Wie kann man seine Lebensenergie wiederfinden

Wie kann man seine Lebensenergie wiederfinden

„Lebensenergie und Aggression“: So heißt eine Therapiegruppe in der Parkklinik Heiligenfeld. Im ersten Moment könnte man meinen, dass Menschen, die aggressiv sind, an dieser Gruppe teilnehmen. Jedoch ist das Gegenteil der Fall. Helga Köhler, Kreativtherapeutin in den Heiligenfeld Kliniken, erklärt im Interview, warum die Begriffe so gut zusammenpassen und welchen Effekt die Gruppe auf die Patienten hat.

Helga Köhler
Helga Köhler

Frau Köhler, was kann man sich unter der Gruppe „Lebensenergie und Aggression“ vorstellen?

Im Titel der Therapiegruppe liegen schon die zwei zentralen Themen der Gruppe. Wir wollen blockierte Lebensenergie freisetzen und wieder in den Fluss bringen. Unter Aggression verstehen wir hier die Ableitung vom lateinischen Begriff aggresio, die nicht immer unbedingt nur Angriff bedeutet, sondern auch etwas in Angriff nehmen, voranschreiten. In der Therapie verstehen wir das Wort so, dass wir unsere Patienten dabei unterstützen wollen, sich für sich selbst einzusetzen und sich abzugrenzen. Damit die Energie fließen kann, ist es wichtig, sich zu erden, den Boden unter den Füßen zu spüren, damit die Energie fließen kann.

Für wen ist die Therapiegruppe geeignet?

Hauptsächlich kommen Patienten in diese Gruppe, die eher aggressionsgehemmt sind und sich nicht abgrenzen können. Das kann verschiedene Ursachen haben, wie etwa, dass man es nie gelernt hat, oder mit Liebesentzug bestraft wurde, wenn man sich gezeigt-, für sich eingesetzt hat oder sich abgrenzen wollte. In unserer Gesellschaft ist Nein-Sagen nicht wirklich chic, man gilt als unkooperativ oder egoistisch. So kann es auch sein, dass wir negative Konsequenzen in Kauf nehmen mussten und trauen uns deshalb nicht, uns abzugrenzen. Dabei ist es ja eher so, dass Ja-Sager zwar weniger Reibungspunkte haben, aber meistens im Leben eher nicht vorwärtskommen. Außerdem kommen traumatisierte Menschen in unsere Gruppe, die die Aggression abgespalten haben, um zu funktionieren, bzw. nicht den Unterschied zwischen Gewalt und Aggression sehen können. Depressionen entstehen auch oftmals aufgrund unterdrückter Aggression. In der Therapie arbeiten wir unter anderem mit Formen der Kampfkunst, um erst einmal eine Körperlichkeit herzustellen und zu lernen, wie es ist, sich körperlich abzugrenzen.

Wie kann man sich eine Therapieeinheit vorstellen?

Am Anfang machen wir eine Befindlichkeitsrunde, in der jeder Teilnehmer sagen kann, wie er sich gerade fühlt. Danach erklären wir das Thema und versuchen den Patienten den Sinn zu erläutern. Gerade, wenn es um Abgrenzung geht, spielen Ängste eine große Rolle, was zur Ablehnung führen kann. Wenn wir den Sinn erläutern, dann sinkt oft die Abwehrhaltung von alleine. Das Thema kann zum Beispiel sein, durch eine Enge hindurchzukommen. Im Anschluss treten wir in Aktion, z. B. indem wir tanzen, um in unseren Körper zu kommen. Dann bearbeiten wir das Thema. Im Fall der Enge klammert die Gruppe einen anderen Patienten ein, sodass er durch Körperlichkeit herauskommen muss. Die Gruppe muss dabei so viel Widerstand leisten, dass der Akteur rauskommen kann, es aber trotzdem eine Herausforderung ist. Es ist wirklich berührend zu sehen, wie glücklich manche Teilnehmer/innen im Anschluss sind. Im Endeffekt ist es in diesem Fall ähnlich wie bei Kindern, die rangeln. Man hat etwas geschafft und sich befreit. Manchmal ist auch ein schrittweises Vorgehen wichtig, damit die Teilnehmer/innen nicht überfordert und in eine Erstarrung geraten. So soll der Patient zunächst nur auf das vollständige Atmen achten. Denn erstarren wir, atmen wir flach und sind weniger handlungsfähig. Hat er es geschafft, tief und ruhig zu atmen, dann kann er sich im zweiten Schritt körperlich und verbal wehren.

Am Ende der Einheit machen wir eine Schlussrunde, um die Erlebnisse zu integrieren. Wir wollen eventuell entstandenen Fragen Raum geben. Außerdem kann das Thema auch im weiteren Verlauf in die Kerngruppe integriert und erneut bearbeitet werden.

Tipp:

Helga Köhler bietet verschiedene Selbsterfahrungsseminare in der Akademie Heiligenfeld an. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

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Marina Prieb

Marina Prieb

Marina Prieb ist für das Online-Marketing in den Heiligenfeld Kliniken verantwortlich und schreibt für den Blog und die Social Media-Kanäle.

2 Kommentare


  1. Einfach vielen Dank und viele Grüße an Frau Köhler!
    In meiner Zeit in Heiligenfeld war diese „Aggressionsgruppe“ (damals nicht mit Fr. Köhler) wirklich eine der erstaunlichsten Gruppen in HF! Nachdem ich zuerst dachte „was soll ich denn der Aggressionsgruupe?“, war ich danach so was von froh und begeistert von dieser Gruppe. Außer jede Menge Energie fühlte es sich für mich so.. hmm, „stark“ an. Ich fühlte mich mehr so an, als ob ich Dinge besser und selbst regeln kann.
    Bei Fr. Köhler war zu TaKeTiNa und anderen Gruppen. Ich verdanke ihr viel und fühle mich noch immer verbunden, nach vielen Jahren.

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    1. Marina Prieb

      Liebe Frau Druckenmüller,
      vielen Dank für Ihr Feedback. Es freut mich zu hören, dass Sie sich bei uns wohl gefühlt haben. Für die Zukunft wünsche ich Ihnen nur das Beste.

      Liebe Grüße
      Marina Prieb

      Antworten

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