Zu viel, zu wenig, zu unerträglich – Burnout, Boreout und Depression

Zu viel, zu wenig, zu unerträglich - Burnout, Boreout und Depression

Vom sogenannten Burnout, beziehungsweise Burnout-Syndrom, hat bestimmt jeder schon einmal gehört. Der Begriff wurde in den letzten Jahren zu Hauf in den Medien besprochen und ist in vielen Fällen der Anlass für eine psychosomatische Behandlung. Wie seine Verwandte, die Depression, gilt Burnout bereits als Volkskrankheit. Aber was ist das eigentlich, dieses „Burnout“?

Burnout – ein Phänomen der Arbeitswelt?

Die Fachwelt kennt verschiedene Definitionen des Phänomens. Nachdem die Weltgesundheitsorganisation im vergangenen Jahr die Aufnahme des Burnout-Syndroms in den 2022 in Kraft tretenden ICD-11 (sozusagen der internationale „Krankheitenkatalog“) ankündigte, wird diese zur Zeit wieder heiß diskutiert. Die WHO beschreibt Burnout nämlich so:

  • ein Gefühl von Erschöpfung
  • eine zunehmende geistige Distanz oder negative Haltung zum eigenen Job
  • ein verringertes Leistungsvermögen im Beruf

Burnout wird damit von der weltweiten Gesundheitsinstanz vorrangig im Zusammenhang mit Stress und Überforderung am Arbeitsplatz definiert. Es muss jedoch nicht immer der unstete Jet-Set-Manager-Job sein, der wie kaum ein anderes Berufsbild unsere Vorstellung vom Burnout-Syndrom geprägt hat. Es geht auch nicht nur um Menschen in sozialen und helfenden Berufen – wie Ärzte, Lehrer, Erzieher oder Pflegekräfte – auch wenn wir wissen, dass diese Gruppen oft betroffen sind. Im Grunde kann es jeden, egal in welchem Job, treffen! Burnout reicht sogar weit über das Berufsleben hinaus. Immer häufiger trifft Burnout bereits junge Leute, die ihr ganzes Berufsleben noch vor sich haben: Studenten, Azubis oder Schüler. Es trifft auch Personen, die keinem geregelten Beruf nachgehen, sondern sich stattdessen aufopfern um im eigenen Heim Haushalt, Kinder oder pflegebedürftige Angehörige zu versorgen. Es trifft Arbeitslose und Arbeitssuchende. Kurz: Burnout macht vor niemandem Halt. Und jede Situation hat das Potential uns emotional und körperlich zu überfordern!

Wie eine Flamme, die langsam erstickt

Meiner Meinung nach, begreift man den Begriff „Burnout“ als Laie am besten, wenn man ihn einfach übersetzt! „To be burned out“ bedeutet im Englischen wortwörtlich „ausgebrannt sein“. Auch im Deutschen kennt man diesen Ausdruck: Er steht für Erschöpfung, für dieses Gefühl nicht mehr zu können, weil man bereits alles gegeben hat. Wie eine lodernde Kerze, deren Licht erloschen ist.

Wie es zum Burnout kommt, lässt sich am besten am 12-Phasen-Modell nach Herbert Freudenberger (1974) erklären:

Der Burnout-Prozess kann in seiner Anfangsphase zunächst nämlich ganz unscheinbar, wenn nicht sogar positiv, erscheinen. Bei vielen Betroffenen entwickelt er sich aus Ehrgeiz und dem Willen sich zu beweisen. Der- oder Diejenige möchte eben einfach zeigen, was er/sie draufhat! Das klingt doch erst einmal gut, oder? Doch mit der Zeit fällt auf, dass die Leistungsbereitschaft selbstschädigende Züge annimmt. Etwa ab Stadium 6, dann wenn Betroffene beginnen Probleme zu verleumden, sollte man eine Behandlung ernsthaft in Erwägung ziehen. Denn in seinen nächsten Stadien geht es im Burnout-Prozess immer steiler bergab: Die Person isoliert sich, verliert sich geradezu selbst und schließlich schwindet alle Kraft, alle Leidenschaft und alle Motivation. Das Feuer geht flackernd aus.

Schuften bis man nicht mehr kann – Die Tapferkeitsmedaille der Leistungsgesellschaft

Burnout können wir, auch wenn wir nicht selbst davon betroffen sind, in der Regel gut nachvollziehen. Es erscheint eine logische Folge von zu viel Stress, zu viel Arbeit und zu viel Anstrengung zu sein. Wer viel leistet, sich selbst immer und immer mehr abverlangt, ist irgendwann völlig erschöpft. Ausgebrannt eben! Es entspricht unserem Verständnis von Leistung, dass jemand, der tapfer geschuftet hat, einfach nicht mehr kann und eine Pause – und, ja, eventuell eine professionelle Behandlung – braucht. Ein kleiner Lichtblick: Zumindest hier, beim Burnout, lässt sich das Stigma gegenüber psychischen Störungen abbauen.

Dolce far niente? Der bittere Beigeschmack des Nichtstuns

Schwieriger nachzuvollziehen wird das Ganze, wenn jemand scheinbar nichts geleistet hat. Hier kommt das sogenannte Boreout ins Spiel. Auch dieser Begriff leitet sich aus dem Englischen ab. „To be bored“ bedeutet „sich langweilen“. „Being bored out of ones mind“ heißt so viel wie „sich zu Tode langweilen“. Ein Boreout beschreibt in seinem Kern also Langeweile oder auch ein Gefühl der Nutzlosigkeit. Betroffen sind davon zum Beispiel Menschen, die einen Beruf ausüben, der sie permanent unterfordert. Ihre Arbeit gibt ihnen keine Gelegenheit ihre Kompetenzen und Talente unter Beweis zu stellen. Nichts, was sie tun, scheint von Bedeutung zu sein. Sie vernachlässigen, verdrängen und verleugnen ihre Bedürfnisse, ihre Ansprüche an sich selbst oder ihren Wunsch nach beruflichem Erfolg. Auch Menschen, die gemobbt werden, die sich einsam fühlen oder denen es an erfüllenden sozialen Beziehungen fehlt, sind potentielle „Boreout-Kandidaten“.  Langweile klingt nach einem Luxusproblem, doch dauert sie an, kann sie der Grund für tiefe Frustration, große Unzufriedenheit und einen Verlust der Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns, sogar des eigenen Lebens, sein.

Zu viel oder zu wenig? Einfach unerträglich!

Burnout und Boreout verhalten sich in vielerlei Hinsicht wie zwei Seiten derselben Medaille. Ihnen gemeinsam ist, dass sie wie Zahnräder in das greifen, was wir als Depression kennen. Über- oder Unterforderung treiben die psychische Erkrankung sozusagen an und wenn erst einmal ein Rädchen im Dreck läuft … Nun, Sie kennen das Sprichwort ja!

Wenn Sie herausfinden möchten, wie gefährdet Sie für ein Burnout sind, beantworten Sie ehrlich die Fragen unseres neuen Burnout-Tests. Wenn Sie bereits spüren, dass Sie selbst oder jemand in Ihrer Umgebung, auf ein Burnout zusteuert, zögern Sie nicht, sich über unsere Behandlungsangebote zu informieren.

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