Wenn Erlebnisse zum Trauma werden

Ein schreckliches Erlebnis oder hunderte von prägenden Situationen z. B. am eigenen Arbeitsplatz. Beides kann Menschen in ihrem Handeln und Denken einschränken und bis hin zu einer Traumatisierung führen.
Ein Trauma wird durch ein einschneidendes Ereignis oder mehrere fortdauernde Erlebnisse hervorgerufen. Diese prägenden Erfahrungen überfordern manchmal die Verarbeitungsmechanismen der Psyche und führen zu einem psychischen Notstand. In extremen Stresssituationen wie z. B. einem Überfall geht die Psyche in eine Schutzreaktion über, wenn die normalen menschlichen Reaktionen Flucht oder Kampf nicht möglich sind und die Situation ausgehalten werden muss. Die Energie wird „eingefroren“, was bei einer unzureichenden Verarbeitung zu einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) führen kann.
Berufliche Traumatisierung
Eines der häufigsten Traumata entsteht besonders bei Frauen durch sexuelle Gewalt in ihrem Leben. Doch auch im beruflichen Alltag können sie traumatisierenden Ereignissen ausgesetzt sein. Dies ist vor allem bei Frauen in vermeintlichen Männerberufen wie Soldatinnen oder Polizistinnen der Fall. Neben der alltäglichen Herausforderung solcher Berufe kommt ihnen oft noch die Ablehnung der Männer entgegen, die aus falschem Tradtitonsverständnis der Überzeugung sind, dass Frauen nicht in diese Berufe gehören. Durch den häufigen Einsatz in Krisenregionen sind oftmals Soldaten und Soldatinnen mit der Verarbeitung der Erlebnisse überfordert und können diese nicht richtig verarbeiten. Wenn sie z. B. einen lauten Knall hören, denken sie an Bomben, Verletzte, vielleicht auch an Tote und reagieren manchmal, wie sie in der Krisensituation gehandelt hätten. Eine solche direkte Traumatisierung, ausgelöst durch ein einzelnes Ereignis, können auch Bankangestellte erleben, wenn sie Opfer eines Überfalls werden. Auch Feuerwehrmänner- und frauen oder Rettungssanitäter sind häufig traumatisierenden Erlebnissen ausgesetzt. Das ständige Leid anderer Menschen zu sehen, die verletzt oder sogar tot sind, kann tiefe Spuren hinterlassen und zu einer posttraumatischen Belastungsstörung führen.
Neben den beruflichen Faktoren gibt es noch weitere mögliche Ursachen, die für eine PTBS verantwortlich sein können.

  • sexueller Missbrauch, Vergewaltigung
  • körperliche Gewalt, Folter, Gefangenschaft
  • Krieg
  • Terroranschlag
  • Naturkatastrophen
  • Unfälle
  • die belastende Diagnose einer ernst zunehmenden Erkrankung
Auch Augenzeugen, die nicht unmittelbar in das Geschehen involviert sind, können in der Folge eine posttraumatische Belastungsstörung entwickeln.
 Licht im Wald
Zurück ins Leben
Um die Auswirkungen einer Posttraumatischen Belastungsstörung zu lindern, ist es sehr wichtig, dass sich die betroffene Person eingesteht, dass sie die Situation nicht mehr alleine verarbeiten kann. Denn haben sich die Verhaltensstrukturen einmal manifestiert, können sie durch Kognition nicht mehr oder nicht mehr ausreichend beeinflusst werden. Für Personen mit einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) ist eine frühzeitige Diagnose sehr wichtig. Je früher eine Therapie erfolgt, desto eher kann verhindert werden, dass die Beschwerden chronisch werden.
Symptome für eine Belastungsstörung sind das Gefühl hilflos und wie fremd gesteuert zu sein, ein Rückzug aus dem sozialen Leben und unangemessene Reaktionen, die durch Erinnerungen (Trigger) an das traumatische Erlebnis ausgelöst werden. Auch Schlafstörungen mit Alpträumen, Schreckhaftigkeit und ein starkes Vermeidungsverhalten in Bezug auf belastende Situationen können Anzeichen für eine Erkrankung sein. Die Körpertherapeutin Helga Köhler und der Sozialpädagoge Roland Winter behandeln in den Heiligenfeld Kliniken unter anderem Menschen mit Traumatisierung. In der Therapie erachten sie in der Behandlung von Belastungsstörungen als wichtig, dass die Situation als solche verstanden wird. Die Patienten werden während der sog. Psychoedukation darüber informiert, was genau in ihrem Körper passiert. Traumatisierte Menschen ziehen sich häufig von ihrem Umfeld zurück, weshalb im zweiten Schritt die Gruppentherapien der Heiligenfeld Kliniken als besonders heilsam empfunden werden. Die Patienten lernen andere Betroffene kennen, die die gleichen oder ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Außerdem ist es wichtig, dass sich die Patienten über ihre eigene Ich-Struktur bewusst werden und sich fragen, was habe ich in meinem Leben über den Umgang mit Stress gelernt, was habe ich vermisst? Diese Fragen helfen häufig beim Verstehen der eigenen Verhaltens- und Verarbeitungsmuster. Im letzten Schritt werden Patienten in den Heiligenfeld Kliniken durch eine umfassende Sozialarbeit betreut. Dies bedeutet, dass zusammen mit den Betroffenen geklärt wird, wie z. B. der zukünftige Arbeitsplatz beschaffen sein muss, damit er nicht mehr traumatisierend wirkt. Das Ziel der Therapie in den Heiligenfeld Kliniken ist es, den Betroffenen zu ermöglichen, ihre vollständige Handlungsfähigkeit wieder zu erlangen. Wird eine Traumatisierung frühzeitig erkannt, ist sie auch gut behandelbar.

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Kathrin Schmitt

Kathrin Schmitt

Kathrin Schmitt ist Kommunikationsmanagerin und seit 2009 bei den Heiligenfeld Kliniken unter anderem für den HeiligenfeldBLOG verantwortlich. Schreiben gehört zu ihren größten Leidenschaften.

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