet werden, stärkt die Wahrnehmung von Empfindungen und Bedürfnissen, hilft, zwischen Hunger- und Sättigungsgefühl zu unterscheiden und die richtige Entscheidung über das Essverhalten zu treffen.

Ihnen gefällt dieser Beitrag? Dann freuen wir uns über eine Empfehlung in Ihr soziales Netzwerk!

The following two tabs change content below.
Kathrin Schmitt

Kathrin Schmitt

Kathrin Schmitt ist Kommunikationsmanagerin und seit 2009 bei den Heiligenfeld Kliniken unter anderem für den HeiligenfeldBLOG verantwortlich. Schreiben gehört zu ihren größten Leidenschaften.

2 Kommentare


  1. Hallo,
    ich habe dieses Therapiekonzept damals in der Rosengarten Klinik mitgemacht und bin begeistert! Zuvor hatte ich schon verschiedene Abnehmversuche gestartet, allerdings immer ohne Erfolg. Tja, die Ursache wurde ja auch nie mitbehandelt. Ich habe in der Rosengarten Klinik bereits 12 Kilo verloren und Zuhause dann noch mal 15. Es hat sich also gelohnt.

    Viele Grüße
    Gerald

    Antworten

  2. Vielen Dank für diese Information! Ich habe richtig Lust bekommen, mit Achtsamkeit meinem Körper zu begegnen und ihn als den Tempel wahrzunehmen (und zu behandeln!) der er ist.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.